Donnerstag, 2. September 2010

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Bernauer verbannen grüne Gentechnik

Bernau ArrayDie Stadt Bernau wird ihre landwirtschaftlichen Flächen künftig nur noch an Pächter abgeben, die keine gentechnisch veränderten Pflanzen anbauen. Dies haben die Stadtverordneten beschlossen. Zur Debatte steht außerdem, dass städtische Einrichtungen wie Kindergärten künftig gentechnikfreie Lebensmittel ausgeben.

Am Anfang steht ein Appell: Mehrheitlich rufen die Stadtverordneten die Bernauer Landwirte und Verpächter von landwirtschaftlichen Flächen auf, sich zur gentechnikfreien Produktion zu bekennen sowie keine durch grüne Gentechnik veränderten Pflanzen anzubauen und auf gentechnisch veränderte Futtermittel zu verzichten.

Grundlage für diesen Appell war ein gemeinsamer Vorschlag der Fraktionen der Linken, der Freien und der SPD. Um diesem Appell Nachdruck zu verleihen, dürfen alle städtischen Flächen laut Beschluss künftig nur noch dann verpachtet, wenn die Pächter eine entsprechende vertragliche Verpflichtung eingehen und keine gentechnisch veränderten Pflanzen anbauen.

Bei Öko-Bauern werden mit dieser Entwicklung offene Türen eingerannt. Der in Rüdnitz ansässige Landwirt Olaf Willert begrüßt die Beschlüsse ausdrücklich: "Dadurch wird in der Landwirtschaft weiter zum Umdenken angeregt", sagt er. "Ich begrüße es, wenn der Barnim gentechnikfrei bleibt. Dann kann ich auch das anbauen, was ich mir vorstelle." Abschreckendes Beispiel ist für ihn Kanada: "Dort gibt es keinen Raps mehr, der nicht gentechnikverseucht ist." Wie Willert sagt, lasse es sich in der Praxis auch "gut überprüfen", ob jemand gentechnisch veränderte Pflanzen anbaue.

Bernau betritt mit seinem Beschluss kein Neuland. Die Stadt Eberswalde, die Berliner Stadtgüter mit Flächen im Niederbarnim und die Evangelische Kirchengemeinde schreiben die Gentechnikfreiheit in ihren Pachtverträgen fest. Bereits 2004 hatten sich 21 konventionelle und ökologische Landwirtschaftsbetriebe zur "Gentechnikfreien Region Uckermark-Barnim" zusammengeschlossen.

Deutschlandweit sollen zurzeit 26115 Landwirte zu 114 gentechnikfreien Regionen mit 909000 Hektar zusammengeschlossen haben. Der Stadt Bernau gehören 135 Hektar landwirtschaftliche Flächen (Stand 2007). Zum Vergleich: Bernau besitzt 1480 Hektar Wald, die Verkehrsflächen machen 241 aus und die bebauten Flächen 264 Hektar.

Im Bernauer Jugend- und Bildungsausschuss wird noch darüber diskutiert werden, ob alle städtischen Einrichtungen künftig ausschließlich gentechnikfreie Lebensmittel einkaufen beziehungsweise bei Zulieferungen entsprechende Zusicherungen vertraglich vereinbaren sollen.

Nach Angaben der Stadtverwaltung lässt sich die Catering-Firma, die die Mittagsversorgung in den Schulen und Kitas übernommen hat, von ihren Zulieferern bescheinigen, dass diese keine Produkte im Sortiment haben, die gentechnisch verändert sind.

Sprecherin Eva Maria Rebs verweist aber auch auf die neue Gesetzgebung. Danach können sogar Lebensmittel, die nicht mehr als 0,9 Prozent gentechnisch veränderte Organismen enthalten, noch die "Ohne-Gentechnik"-Kennzeichnung erhalten. Dies sei auch dann möglich, wenn die gentechnisch veränderten Pflanzen in der EU zugelassen und nachweislich als sicher eingestuft wurden.

"...dann bringe ich meinen Kaffee immer selbst mit." Mit diesen Worten machte der Bernauer Stadtverordnete Lothar Wernicke (Freie Fraktion) deutlich, dass er mit dem Beschluss nicht einverstanden ist, künftig in städtischen Veranstaltungen nur noch Kaffee aus fairem Handel* auszuschenken. Die Mehrheit sieht dies anders und stimmte für den Vorschlag der SPD-Fraktion, sich an der Aktion "1000 Gemeinden trinken fair" von Brot für die Welt zu beteiligen.

"Wir können als Stadt nicht alle Probleme der Welt lösen", kritisierte Wernicke. Die ständige Abnahme von Kaffee aus fairem Handel sei nicht das richtige Zeichen. Fraktionskollege Markus Schaefer erhofft sich von dem Beschluss dagegen eine Vorbildwirkung: So könnten andere zum Nachahmen angeregt werden.

*"Fairer Handel" liegt vor, wenn beim Kauf von Waren aus Entwicklungsländern bestimmte Preis-, Sozial- und Umweltstandards eingehalten werden.



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