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"Das ganze Leben ist eigentlich unmöglich"

Array"Letzter Gruß" heißt eine Ausstellung über das Ghetto Minsk, die deutsche und weißrussische Studierende gemeinsam erarbeitet haben. Die Vernissage an der Viadrina ist Auftakt eines Treffens der "Geschichtswerkstatt Europa" mit Teilnehmern aus 15 Ländern.

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Eigentlich hasst er es, darüber zu reden. Und wird es doch heute Abend wieder tun. Michail Treyster war 14, als Minsk von der deutschen Armee besetzt wurde, einen Monat später kam er wegen seiner jüdischen Abstammung ins Ghetto. Seit vielen Jahren reist der heute 81-Jährige immer wieder nach Deutschland, um vor Schülern und Studenten über die schlimmste Zeit seines Leben zu sprechen: "Jeder, der überlebt hat, hat ein schlechtes Gewissen, weil er nicht tot ist", sagt er. "Deshalb erzählen wir es immer wieder - damit es nicht noch mal passiert."

Dass er einmal über 80 werden würde, hätte er selbst nicht für möglich gehalten: Schon bei der Ankunft im Ghetto war sein Leben verwirkt, den eine Arbeitserlaubnis erteilten die Besatzer erst ab 16. Wer die nicht hatte, wurde nicht verpflegt. Treyster machte sich zwei Jahre älter, gab sich als Schuhmacher aus und blieb am Leben - fast 100 000 Menschen starben im Ghetto an Hunger und gezielter Vernichtung. Als er ins nahegelegene Lager Maly Trostenez überstellt wurde, gelang ihm unter abenteuerlichen Umständen die Fluch zu den Partisanen, die sich rund um die Stadt versteckt hielten. "Heil durchzukommen, hielt ich für unmöglich - aber das ganze Leben ist eigentlich unmöglich", sagt der hellwache Mann in Jeans.

Deutsche und weißrussische Studenten haben nun gemeinsam eine Ausstellung über das Ghetto Minsk und die Vernichtungsstätte erarbeitet, die ab heute unter dem Namen "Letzter Gruß!" an der Europa-Universität zu sehen ist. Treyster wird zur Eröffnung der Schau über sein Leben und den Umgang mit Erinnerung sprechen. Die Schau ist ein Projekt der "Geschichtswerkstatt Europa", die internationale Projekte zur Analyse europäischer Erinnerungskulturen fördert, koordiniert vom Institut für angewandte Geschichte.

heute, 19.30 Uhr, Gräfin-Dönhoff-Gebäude, Hörsaal 2; Ausstellung zu sehen bis zum 25. April



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