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"Der Barnim wurde sehr gut erkundet", sagt Thomas Neu, Geschäftsführer der ENRO Geothermie GmbH. Und zwar zu DDR-Zeiten, als man nach Öl- und Gasvorkommen suchte und bohrte. "Das Datenmaterial ist ein wahrer Fundus." Auf der Grundlage dieser Unterlagen und Studien war sein Unternehmen schließlich auf das Areal nordöstlich von Berlin aufmerksam geworden.
"Wobei wir uns speziell für Vulkanite interessieren." Das seien heiße Gesteinsschichten. Diese werden beim geplanten geothermischen Projekt angebohrt. Die Energie nutze man - über einen geschlossenen Wasserkreislauf - zur Stromerzeugung. Bundesweit würde das Geothermiepotential nach aktuellem Stand der Technik reichen, um ganz Deutschland 500 Jahre lang mit Strom zu versorgen. Pro Bohrplatz und Anlage müssten vier Bohrungen realisiert werden. In eine Tiefe von etwa 4500 Meter.
Zunächst einmal seien fünf Anlagen im Oberbarnim konzipiert (ein sogenannter Konvoi): zwei in Finowfurt, zwei in Eberswalde und eine Britz (nahe Fleischwerk). Eine sechste könnte, so der Unternehmenschef, in Bernau entstehen. Starten wolle man in Finowfurt auf dem Gewerbepark. Im März, so das ehrgeizige Ziel, soll der Bohrplatzbau beginnen. "Dann wollen wir vor Ort auch ein Informationsbüro einrichten." Pro Bohrung seien drei bis vier Monate zu veranschlagen. Einschließlich Testlauf könnte die Pilotanlage zu Weihnachten 2010 ihren Betrieb aufnehmen. Mit der Gemeinde Schorfheide, die Eigentümer der entsprechenden Flächen ist, sei man sich im Prinzip einig. Der Kaufvertrag sei ausgehandelt.
Die Investitionskosten für die erste Anlage würden sich laut Neu auf etwa 120 Millionen Euro belaufen. "Allein die Bohrkosten schlagen dort mit 70 Prozent zu Buche." Bei den folgenden Anlagen würde sich der Aufwand etwas reduzieren. Für die fünf Oberbarnimer Standorte rechnet der Essener mit einem Gesamtvolumen von 450 Millionen Euro. Bei einem Realisierungszeitraum von sechs Jahren. Jedes Kraftwerk sei mit einer elektrischen Leistung von 10 Megawatt konzipiert. Die Abwärme, die bei dem Prozess entsteht, könnte ins Fernwärmenetz eingespeist werden. "Deshalb suchen wir stets Standorte, wo auch Heizwerke betrieben werden."
Allein: Aufgrund der Bankenkrise sei das Unternehmen in der finanziellen Absicherung des Projektes in Verzug geraten, wie Neue einräumt. Zugleich aber zuversichtlich, die Probleme in den nächsten Wochen lösen zu können. Schorfheides Bürgermeister Uwe Schoknecht versichert auf Anfrage der MOZ, dass die Gemeinde den Investor und das Vorhaben mit ganzer Kraft unterstütze. Etwa bei Gesprächen im Wirtschaftsministerium oder bei der Beschaffung von Fördermitteln. "Wo wir helfen können, werden wir das natürlich tun." Zugleich bestätigt Schoknecht, dass die Verträge für das Grundstück im Finowfurter Gewerbepark unterschriftsreif sind. "Wir müssen nur noch zum Notar gehen", so Schoknecht, der das Geothermie-Projekt für eine "zukunftsträchtige Investition" hält, die dazu beitragen würde, die Nullemissionsstrategie des Kreises in die Praxis umzusetzen.

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