Donnerstag, 2. September 2010

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Geteiltes Echo auf Gen-Mais-Antrag

ArrayMit dem gentechnisch veränderten Mais, dessen Aussaat im Raum Werneuchen beantragt ist, soll die Toleranz gegenüber einen Unkrautvernichtungsmittel getestet werden. Das erläuterte Peter Hefner, Sprecher der Syngenta Agro GmbH. "Der im Versuch geprüfte GA-21-Mais ist aufgrund einer gentechnischen Veränderung resistent gegen den Herbizidwirkstoff Glyphosate. Die Resistenz wurde durch die Modifizierung eines Maisgens erreicht. Der Mais produziert jetzt ein Eiweiß, das den Wirkstoff in der Pflanze abbaut und ihn so für den Mais verträglich macht", erklärte Hefner. Die Aussaat erfolgt auf einer Fläche von 8000 Quadratmetern, die von vier Reihen konventionellem Mais umgeben sein wird. Der Abstand zu anderen Maiskulturen muss mindestens 200 Meter betragen.

In Imkerkreisen wird der Anbau von gentechnisch verändertem Mais skeptisch betrachtet. Horst Lange, Imker in Klosterfelde, sieht darin eine neue Materie: "Die Folgen der Freisetzung von gentechnisch veränderten Pflanzen sind noch nicht raus." Ärgerlich für ihn sei besonders, dass nach einem Urteil eine ganze Ladung Honig gesperrt wird, wenn darin Pollen einer bestimmten Sorte von gentechnisch verändertem Mais gefunden werden. Ein Augsburger Gericht hatte im vorigen Jahr Honig, der Pollen von MON810 enthält, für unverkäuflich erklärt.

Der Professor des LänderInstituts für Bienenkunde in Hohen Neuendorf, Kaspar Bienefeld, weist indes darauf hin, dass dieses Verbot von einem höheren Gericht aufgehoben worden sei. Honig, der derartige Pollen enthält, sei durchaus verkaufbar. In Kanada und in Südamerika, wo dieser Mais in großem Umfang wächst, gebe es kaum noch Honig der diese Pollen nicht enthält. "Zutreffend ist allerdings, dass er nicht als Biohonig verkauft werden darf." Die Rücknahme des Urteils von Augsburg erklärt sich nach Worten von Bienefeld mit der Erkenntnis, dass die fraglichen Pollen Bienen nicht schädigen. Es habe sich gezeigt, dass die schädliche Wirkung auf einige Schmetterlingsarten, deren Magendarmwand sich auflöst, bei Bienen nicht vorhanden ist. Nach Worten von Bienefeld entstehen die Sorgen für die Imker, weil der Verbraucher Honig ohne gentechnisch veränderte Pollen will. Der entsprechende Nachweis sei aber für die Imker sehr teuer. Angesichts des äußerst geringen Anteils im Honig geht Bienefeld davon aus, dass sich die Verbraucher keine Sorgen machen müssen.

Für eine Manipulation an der Schöpfung indes hält der Willmersdorfer Landwirt Bringfried Wolter das Ausbringen gentechnisch veränderter Organismen (GVO). Als Christ kann er das aus ethischen Gründen nicht befürworten. Aber abgesehen davon macht Wolter auf ökonomische Interessen aufmerksam, die gegen den Freilandanbau von Genmais sprechen. "Der wirtschaftliche Aspekt ist, letztlich die Nahrungsmittelproduzenten abhängig zu machen. Auf diese Pflanzen ist ein Patent angemeldet", erklärt Wolter. Das sei der Unterschied zu konventionellen Züchtungen, wo der Bauer Nachbaugebühren bezahlt, dann aber aus seiner Ernte eigenes Saatgut gewinnen könne. Dies sei jahrhundertealtes Recht der Bauern. Bei gentechnisch veränderten Pflanzen sei das völlig anders. Die müssen für jede Aussaat neu erworben werden. Komme es zudem zu unbeabsichtigten Kreuzungen mit konventionellen Pflanzen, seien Gene der patentierten Pflanzen auch dort nachweisbar, so dass am Ende der konventionelle Bauer dafür zahlen muss, wie es sich im Streit von Bauern mit den Rechtsanwälten großer Konzerne zeigt. "Wenn die Bauern abhängig sind, dann folgt ein Preisdiktat", sagt Wolter. Dies merke dann auch der Verbraucher. Genmais spiele dabei nicht die große Rolle. Er sei jedoch Türöffner für andere GVO.

Karsten Molzahn, der in Bernau einen Naturkostladen betreibt, verweist auf Brandenburg als Bundesland mit der größten Fläche für den ökologischen Landbau. Genmais im Freiland gefährde aber nicht nur den Bio-, sondern auch den konventionellen Landbau. "Das Genmais-Vorhaben befindet sich in der öffentlichen Auslegung, so dass man noch Widerspruch einlegen kann", sagt Molzahn.

Burkhard Horn, Bürgermeister und Chef im Werneuchener Rathaus, wo die Anträge eingesehen werden können, meint hingegen, dass man durchaus auch neue Wege gehen müsse. Er betrachtet sich nicht als Gegner des Anbaus von gentechnisch veränderten Pflanzen. "Ich verstehe aber auch die, die Sorgen haben, was es für die Menschen bringt", sagte der Bürgermeister.



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