Eberswalde ArrayNach zwei Jahren intensiver Bemühungen hat es jetzt tatsächlich geklappt. Lia, das neun Jahre alte Gibbonmädchen aus dem Hongkonger Zoo, ist wohlbehalten in Eberswalde angekommen. Noch sitzt sie im Quarantäne-Quartier, soll aber in absehbarer Zeit mit Besucherliebling Sammy Hochzeit feiern.
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Scheu zeigt Lia nicht. Den Umgang mit Menschen ist sie aus ihrem Heimatzoo in Hongkong offensichtlich gewohnt. Als Zoochef Bernd Hensch in ihrem Quarantänequartier nach dem Rechten sieht, greift sie nach allem, was blitzt. Brillen haben ihr es besonders angetan und die muss Hensch auch als erstes in Sicherheit bringen. Ansonsten interessiert sich die muntere Affendame viel mehr für das frische Obst in der Futterschale und für Sammy im benachbarten Gehege. Gesehen haben sich die beiden allerdings noch nicht. Dafür sind ihre Rufe weithin zu hören.
Sammy ist im heiratsfähigen Alter und Lia soll die Dame seines Herzens werden. "Wir müssen die beiden nach und nach aneinander gewöhnen. Gibbons haben lange und scharfe Reißzähne, mit denen sie sich lebensgefährlich verletzten können. Jedes Missverständnis kann böse Folgen haben", begründet Hensch die vorerst verordnete Abstinenz. Bei Lia ist die Neugier schon jetzt größer als die Furcht. Die weiße Farbe von der Glasscheibe ihres Hauses, die vor allzu neugierigen Blicken schützen soll, hat sie stellenweise schon weggekratzt. Eine Latte aus der Wand, die sie von Sammy trennt, ist herausgerissen. Auf das Ende der Quarantänezeit muss sie dennoch warten. Dann soll sich zeigen, ob die beiden Gibbonaffen wirklich zueinander passen.
Drei Phasen des Kennenlernens haben die Tierpfleger bereits vorbereitet. In der ersten werden sich Sammy und Lia nur sehen und riechen, aber nicht berühren können. In der zweiten Phase wird ein feinmaschiges Gitter eingebaut, an dem sich die beiden Tiere mit den Händen berühren können. Ist auch diese Sympathieprobe überstanden, wird das feinmaschige gegen ein grobes Gitter ausgetauscht. In dieser Phase können die beiden Tiere ihre Hände schon durchstecken und auch miteinander kuscheln. "Wenn alles gut geht, können wir Sammy und Lia in sechs bis acht Wochen zusammenbringen. Und dann hoffen wir natürlich auf eine gute Partnerschaft und gesunden Nachwuchs", sagt Hensch. Immerhin gehört der Zoo Eberswalde zu den weltweit wenigen Einrichtungen, die den vom Aussterben bedrohten gelbwangigen Schopfgibbon halten und züchten dürfen.
Diese Genehmigung unterliegt einem strengen Reglement, über das der Zuchtbuchführer in Frankreich wacht. Zwei Jahre haben allein die Vorkehrungen für den Wechsel von Lia aus Hongkong nach Eberswalde gedauert. In dieser Zeit war die Gibbondame sogar schwanger geworden. Die Geburt allerdings hat das Kleine nicht überlebt. Der Aktenordner mit dem reichen Schriftverkehr zwischen Zuchtbuchführer, der Behörde in Hongkong und dem Eberswalder Zoo ist auf stolze 15 Zentimeter Stärke angewachsen und wird sich in den nächsten Monaten bestimmt noch um einiges erweitern.
Leicht hat es Sammy mit seiner künftigen Braut anfangs bestimmt nicht. Lia ist nicht nur fast doppelt so alt, sondern auch doppelt so groß und schwer. Ihren ausgesprochen breiten Rücken verdankt sie ihrer Angewohnheit, das Futter statt mit den Händen mit den Füßen zu fassen. Beim Essen selber hangelt sie vorzugsweise an Gitter- oder Holzstäben. "Das ist das reinste Bodybuilding", schmunzelt Hensch. "Bis sich Sammy bei seiner Partnerin durchgesetzt hat, wird er wohl öfter Fersengeld zahlen müssen", fügt er hinzu.
Lia ist ab diesem Wochenende auch für Besucher zu sehen, bis zum Ende der Seuchenschutzmaßnahme allerdings nur hinter Glas. Ein echter Hingucker ist die goldgelbe Schönheit allemal. Seit Anfang des Monats lässt sich am Eintrittsgeld in den Eberswalder Zoo auch wieder sparen. Der Kassenautomat der Sparkasse Barnim am Eingangsbereich ist wieder in Betrieb. "Dort kann jeder seine EC-Karte aufladen, gleich bei welcher Bank er Kunde ist, und damit einen Euro pro Eintrittskarte sparen", erklärt Zoochef Hensch. Wer den Automaten nutzt, verschafft dem Zoo außerdem einen zusätzlichen Geldbetrag, den die beliebte Einrichtung am Wasserfall für den Bau der eiszeitlichen Gletscheranlage samt Tiger-Gehege gut gebrauchen kann.

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