Donnerstag, 2. September 2010

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Initiative will gentechnikfreie Region

Friedland ArrayVonJörg Kühl

Gentechnik-Gegner haben in Friedland über den Stand der umstrittenen Anbaumethoden in der Region berichtet. Ihr Fazit: Noch ist Oder-Spree gentechnikfrei, aber die Biotech-Konzerne sind landesweit auf dem Vormarsch.

Die aus Sicht der Gentechnik-Gegner erfreuliche Nachricht kam gleich zu Beginn: Im Kreis Oder-Spree gebe es derzeit keine Anbauflächen, auf denen gentechnisch veränderte Pflanzen wachsen. Das hat der Leiter des kreislichen Landwirtschaftsamtes, Max Krüger, bekannt gegeben, der nach eigenen Angaben als "interessierter Bürger" und als Fachmann an der Informationsveranstaltung der Gentechnik-Gegner in Friedland teilnahm.

Doch das könnte sich nach Ansicht der "Initiative zur Schaffung einer gentechnisch freien Region im Landkreis Oder-Spree" bald ändern. Sprecher Andreas Gliese belegte anhand von Greenpeace-Zahlenmaterial, dass sich in Brandenburg die Zahl der angemeldeten Genmais-Flächen in den letzten Jahren drastisch erhöht habe. Brandenburg stellt demnach beinahe die Hälfte aller Gentechnik-Anbauflächen in Deutschland.

Ein Großteil der 2000 Hektar entfielen dabei auf den Nachbarkreis Märkisch-Oderland. Dort hatten sich laut dem "Aktionsbündnis gentechnikfreie Landwirtschaft Berlin-Brandenburg" vor vier Jahren 30 überwiegend konventionell produzierende Landwirtschaftsbetriebe mit insgesamt 18 000 Hektar zur "gentechnikfreien Region" zusammengeschlossen. Die Landwirte hatten sich freiwillig dazu verpflichtet, in der Pflanzen- und Tierproduktion keine genverändeten Organismen zu verwenden.

So oder so ähnlich soll es nach dem Willen der Initiative auch im Kreis Oder-Spree werden. Das Ziel der "Initiative zur Schaffung einer gentechnisch freien Region im Landkreis Oder-Spree" ist ein freiwilliges Bündnis von Landwirten und Kommunalpolitikern, die sich gegen die Verwendung von Gentechnik in der Region aussprechen. Dreißig Unterzeichner hätten bereits zugestimmt. Zu den Unterstützern der Initiative gehören nach Glieses Auskunft auch konventionelle Landwirtschaftsbetriebe.

Mit einer "Selbstverpflichtungserklärung" sollen sich die teilnehmenden Landwirte verpflichten, nur gentechnikfreies Saatgut einzusetzen. Außerdem sollen die Landwirte ihren Willen bekunden, in der Pflanzen- und Tierproduktion "wissentlich keine gentechnisch veränderten Organismen und Produkte einzusetzen". Dies sei allerdings immer schwerer zu erreichen, weil 90 Prozent der im Handel erhältlichen Futtermittel gentechnisch veränderte Bestandteile enthalten können, wie Henryk Staar vom Gut Hirschaue referierte.

Gliese stellte klar, dass es auf Kreisebene keine direkte Handhabe gegen die Verwendung von Gentechnik gebe. Kein Bauer könne zu dem Verzicht auf Gentechnik gezwungen werden. Daher setze man auf das Prinzip Freiwilligkeit: "Jeder Landwirt kann etwas dagegen tun." Jeder, der einen Bauern kennt, solle Überzeugungsarbeit leisten, gab Gliese den Anwesenden mit auf den Weg.

Staar schlug vor, das Label "gentechikfreie Region" auch als touristisches Argument zu nutzen. Er warnte vor dem Missbrauch der Marktsstellung, die die Gentechnik-Kritiker den Biotechnologie-Konzernen zuschreiben. Wer erst einmal damit angefangen habe, komme aus den bestehenden Abhängigkeiten nicht mehr heraus, so lautet Staars Vorwurf an die Gentechnik-Industrie. Kreisdezernentin Ilona Weser, die, wie Krüger, "als interessierte Bürgerin" an der Versammlung der Gentechnik-Gegner teilnahm, warnte vor den unabsehbaren Folgen des Gentechnik-Einsatzes: Was in 20 Jahren ist, kann man doch heute überhaupt nicht einschätzen. Das ist doch alles andere als nachhaltig gehandelt!"

Das Verkaufsargument, die gentechnisch "optimierten" Pflanzen seien resistent gegen bestimmte Schädlinge, halten die Mitglieder der Initiative für nicht stichhaltig. Die Probleme mit Schädlingen seien hausgemacht, behaupten sie. Der Maiszünsler etwa sei eine Folge von Monokultur und fehlender Fruchtfolge. Vor dem Hintergrund, dass Maissilage (auch unter Verwendung von Genmais) immer häufiger zur Energiegewinnung eingesetzt wird, äußerte Krüger seine Genugtuung, dass es im Kreis Oder-Spree bei den bestehenden zehn Biogas-Anlagen geblieben sei.

Nun wollen die Initiatoren der "gentechnikfreien Region" auch den Kreistag auf ihre Seite ziehen. Zustimmung gebe es vereinzelt über die Fraktionsgrenzen hinweg, behauptet Gliese: "Leider haben wir in dem Punkt keine Mehrheit." Auch mit dem Kreis-Bauernverband gebe es bisher keine einheitliche Linie zu dem Thema. Dr. Ilona Weser appellierte an Gliese und Staar, sich trotz der Meinungsverschiedenheiten im Februar in den Bauernverband wählen zu lassen: "Jede Stimme zählt!"



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