ArrayMit dem Wunsch nach neuen Einsichten noch einmal auf die Schulbank. 46 Ärzte und Apotheker aus Deutschland und der Schweiz haben jetzt an der Viadrina ein bundesweit einzigartiges Aufbaustudium begonnen. Ziel der zweijährigen berufsbegleitenden Ausbildung ist ein Master-Abschluss mit dem Titel "Komplementäre Medizin - Kulturwissenschaften - Heilkunde".
Für die Zahnärztin Kerstin Löwe geht ein langgehegter Wunsch in Erfüllung. Sie habe sich schon immer dafür interessiert, welchen Einfluss etwa ein Gespräch auf die Gesundung von Patienten haben kann. Auch mit soziologischen oder juristischen Fragen der Medizin wollte sich die Templiner Ärztin nach eigenen Worten schon immer genauer befassen. Nun hat sie die Gelegenheit dazu - beim Masterstudium an der Europa-Universität. Am Donnerstagabend wurde der neue Studiengang am Institut für Transkulturelle Gesundheitswissenschaften offiziell eröffnet. Noch bis Sonntag sind die neuen Frankfurter Studenten zu ihren ersten Präsenzveranstaltungen in der Stadt.
Auf dem Programm stehen nach Worten von Bettina Berger künftig drei Mal pro Semester Vorlesungen und Seminare in Frankfurt. Die Studiengangskoordinatorin erinnerte zur Eröffnung an die erstaunliche Tradition der Viadrina in Sachen Medizin. So sei in alten Schriften zu lesen, dass an der Universität früher auffällig viele naturheilkundliche Dissertationen entstanden. An Traditionen wie diese solle der neue Studiengang anknüpfen.
Ein wesentlicher Teil der Ausbildung solle außermedizinischen Aspekten gewidmet sein, sagte der Viadrina-Professor und kulturwissenschaftliche Leiter des Studiengangs, Hartmut Schröder. Es gehe letztlich um die Frage, "den Arzt zu lehren, Arzt zu sein". Deshalb stünden auch Themen wie die Entwicklung psychosozialer Kompetenz oder Gesprächsführung im Studienplan.
"Die Zeit ist reif für ein solches Studienangebot", sagt der medizinische Studiengangsleiter Klaus Küstermann. Es gehe in Frankfurt auch darum, ergänzende - die sogenannte komplementäre Medizin - "hoffähig zu machen". Küstermann nannte die Homöopathie als eine Methode, die stärker in die Schulmedizin integriert werden solle.
Viadrina-Präsident Gunter Pleuger sicherte Studenten und Dozenten zu, dass sich die Universität für eine Fortführung des Angebotes über den Erstlingsjahrgang hinaus einsetzen werde. Er sei sehr gespannt auf die "Pionierleistung", die mit dem neuen Studium erbracht werde.
Auf Neues ist auch der einzige ausländische Student des Jahrgangs gespannt. Der Internist Johann Peter Bründler aus dem schweizerischen Zürich befasst sich nach eigenen Worten seit zwölf Jahren mit komplementären medizinischen Methoden. Es stehe aber zu befürchten, dass die Möglichkeiten dafür mit Änderungen im Gesundheitssystem seines Landes begrenzter würden. Mit der akademischen Zusatzausbildung wolle er sich auch auf die zu erwartenden Diskussionen vorbereiten. Darüber hinaus interessiert den Schweizer unter anderem das Thema Patientengespräch. Es handele sich um einen zentralen Bestandteil ärztlicher Arbeit, ist Bründler überzeugt. Allzu großen ökonomischen Druck im Gesundheitswesen bewertet der Arzt kritisch. "In drei Minuten ist ein vernünftiges Gespräch nicht möglich", sagte Bründler, der bei einem Kongress auf das Frankfurter Angebot aufmerksam geworden ist.
Als einer von dessen geistigen Vätern wünschte Professor Schröder Studenten und Dozenten "intensives, erfolgreiches Querdenken". Die Templiner Ärztin Löwe freut sich auf eine "phantastische Möglichkeit".
Informationen unter www.euv-frankfurt-o.de/de/forschung/institut/institut_intrag/index.html

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