Dierk Homeyer ArrayAnregende Debatten erlebten Pädagogen, Schulträger, Bürgermeister, Eltern und Schüler, die der Einladung zu einer von insgesamt acht Veranstaltungen der Bildungstour 2009 der CDU-Landtagsfraktion gefolgt waren.
"Freie Schulwahl, Förderschule, Unterrichtsgarantie, Deutschlandabitur, Begabtenförderung, kleine Klassen, Oberschule, Kita, Landschulen" - Reizworte auf einem Plakat der CDU. Und zugleich Schlüsselworte, deren Inhalte bei einer Diskussionsveranstaltung, für die das Förder- und Integrationszentrum in der Ziegelstraße als Gastgeber fungierte, von mehreren Seiten auch kritisch durchleuchtet wurden.
Der bildungspolitische Sprecher Ingo Senftleben der CDU-Landtagsfraktion hatte zum Einstieg die Eckpunkte beschrieben, die sich innerhalb der Veranstaltungsreihe zu einem Bildungspolitischen Programm der CDU auswachsen sollen. "Wir tragen an sieben Abenden in unterschiedlichen Gremien, mit verschiedenen Schwerpunkten, an immer anderen Orten die Meinungen der Brandenburger zusammen", erklärte Senftleben den Anlass. An einem Achten solle dann daraus das Bildungsprogramm "gestrickt" werden, mit dem man zur Wahl antreten werde.
moderierte den Abend. An seiner Seite saßen Monika Kaufmann, Geschäftsführerin des Internationalen Bundes in Brandenburg, Stefan Ptok, Abteilungsleiter Bildungspolitik des Brandenburgischen Pädagogenverbandes, und der Rüdersdorfer Bürgermeister André Schaller. Ihre Statements bildeten eine weitere Grundlage der folgenden Diskussion.
Ins Schwarze traf Monika Kaufmann, die eine Lanze für Fördereinrichtungen brach. "Wenn in Zeiten knapper Kassen vom Segen der Integration gesprochen wird, dann macht mich das immer sehr misstrauisch", sagte sie. "Denn im Gegenteil - Integration kostet Geld, genau wie kleinere Klassen und Schulen in erreichbarer Nähe nicht zum Nulltarif zu haben sind." Und wenn schon Integrationsklassen gebildet würden, so brauche es dafür mehr Personal, das entsprechend ausgebildet sein müsse.
Erziehung und Wissensvermittlung brauchen Zeit. Zeit, die in großen Klassenverbänden nicht gegeben sei, wie Stefan Ptok argumentierte. Deshalb müsste auch die von der CDU vorgeschlagene Klassenstärke von 20 bis 24 Schülern in Grundschulen eine Maximalgröße sein, forderte er.
André Schaller trug seine Ansicht vor, dass Kommunen als Träger von Schulen zwar für Hausmeister und Heizung zuständig wären, aber nicht einmal Mitglied der Schulkonferenz sein dürften. Astrid Goethe, Geschäftsführerin des Internationalen Bundes in Neuenhagen, hielt dagegen, dass Freie Schulträger eben auch nicht gleichberechtigt behandelt würden.
Viel Kritik gab es immer wieder am Staatlichen Schulamt. Da hieß es, dass junge Lehrer hingehalten, Referendariate nicht vergeben würden, sie nur befristete Arbeitsverträge bekämen, bis sich die Nachwuchspädagogen in anderen Bundesländern umtun würden. Und das in Zeiten, wo in Brandenburg 500 000 Unterrichtsstunden ausfallen. "Wir haben vor, 1500 neue Lehrer einzustellen", sagte der Bildungspolitiker. Schulen, die dringend einen Französisch-Lehrer bräuchten, müssen sich mit einem Biologielehrer zufrieden geben. Schulleiter müssten jahrelang ohne Bestellungsurkunde arbeiten und anderes mehr.
Sicherheit kam zur Sprache. Zum einen die Vertragliche für teilverbeamtete Lehrer, die seit Jahren auf ihr Recht warten, und zum anderen Sicherheit in den Schulen - angesichts der Amokläufe wurden Notfallpläne gefordert.
Abitur in zwölf Jahren als Deutschland-Abi - wie soll das gehen?, fragte die Schülerin Amai Stock, die schon von sich reden gemacht hatte, indem sie qualifizierteren Geschichtsunterricht gefordert hatte. Würde das womöglich Verzicht auf Klassenfahrten und Projektwochen nach sich ziehen? Schulabgänger, die kein Betrieb haben wolle. Unternehmen, die händeringend Fachkräfte suchen - wie solle das zusammenkommen? Noch manche Frage stand im Raum. Der bildungspolitische Sprecher versicherte, sich jetzt an seine Hausaufgaben zu setzen, da die "Realitäten vor Ort nun bekannt" seien.

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