Donnerstag, 2. September 2010

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Motorseglern unter die Haube geschaut

Strausberg ArrayAnfang der 1990er Jahre hat die Stemme AG ihren Firmensitz von Berlin nach Strausberg verlegt. Das Unternehmen, das Hochleistungsmotorsegler mit Weltniveau entwickelt und produziert, gewährte am Donnerstagnachmittag bei der Aktion "MOZ öffnet Türen" einen Einblick in seine Produktionsstätte am Flugplatz Strausberg. MOZ-Leser konnten dort mit Firmenchef Reiner Stemme und Brandenburgs Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns (CDU) ins Gespräch kommen.

  Zufrieden mit dem Interesse: Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns (von hinten) begr³▀te die Teilnehmer der MOZ-Aktion. Er sei schon selbst mit Stemme-Modellen geflogen und "fasziniert" von dem Erlebnis gewesen. (Mehr Fotos auf www.moz.de) ©

Eigentlich wollte Stemme mit seinem im Herbst 1984 in Westberlin gegründeten Unternehmen nach der Maueröffnung nach Schönhagen ziehen. Doch weil der dortige Flugplatz nur eine Grasbahn hatte, sah sich der damalige Steglitzer nach einer Alternative um und wurde in Strausberg fündig. In zuvor von Armeefliegern genutzten Hallen konnte er mit einem Motorsegler, der 1987 seinen Erstflug absolviert hatte, durchstarten. Das Modell S 10 werde in verbesserter Version noch heute produziert, sagte der Firmenchef den Gästen. Inzwischen seien mehr als 200 dieser Flugzeuge auf der ganzen Welt unterwegs.

Mit dem Flieger schaffe man bei gutem Wetter mit Tempo 120 rund 1700 Kilometer, also bis nach Rom. Mit dem Modell wurden zudem bereits mehrere Weltbestleistungen aufgestellt. Zuletzt war Klaus Ohlmann über den argentinischen Anden 14 Stunden in der Luft und legte mehr als 2600 Kilometer zurück. Dafür brauche es besondere Aufwinde, erklärte Stemmes Tochter Karen, die selbst fliegt und im Unternehmen für Marketing verantwortlich zeichnet.

Neben dem Hochleistungsmotorsegler stellt die Stemme AG inzwischen auch "Arbeitsflugzeuge" her, wie sie der Firmenchef nennt. Sie könnten zum Beispiel für die Überwachung von Grenzen, aber auch Pipelines oder Hochspannungsleitungen genutzt werden, können mit GPS-Unterstützung den Trassen sogar automatisch folgen. Vor einer Woche wurde ein solches Flugzeug an einen Kunden aus Mexiko ausgeliefert. Dort könnten Wasserleitungen in die Hauptstadt überwacht werden, aus denen bis zu 50 Prozent abgezapft würden. Diese Flieger kosten pro Stück je nach Ausstattung zwischen 500 000 und 750 000 Euro, erklärte der Chef. Die Preise der "Normalen" lägen zwischen 200 000 und 280 000 Euro.

Gefragt sind Stemme-Modelle auch als Trainingsflugzeug von Flugschulen. Und derzeit wird mit Partnern aus Bremen und Frankreich an einem Modell gearbeitet, das unbemannt fliegen soll. Bei der großen internationalen Pariser Flugschau in Le Bourget im Juni werde es vorgestellt, kündigte der Firmenchef an. Natürlich sei dieser Typ auch für militärische Zwecke einsetzbar, zum Beispiel zur Aufklärung. "Viel Wissen" über die jeweils gegnerische Seite könne "heiße Kriege" verhindern, glaubt Stemme. Er schätzt, dass in den nächsten fünf bis zehn Jahren bis zu 100 derartige Flieger gebraucht würden.

Unter anderem deshalb rechnet er mit steigendem Absatz. Nachdem 2008 zehn Flugzeuge die Hallen in Strausberg verlassen haben, sollen es in diesem Jahr 30 sein und 2010 rund 50. Angestrebt werde mit derzeit 50 Mitarbeitern ein Umsatz von zehn Millionen Euro, auch mit dem neuen Modell S 6 T, das Ende 2008 seine Musterzulassung erhalten hat. Den Gästen wurde von Karen Stemme die populäre S 10 näher vorgestellt.

"In so eine Firma kommt man ja sonst nicht rein", freute sich Stephan Ahlgrimm, dass MOZ und Wirtschaftsministerium den Besuch ermöglicht hatten. Ressortchef Ulrich Junghanns gab ein Lob zurück: "Das Interesse zeigt, dass es Ihnen nicht egal ist, wie es mit der Wirtschaft im Land weitergeht. Das hier ist etwas besonders Gutes, ein Bereich, in dem Luftfahrtgeschichte geschrieben wird."



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