Eisenhüttenstadt ArrayDas Tiergehege ähnelt derzeit einer Berg- und Talbahn. Schlechte Nachrichten jagen gute. Nachdem sich die Verantwortlichen vor kurzem über den Einbau des neuen Drehkreuzes und die ersten verdienten Euro freuten, kam nun wieder ein Schock. Eine Strafanzeige gegen den Vorstand des Tiergeheges sowie gegen den Gehegeleiter wurde erstattet und letzte Woche an die Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) geschickt. Bisher taucht der Brief dort aber noch nicht im Computer auf. Der MOZ liegt das Schreiben bereits vor. Der Vorwurf lautet: Tierquälerei.
Schwarze Sch÷nheiten: Zwei junge, aber kranke Trauerschwõne mussten im Tiergehege get÷tet werden. Foto: GMD/Gerrit Freitag
"Tierquälerei und Tötung" im Tiergehege - ein Schriftstück mit diesen Vorwürfen hat eine seit gestern ehemalige ehrenamtliche Kraft des Tiergeheges an die Staatsanwalt in Frankfurt (Oder) geschickt. Darin erstattet sie Anzeige gegen den Vorsitzenden des Fördervereins Dieter Sommer, dessen Stellvertreter Andreas Kurz sowie den neuen Gehegeleiter Sigmar Siewert. In dem Brief heißt es unter anderem: "Gequält wurden Mufflon-Wildschafe, Rotwild, Wildschweine und Ziegen." Dem Amtstierarzt liegen angeblich "beweisfähige Fotografien" vor. Zwei Schwäne seien zudem mit einem Knüppel getötet worden.
Amtstierarzt Thomas Maczek bestätigte am Montag nur, dass er von der Strafanzeige weiß und zuvor ein Video von zwei lebenden Schwanenküken gesehen hat. "Darauf konnte man erkennen, dass sie an einer Stoffwechselkrankheit leiden", sagt er. Das könne, müsse aber nicht mit der Pflege zusammenhängen. Andere Beweismaterialien wurden ihm nach eigenen Aussagen nicht vorgelegt. Ihm seien lediglich Vorkommnisse geschildert worden, beispielsweise von Ziegen, die fehlstehende Klauen hätten.
Maczek versichert aber, dass seine Behörde die Vorwürfe von Tierquälerei im Eisenhüttenstädter Tiergehege, die schon im Februar laut wurden, bereits vor Ort überprüft hat. "Da haben wir keine gravierenden Mängel feststellen können." Und den einen oder anderen Kritikpunkt gebe es in allen Tiergehegen oder Zoo-Anlagen. Mehr wollte er dazu nicht sagen. Was die Tötung von Tieren betrifft, betonte er nur: "Tiere dürfen ohne vernünftige Indikation durch einen Arzt nicht getötet werden."
Auch der Vorstand des Fördervereins nahm am Montag zu der Strafanzeige und den darin erhobenen Anschuldigungen Stellung. "Das alles ist mehr als ärgerlich. Das Tiergehege, das vor der Übernahme durch den Förderverein in einem saumäßigen Zustand war, hat einen wirklichen Aufschwung erhalten und jetzt das ..." Dieter Sommer ist sauer. Ja, es habe im Tiergehege zwei kranke Trauerschwäne gegeben, sagt er. "Die Tiere waren verkrüppelt." Sie hätten in der freien Natur jedenfalls nicht überlebt, bekräftigt Andreas Kurz. Genau deshalb wurden sie mittlerweile auch getötet. "Auf Empfehlung eines Tierarztes", betont Sommer. Aber ohne dessen fachliche Begleitung. Wie sie getötet wurden, wollte er nicht sagen.
Sommer bestätigt auch, dass vier oder fünf Ziegen derzeit nicht richtig laufen können. "Die alte Leitung hat es verpasst, die Klauen regelmäßig zu beschneiden." Da die Tiere jetzt aber Nachwuchs erwarten, könne man an den schlechten Klauen vorläufig nichts ändern.
Tierquälerei habe es nie gegeben, versichert Sommer und er fügt hinzu: "Wir haben einen großen Überbestand an Tieren." Diesen könne man sich nicht leisten. Deshalb müsse er reduziert werden. Aus diesem Grund wurden bereits 20 Wildschweine und vier Stück Rotwild verkauft. Beim Damwild hingegen seien fünf Tiere von einem Jäger mit Abschlussgenehmigung der Polizei erschossen worden. "Da herrschte Inzucht", lautet die Begründung des Vereinschefs.
In der Strafanzeige ging es aber nicht nur um Tiere, sondern auch ums Personal. Die bisherige Gehege-Leiterin sei durch den "unerfahrenen Herrn Siewert" ersetzt worden, heißt es da. Und einem langjährigen Tierpfleger soll ebenfalls gekündigt worden sein. Fakt ist: Sigmar Siewert, der neue Leiter, ist nach eigenen Angaben in Dresden drei Jahre lang zum Zootierpfleger ausgebildet worden. Und Fakt ist auch: Bis zur Übernahme durch den Förderverein hat es im Tiergehege vier Festangestellte gegeben. Doch die Personalkosten waren für den neuen Träger zu hoch. "Allen wurde gekündigt, weil sie den neuen Vertrag nicht unterschreiben wollten", sagt Sommer. Aufgrund eines Arbeitsgerichts-Prozesses musste der Vertrag mit zwei Personen aber bis 30. Juni 2008 verlängert werden. Sommer bedauert das. Durch sie gebe es jetzt all die Probleme, glaubt er.
"In das Tiergehege muss endlich Ruhe einziehen", rät Thomas Maczek. Und das meint er nicht nur in Bezug auf die Strafanzeige. Bisher hat der Förderverein nämlich noch gar keine Genehmigung zum Betreiben des Geheges. Die stellt die Untere Naturschutzbehörde des Kreises auf Antrag aus, wenn alle Voraussetzungen erfüllt sind und wenn auch der Amtstierarzt grünes Licht gibt. "Wir haben die Umschreibung der Genehmigung von der Eisenhüttenstädter Freizeit und Erholungs GmbH auf den Verein bereits am 18. Juli 2007 beantragt", betont Andreas Kurz. Warum das alles so lange dauert, weiß er nicht. "Es besteht aber kein rechtsfreier Raum", sagt er. Im Moment gelte noch die alte Genehmigung. Maczek zögert dennoch: "Ich kann meine Unterschrift so lange nicht geben, bis ich keinen Nachweis über die nötige Sachkunde der Gehegeleitung habe", betont er mit Blick auf Siewert. Dessen Zeugnisse aus Dresdens Zoo wurden letzte Woche aber nach Beeskow geschickt, versichert Kurz.

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