Bernau ArrayEr ist einer der Konservativsten, die Brandenburg hat. Im Zusammenhang mit Schulschwänzern nahm er den Begriff elektronische Fußfessel in den Mund. Als er nach möglichen Ursachen für Kindstötungen gefragt wurde, sprach er von Proletarisierung. Das brachte ihm viele Anfeindungen ein - und doch wird er selbst von den Linken irgendwie respektiert: Man weiß eben, woran man mit Jörg Schönbohm (CDU), Brandenburgs Innenminister, ist. Und das ist schon lange nicht mehr selbstverständlich in der Politik.
"Ein Mann - ein Wort": Brandenburgs Innenminister J÷rg Sch÷nbohm (M.) war am Montag zu Gast bei Britta Stark und Ravindra Gujjula.Foto: MOZ/Sergej Scheibe
Schönbohms Tage als Mitglied der Landesregierung sind gezählt. Zu den kommenden Landtagswahlen wird der 73-Jährige nicht mehr antreten. Er befindet sich auf Abschiedstour durch die Mark - und machte am Montagabend auch in Bernau Station. Die Zepernicker SPD-Landtagsabgeordnete Britta Stark und ihr Fraktionskollege Ravindra Gujjula aus Altlandsberg (Märkisch-Oderland) baten ihn "Auf ein Wort, Herr Minister. . ."
Der kann sich noch gut daran erinnern, als er das erste Mal nach Bernau kam - Ende der 1990er Jahre, während des ersten Landtagswahlkampfes, den er für und mit der Brandenburger CDU führte. Im Polizei-Schutzbereich wollte er sich über die Lage informieren, doch auf Geheiß des damaligen Innenministers Alwin Ziel wurde ihm der Zutritt verwehrt. "Schöne Fotos hat das in der Presse gegeben", freut sich Schönbohm heute noch fast diebisch. Auf einen Schlag wurde er im Land ziemlich bekannt.
Britta Stark kennt den Christdemokraten, der 35 Jahre in der Bundeswehr diente, in den 80er Jahren Staatssekretär im Bundesverteidigungsministerium war, nach der Wende die NVA auflöste und schließlich Berliner Innensenator wurde, bevor er die CDU Brandenburg übernahm, aus vielen Jahren parlamentarischer Arbeit in Potsdam. Streitbar sei er, sagt sie, aber auch unbedingt verlässlich. Er habe es in seinem Leben immer so gehalten: "Ein Mann - ein Wort", erwidert Schönbohm. Es klingt zackig - der Militär lässt grüßen.
Ansonsten erweist sich der Noch-Innenminister als intelligenter, humorvoller und charmanter Plauderer. Er betont gern, dass er 50 Jahre mit der selben Frau verheiratet ist und wie wichtig ihm ihr Rat ist. Der 73-Jährige erzählt von seiner Familie, den drei Kindern und acht Enkelkindern und vergisst nicht, seine Rolle als liebevoller Vater und Großvater gebührend darzustellen.
Schönbohm kokettiert damit, dass ihm in jungen Jahren immer wieder ein Satz ins Stammbuch geschrieben wurde: "Neigt zum Widerspruchsgeist". "Mit meinem Widerspruchsgeist will ich zur Wahrheitsfindung beitragen", sagt er. Um wenig später zu betonen, wie wichtig ihm Verlässlichkeit und Ehrlichkeit sind. Manchmal könne er sehr verletzend sein, gibt er zu. Aber: "Die, die mich kennen, können damit umgehen. Und die, die mich nicht kennen, lernen es irgendwann."

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