Donnerstag, 2. September 2010

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Lehrerin bestreitet Gewalt gegen Schüler

Potsdam ArrayVon Sabine Steinbeiß

Der Vorwurf wiegt schwer: Eine Grundschullehrerin soll Schüler geschlagen und unter Druck gesetzt haben. Das Amtsgericht Königs Wusterhausen sah die Schuld der Frau als erwiesen an. Sie ging in Berufung. Diese wird nun vor dem Landgericht Potsdam verhandelt.

Die Aussagen der Eltern ähneln sich. Ihre Kinder seien zur Einschulung stolz gewesen, hätten sich auf den neuen Lebensabschnitt gefreut. Aber innerhalb eines halben Jahres veränderten sich die Sechs- und Siebenjährigen. Sie mutierten teilweise wieder zu Kleinkindern, nässten nachts ein, wollten nicht mehr allein schlafen. Am Morgen klagten sie über Kopf- und Bauchschmerzen, rollten mit den Augen, bekamen Schluckbeschwerden oder rupften sich die Haare aus.

Die Eltern machten sich Sorgen, dachten aber, dass sei nur bei ihrem Kind so. "Die Umstellung vom Kindergarten zur Schule, neue Eindrücke und Herausforderungen", erklärte eine Mutter am Mittwoch im Zeugenstand. Weil ihre Tochter über massive Sehstörungen klagte, sei sogar sie, die Medizin studiert hat und als Allgemeinmedizinerin praktiziert, mit ihrem Kind zum Augenarzt gegangen.

Komisch kam ihr das Ergebnis des Fachkollegen vor. "Ihr Kind ist kerngesund", hieß es. Nun machte sich die Mutter doch mehr Gedanken. Sie kam aber nicht auf die Idee, dass etwas in der Schule nicht stimmen könnte. Ein Zufall brachte alles ans Licht. Eigentlich war der Elternstammtisch am 13. Februar 2007 für die Vorbereitung eines Schulfestes gedacht. Aber dann sprach eine Mutter über die Probleme, die sie mit ihrem Sohn hatte und das dieser ihr von "Kopfnüssen" der Klassenlehrerin Sieglinde B. (57) erzählt habe. Bis dato hatten die 26 Schüler der Klasse 1b der Grundschule in Eichwalde (Dahme-Spreewald) nie von Schlägen oder anderen Repressalien gesprochen. So soll die Lehrerin ihre Schüler streng eingeteilt haben - in "gut, mittel oder schlecht".

Weil einige Eltern Strafanzeige gestellt hatten, kam es Anfang dieses Jahres zu einem Prozess vor dem Amtsgericht Königs Wusterhausen. Die Kammer verurteilte Sieglinde B. wegen vorsätzlicher Körperverletzung im Amt zu sechs Monaten auf Bewährung und 1500 Euro Geldbuße. Die Lehrerin legte Berufung ein. Bis heute vermutet sie eine Hetzkampagne der Eltern.

Die wollten damals eigentlich nur eine schnelle und gute Lösung für ihre Kinder, damit die wieder Spaß am Lernen bekommen. Aber auch da wurden Fehler gemacht. Nachdem eine Fragebogenaktion weitere "Kopfnüsse", "Armrempler" und Zur-Schau-Stellungen vor der Klasse hervorgebracht hatte, wendeten sich die Elternsprecher an die Schulleitung.

Die Direktorin erhoffte sich Unterstützung vom zuständigen Schulamt in Wünsdorf (Teltow-Fläming). "Doch vom Schulrat ist keine Hilfe gekommen", beklagte sich am Mittwoch die füllige, resolute Frau im Zeugenstand. Nur zu einer außerordentlichen Elternversammlung sei der Gesuchte aufgetaucht, dort sei aber keine Lösung gefunden worden. "Erst durch den Versetzungswunsch von Frau B. habe die Klasse eine neue Lehrerin bekommen", so die Schulleiterin.

Bis heute sind die Geschehnisse von vor gut zwei Jahren nicht mit den Kindern, Eltern sowie in der Schule thematisiert worden. Die Stimmung in Eichwalde ist vergiftet. Bis zum Vorkommnis gab es jahrzehntelange freundschaftliche Beziehungen zwischen Schulleiterin und der Familie einer betroffenen Mutter.

Richterin Sabine Schwesig muss sich durch widersprüchliche Aussagen, gegenseitige Belastungen und immer lückenhafteren Erinnerungen der Zeugen durcharbeiten. Das Urteil soll am 15. Oktober fallen. Staatsanwalt Jens Itzigehl und Nebenkläger René Teichmann wollen das Urteil vom Amtsgericht bestätigt sehen. Verteidiger Holger Gläser zweifelt die Glaubwürdigkeit der befragten Schüler massiv an und fordert einen Freispruch für seine Mandantin. Die 57-Jährige wollte sich gestern - mit Blick auf die mit Eltern voll besetzten Zuschauerreihen - "zu gegebener Zeit" zu den Vorwürfen äußern.



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