Strausberg ArrayAm 17. Juni 1953 sollen laut Heinz Grünhagen in der Hennickendorfer Chaussee sowjetische Schützenpanzerwagen aufgefahren sein, um den Widerstand der streikenden Bauarbeiter zu brechen. Deshalb hält es das Mitglied der damaligen Streikleitung für angemessen, die Chaussee in Straße des 17. Juni umzubenennen. Der heute 75-Jährige sucht dafür die politische Mehrheit und hat bei den Fraktionsvorsitzenden vorsichtige Zustimmung erfahren. Linken-Chef Meinhard Tietz mahnte, das Thema nicht zum Spielball zwischen den Parteien zu machen, dazu sei es zu ernst.
Der Protest der Bauarbeiter am 17. Juni 1953, der schließlich in einen Aufstand mündete, ist in Strausberg seit Jahren immer wieder Anlass für Debatten. Den Anstoß dazu gibt stets das Mitglied der damaligen Streikleitung auf der Baustelle der Bau-Union Spree in Eggersdorf, Heinz Grünhagen. Der seinerzeit 20-jährige Vorarbeiter wurde noch im Sommer 1953 zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt.
Jetzt hat Heinz Grünhagen die Fraktionsvorsitzenden der neu gewählten Stadtverordnetenversammlung mit dem Vorschlag konfrontiert, die Hennickendorfer Chaussee in Straße des 17. Juni umzubenennen und sie um Stellungnahme gebeten. "Damals waren russische Schützenpanzerwagen in dieser Straße aufgefahren, da ist es doch wohl gerechtfertigt, die Straße nach diesem historischen Datum zu benennen", sagt er.
In den vergangenen Tagen sondierte Grünhagen die Meinungen der Kommunalpolitiker. Seine vorangegangenen Aktionen - das Aufstellen des Gedenksteins vor dem Tor der Barnim-Kaserne und später die Installierung einer Namenstafel mit den Mitgliedern der Streikleitung - hatte der Veteran teilweise in Konfrontation mit den Kommunalpolitikern durchgesetzt. Jetzt stieß er bei den Fraktionschefs auf vorsichtige Zustimmung. Keiner jedoch, bis auf Thomas Weiske (CDU), ließ sich hinreißen, sofort namens der Fraktion zuzustimmen. Meinhard Tietz (Die Linke) als Chef der größten Fraktion: "Natürlich müssen wir das in unserer nächsten Fraktionssitzung erst einmal besprechen und einen Standpunkt erarbeiten. Das ist ein ernstes Thema, mit dem wir mit gebotenem Ernst und Sachlichkeit umgehen werden. Es darf keinesfalls zum Spielball zwischen den Fraktionen werden." Er schlägt vor, die neutrale Sicht von Historikern für die Beurteilung des Anliegens hinzuzuziehen.
Persönlich aufgeschlossen reagierte der Vorsitzende der Offenen Fraktion Thomas Frenzel: "Das Anliegen gehört zur Aufarbeitung der DDR-Geschichte in Strausberg, das Datum zur deutschen und Strausberger Geschichte. Und die hat sich am 17. Juni 1953 nun mal genau dort vorn abgespielt. Insofern halte ich es ganz persönlich für gerechtfertigt, den Abschnitt bis zur Kaserne danach zu benennen." Gleichzeitig betonte Frenzel aber, dass es innerhalb der Fraktion dazu noch Gesprächsbedarf gebe.
Zurückhaltend, aber nicht ablehnend, reagierte Christel Kneppenberg, die Vorsitzende der SPD-Fraktion, auf Nachfrage der Zeitung: "Ich bin dem Ansinnen nicht ganz abgeneigt, möchte aber gern Belege, dass dort tatsächlich Schützenpanzerwagen aufgefahren sind, sehen. Es gibt widersprüchliche Aussagen darüber." Straßenumbenennungen seien allerdings immer schwierig, allein schon, weil sie Kosten für die Anwohner und die Stadt verursachten. Deshalb solle man mit den Anwohnern darüber sprechen. Sie wolle den Vorschlag in der Fraktion diskutieren.
"Die CDU-Fraktion unterstützt diesen Vorschlag mit Nachdruck", sagt Vorsitzender Thomas Weiske, "zeigt sich doch in jüngerer Vergangenheit, dass immer mehr Schüler mit diesem historischen Datum nichts anfangen können. Wir als CDU-Fraktion sind der Meinung, dass gerade die geschichtlichen Ereignisse, wie auch der 17. Juni 1953, mehr in den Focus der Schüler gebracht werden müssen, um so die Vergangenheit zu erkennen und für die Zukunft daraus die richtigen Konsequenzen zu ziehen."
Gestern hat Heinz Grünhagen auch Bürgermeister Hans Peter Thierfeld befragt. Er zeigte sich aufgeschlossen, betonte aber, dieser Vorschlag bedürfe einer politischen Entscheidung: "Es würde der Stadt gut zu Gesicht stehen, sich offensiv mit einer Straße zu diesem Ereignis ihrer Geschichte zu bekennen."

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