Donnerstag, 2. September 2010

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Seit zehn Jahren veralbert

ArrayStrausberg Wie halten es Parteien in Brandenburg mit der Bildungspolitik? Welche Wahlversprechen gibt es dazu und wie sollen die Versprechen nach der Landtagswahl im September umgesetzt werden? Zu diesen Fragen hatte der Brandenburgische Pädagogen-Verband (BPV) am Sonnabend Politiker zu einem Forum ins Fontane-Gymnasium eingeladen.

"Das Bildungssystem in Brandenburg steht vor riesigen Verwerfungen, deshalb brauchen wir klare Aussagen der Parteien wie es weitergehen soll", sagte Klaus Wünsche. Der Vizepräsident des Brandenburgischen Pädagogen-Verbands bezieht das nicht nur auf "menschliche Katastrophen" für viele Pädagogen, die durch die Umsetzung in andere Regionen betroffen sind, sondern auch auf den chronischen Lehrermangel, deren Überalterung, auf den "nicht würdevollen Umgang mit ausscheidenden Pädagogen" und vieler anderer Prob- leme. Deshalb hat der BPV - die zweitgrößte Lehrergewerkschaft nach der GEW in Brandenburg - drei sogenannte Wahlprüfsteine - zu den Bereichen Lehrer, Bildungspolitik und Grundausstattung zu Papier gebracht. Im Pub- likum waren rund 40 Pädagogen aus dem Land nach Strausberg gekommen. Darunter Dagmar Graefe aus Potsdam, die wissen wollte, ob die SPD ihr Versprechen halten wird, die notwendigen 1200 Lehrer zusätzlich einzustellen.

Kerstin Riemer aus Brandenburg/Havel erwartet endlich ein durchdachtes Konzept, das von der Kita bis zum Abitur reicht und der Strausberger Dirk Eisold erhoffte sich Aussagen wie die Pädagogen von organisatorischen Aufgaben entlastet werden und interessierte sich zum Verhältnis von staatlichen und Privatschulen. Immerhin sind in den letzten Jahren über 200 Bildungseinrichtungen in Brandenburg geschlossen worden und vielerorts wurden dafür private Schule eröffnet. Nach zwei Jahren müssen diese aber zum größten Teil von Potsdam bezahlt werden.

Es verwundert nicht, dass ausnahmslos alle Politiker die Forderungen des BPV unterstützten. So sprach sich Justizministerin Beate Blechinger (CDU) für 1500 neue Lehrerstellen und ein festes Budget für den Bildungsbereich aus. Die SPD-Landtagskandidatin Sibylle Bock will den Lehrerberuf wieder attraktiv machen. Die Bildungsexpertin Gerrit Große (Die Linke) erinnerte daran, dass allein in der letzten Legislaturperiode rund 4500 Lehrerstellen eingespart wurden.

Mitte Mai solle der Gesetzentwurf für das Abitur nach zwölf Jahren auf dem Tisch liegen, kündigte der bildungspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion Ingo Senftleben an. Bundestagskandidat Guido Beier (FDP) erinnerte daran, dass alle regierenden Parteien der Bildung Priorität in ihren Programmen eingeräumt haben, aber dies nicht umgesetzt hätten.

In der sehr kurzen Diskussion forderten Pädagogen alle Parteien auf, die Wahlversprechen einzuhalten und ein Ende des Auf und Ab im Bildungsbereich: "17 Strukturveränderungen in 18 Jahren reichen!" Es müsse endlich inhaltliche Ruhe in den Schulen einziehen, verlangte Marion Gunter, Lehrerin an der 2. Grundschule in Fredersdorf-Vogelsdorf. In ihrem sehr emotionalen Beitrag erinnerte Marion Gunter, die seit 39 Jahren als Grundschullehrerin tätig ist, an die Versprechungen der Verantwortlichen. "Seit über zehn Jahren fühle ich mich veralbert", sagte sie. So lange verzichten über 7500 Teilzeitbeamte auf ein Drittel ihres Gehaltes, sollten ab 1. August 2008 alle vollbeschäftigt werden. "Ich kann all dem nicht mehr glauben, denn ich brauche meine letzte Kraft für die Schüler." Dafür erhielt Marion Gunter den größten Beifall.



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