Donnerstag, 2. September 2010

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Zu Ingeborg Krüger kommen die Schüler gern

Marienwerder ArrayEs ist als ganz große Sache angekündigt worden - das Kombilohnmodell. Mit seiner Hilfe sollten Langzeitarbeitslose eine Chance bekommen. Ursprünglich für drei Jahre vorgesehen, haben die meisten Kommunen die Stelle auf zwei Jahre begrenzt, um zu verhindern, dass sich jemand in eine feste Stelle einklagen kann. Seit gut einem halben Jahr hat Ingeborg Krüger eine Kombilohnstelle und ist sehr zufrieden damit.

Eine kleine Schule mit einer kleinen Bibliothek und einer Betreuerin, die Zeit hat, sich die kleinen und großen Sorgen anzuhören. Da möchte wohl fast jeder noch mal Schüler sein. Es ist Ingeborg Krüger, die die Bibliothek in der Grundschule Marienwerder geöffnet hält.

In die Schule gehen derzeit 127 Kinder. "Acht bis zehn Schüler kommen in jeder Pause", sagt die "Bibliothekarin" auf Zeit. "Sie schauen nach den Büchern, aber auch nicht immer. Manchmal wollen sie auch einfach nur mal ihr Herz ausschütten", erlebt sie immer wieder. Das sei ja auch verständlich, denn wenn beide Eltern berufstätig sind, dann haben die auch nicht immer den Nerv, sich alles in Ruhe anzuhören, was die Sechs-, Zehn- oder Zwölfjährigen bewegt. Die Kinder kommen gern und geschimpft werden muss so gut wie gar nicht. Lediglich wenn die Frühstücksbrote mit in die Bibliothek gebracht werden, muss sie etwas sagen. Das geschieht aber auch ruhig, denn "Schreien bringt nichts".

Doch Ingeborg Krüger betreut nicht nur die Bibliothek. Schulleiterin Birgit Menzel mag gar nicht daran denken, was sein wird, wenn die zwei Jahre um sind. Davor "gruselt" es sie schon. Ingeborg Krüger ist praktisch die gute Seele der Grundschule in Marienwerder und eine feste Institution Wenn plötzlich Kollegen erkrankt sind, dann betreut sie die Kinder, wenn sie in der Zeit Aufgaben lösen müssen. Sie ist schon als Betreuerin bei Klassenfahrten mit dabei gewesen, assistiert in einigen Unterrichtsstunden und hilft den Kindern bei den Hausaufgaben, erklärt die Schulleiterin. In dem Zusammenhang verweist sie auf zwei Kollegen, die erst jüngst in den Ruhestand verabschiedet worden sind. Auch hier hat Ingeborg Krüger übergangsweise aushelfen können.

"Im Rahmen des Neigungsunterrichtes war ich mit der Lehrerin und einer Klasse in Klosterfelde. Das hat unheimlichen Spaß gemacht", erzählt Ingeborg Krüger. Sie hat aber in den Sommerferien auch zu Pinsel und Farbe gegriffen und die kleine gemütliche Bibliothek renoviert.

Es sind rund 1500 Bücher, die man sich in der Bibliothek ausleihen kann. Das wird in der Freizeit, aber zum Teil auch für den Unterricht genutzt. Erfreut ist sie auch, wenn neue Literatur gekauft werden kann. Vom Förderverein der Schule hat es dafür schon einmal Geld gegeben. Es sei auch wichtig, neue Literatur anzuschaffen, da die derzeitigen Bestände in erster Linie die Schüler und Schülerinnen der dritten und vierten Klassen ansprechen. Hinzu komme, dass es bei den Jungen und Mädchen eine Entwicklung gibt. Was früher Lehrstoff in der vierten Klasse war, das lesen heute schon die Drittklässler, erläutert Birgit Menzel. Es kommen vor allem Schüler oder Kita-Kinder in die Bibliothek. Und manchmal gibt die Betreuerin ihnen auch für die Muttis zu Hause etwas zu lesen mit.

Die gelernte Bürokauffrau ist in die Aufgaben an der Schule hineingewachsen. Zuerst hatte sie als Hartz-IV-Empfängerin 2006 ein halbes Jahr lang einen Ein-Euro-Job an der Schule. Da hat sie zunächst die Bibliothek entstaubt und katalogisiert. Die Stelle lief dann aus. Da hörte Ingeborg Krüger aber nicht auf. Eine ganze Weile engagierte sie sich ehrenamtlich für die Schule, später gelang es, bestimmte Leistungen von ihr extra ein wenig zu honorieren. Um so größer die Freude für alle Beteiligten als es dann im August vorigen Jahres mit der Kombilohnstelle geklappt hat. Das sind 30 Stunden pro Woche. Eingestellt ist sie als Bibliothekshilfe. Brutto erhält sie rund 1000 Euro. Zu je einem Drittel tragen der Bund, die Kommune und das Arbeitsamt die Kosten. Abzüge sind zu zahlen.

Am 31. Juli 2010 läuft die Stelle aus. "Wenn die Zeit vorbei ist, dann fällt man in ein tiefes Loch. Ich weiß, dass ich in meinen alten Beruf nicht mehr einsteigen kann. Da bin ich einfach zu lange raus", so Ingeburg Krüger. Heute ist sie 51 Jahre. Nach Hartz IV endlich wieder etwas Geld zu verdienen, sei wirklich sehr schön. "Mein größter Wunsch ist, dass die Stelle fortgesetzt werden kann. Da hat sie die Schulleiterin ganz auf ihrer Seite. "Gerade im sozialen Bereich ist dieses Lohnmodell sehr sinnvoll", sagt Birgit Menzel. "Das Gute ist, dass Ingeborg Krüger noch jemand ist, die den Kindern zuhört."

Mit dem Kombilohnmodell sollen nach dem Beschluss der Bundesregierung vom 27. Juni 2007 Arbeitsplätze für 100 000 Langzeitarbeitlose in Regionen mit hoher Arbeitslosenquote geschaffen werden. Die Zielgruppe sind vor allem Menschen, die zwei Jahre oder länger Arbeitslosengeld II bezogen haben. Das Programm sollte am 1. Januar 2008 starten, heißt es auf der Internetseite der Bundesregierung. "Bundesweit wird es sich insgesamt auf 85 Städte, Kreise und Landkreise mit einer Arbeitslosenquote von mehr als 15 Prozent erstrecken. Davon liegen 76 im Osten Deutschlands", ist dort zu lesen. Das Programm komme aber auch westdeutschen Städten und Regionen wie Bremerhaven, Gelsenkirchen, Dortmund, Duisburg oder Kassel zugute. Nach dem Beschluss zum Kombilohn soll das Modell bei gemeinnützigen, sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen bei Kommunen oder "gemeinwohlorientierten Unternehmen" Anwendung finden. Die Arbeitsplätze sollen bis zu drei Jahre befristet sein.



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