Donnerstag, 2. September 2010

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Werbellinkanal nimmt Gestalt an

Marienwerder ArrayFast hätte die Gemeinde Marienwerder Fördermittel in Millionenhöhe zurückzahlen müssen. Denn erst in buchstäblich letzter Sekunde wurde der Streit um die Wiedereröffnung des Werbellinkanals beigelegt, eine Klage gegen den Plangfeststellungsbeschluss zurückgezogen. Der Förderverein für das Projekt lud nun zu einer ersten Baustellenbesichtigung.

Sandhaufen neben Sandhaufen - kilometerweit. Viel mehr ist von dem Prestigeprojekt, der Wiedereröffnung des Werbellinkanals, derzeit noch nicht zu sehen. Erst bei näherer Betrachtung wird deutlich, wie der Kanal in einer großen geschwungenen Linie einmal Oder-Havel-Kanal und Finow-Kanal miteinander verbinden soll. Vor wenigen Wochen haben die Arbeiten zu dem rund fünf Millionen Euro teuren Bau begonnen. Große Bagger fressen sich seitdem durch den weichen Untergrund, in dem nach nicht einmal einem halben Meter bereits das Grundwasser durchdrückt. Hölzerner Pfähle werden eingerammt, markieren die Breite des Flussbetts. An einigen Stellen liegen riesige Ballen schwarzer Folie, die einmal den Grund des Kanals abdichten sollen.

Planer Helmut Knieper ist mit dem Fortschritt der Arbeiten zufrieden, auch wenn es hin und wieder zu Verzögerungen kommt, etwa weil der Bau zweier Brücken erst kürzlich genehmigt wurde. "Wir kommen gut voran", sagt er. Bis Ende des Jahres soll alles fertig sein. Bis dahin gibt es allerdings noch reichlich zutun.

Die drei Kilometer lange, durchschnittlich 14 Meter breite und 1,70 Meter tiefe Strecke ist in drei Teile gegliedert. Während im ersten Abschnitt der noch bestehende Kanal lediglich verbreitert werden muss, sind für das zweite Stück Dammteile nötig, weil das Gelände tiefer liegt als der Wasserspiegel. Noch komplizierter wird es im dritten Teil. Dort muss die historische Trassenführung geändert werden. "Der 1799 erbaute Kanal wurde nach der Wende zugeschüttet. Dabei wurde auch jede Menge Hausmüll verwendet", erklärt Knieper. Hätte man diesen Bereich genutzt, wäre alles noch viel teurer geworden.

Rechts und links des neuen Kanals, so schwebt dem Planer vor, sollen 60 Grundstücke erschlossen werden. "Die Immobilien könnten für Häuslebauer attraktiv sein, die gern am Wasser leben möchten und ein Boot besitzen, dass sie direkt vor der Haustür parken wollen", so Knieper weiter. Konkrete Anfragen nach solchen Grundstücken gebe es allerdings noch nicht.

Abgesehen von dem Einwohnerzuwachs für Marienwerder versprechen sich Kommune, Landkreis und Land mit dem Projekt auch eine Belebung der gesamten Region. "Die Wiedereröffnung des Werbellinkanals ist ein Meilenstein", erklärt etwa Vize-Landrat Carsten Bockhardt, der an der Baustellenbesichtigung teilnahm. "Der Kanal ist der Startschuss für die gesamte ,Wasserinitiative Nordbrandenburg'."

Noch in diesem Jahr soll im Rahmen dieser Initiative auch mit den Bauarbeiten am "Langen Trödel" in Zerpenschleuse begonnen werden.



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