Eisenhüttenstadt ArrayEinen gehörigen Schrecken hat der Besuch des Eisenhüttenstädter Tiergeheges der sechsjährigen Vivien am Dienstag eingejagt. Die Kleine war mit ihrem großen Bruder Danny Petschke und dessen Freundin Julia im Gehege auf der Insel und stand plötzlich völlig ungläubig vor dem Gehege der Waschbären. Dort war nach Aussagen von Danny Petschke einer der Bewohner gerade dabei, an einem toten Zicklein zu knabbern. "Die Kleine haben wir gleich zur Seite gezogen", sagt Danny Petschke, der wenig später eine Mitarbeiterin des Geheges auf das Erlebnis bei den Waschbären ansprach und ihr verdeutlichen wollte, dass so etwas für Kinder abschreckend sei. "Doch die Frau konnte mir keine zufriedenstellende Antwort geben", sagt Danny Petschke.
Nachfragen im Tiergehege ergaben, dass es sich im Fall des verfütterten Zickleins um eine Totgeburt vom Wochenende handelt. "Da gab es eine Drillingsgeburt, die eins der Tiere nicht überlebte", sagt Andreas Kurz, stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins Tiergehege gegenüber der MOZ. Er hat nun angewiesen, solche Fütterungen nicht mehr während der Öffnungszeiten des Geheges vorzunehmen. Dass fleischfressende Bewohner auch mit Fleisch gefüttert werden, das zum Teil aus eigenen Beständen kommt, ist Tierarzt Karsten Beierlein zufolge in Zoos durchaus üblich. "In vielen Einrichtungen werden Futtertiere gehalten", sagt Beierlein, der seit kurzer Zeit die Bewohner des Geheges zu seinen Patienten zählt und über manchen Vorwurf in Richtung Vereinsspitze nur den Kopf schütteln kann. "Dass Tiere verfüttert wurden, war auch vorher so", sagt Beierlein. "Aber jetzt ist der Aufschrei so groß, weil sich zwei Parteien bekriegen." Raubtiere hätten seit Jahren schon Meerschweine und Kaninchen zum Verzehr vorgesetzt bekommen. "Es ist vielleicht nicht so günstig, die Futterstelle so zu legen, dass sie für jeden Besucher erkennbar ist", rät der Tierarzt.
Selbst in der Diskussion um die erschlagenen Trauerschwäne sieht der Tierarzt keine Versäumnisse des neuen Gehegeleiters. Laut Tierschutzgesetz hätte er die Schwäne gar nicht einfach abstechen dürfen, sondern zunächst betäuben müssen, was durch einen Schlag mit dem Knüppel erfolgt sei. "In der Rinderzucht ist das nicht anders. Da werden die Tiere durch ein Bolzenschussgerät zunächst betäubt und erst danach getötet", sagt Beierlein.
Er räumt aber zugleich ein, dass im Gehege noch einige Mängel zu beseitigen sind - sowohl bauliche als auch betreuerische. Zu begrüßen sei es jedoch, dass der Verein jetzt einen ausgebildeten Zoowärter beschäftigt.

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