ArrayBerlin Wer die Ausstellung "Zwei mögliche Kunstrichtungen" sieht, wundert sich über die gemeinsame Präsentation der Arbeiten von Albert Wigand und Oswald Newman. Die Arbeiten, präsentiert im Ausstellungsraum 7 Hours, einem früher von der Humboldt-Universität genutzten ehemaligen Stall, könnten unterschiedlicher nicht sein. Dunkle schwere Farben bei Newman. Bunte Gesichter wie Strichmännchen bei Wigand.
Der Maler Chris Newman und Christiane Grüß von 7 Hours konzipierten die Schau. Er ist der Sohn des einen Malers, sie die Enkelin von Albert Wigand. Oswald Newman allerdings begriff sich nie als Künstler. Er schuf gerade mal 13 Ölbilder. Der 1921 geborene Londoner entschied für den Beruf des Architekten. Als Rentner malte er ein paar Porträts und Stillleben, die dunkler Firnis überzieht. Sie wirken, als werfe er einen Blick zurück auf Bilder, die hätten entstehen können.
Den 1890 geborenen Albert Wigand würdigte Mathias Flügge in seiner Laudatio "als einen der großen Koloristen und entschiedenen Vertreter der Moderne". Freilich ein Maler jener Generation, deren künstlerischer Tatendrang erst das Soldatendasein im Ersten Weltkrieg, dann die Nazidiktatur und der weitere Krieg beschwerten. Als Arbeiter schlug er sich durch, bis er als Rentner frei von materiellen Nöten ganz für seine Kunst lebte. Wigands ausgestellte Arbeiten entstanden meist um 1968, wenige in späteren Jahren, während vieler psychischer Krisen. In der Psychiatrie malte er geradezu kindlich anmutende Skizzen, frei von jeder künstlerischen Dringlichkeit mit einfachsten Mitteln. Wasserfarben oder ein Farbstift, ein Blatt Papier reichten für ein Gesicht, eine Tasse, mit wenigen Strichen hingeworfen. Wer genau hinsieht, entdeckt beunruhigende Momente in einer scheinbar so vertrauten Umwelt.
Ein Schaffen, dem sich Gerhard Altenbourg nahe fühlte: "Wigands Zeichnungen sind eine gute Sache. Die Einfachheit und Verzauberung, die von den unerheblichen Szenen ausgeht, ist groß."
Bis 31.7., Mi-Sa 14-18 Uhr, Haus 19, Eingang von der Reinhardstr. 20, Berlin-Mitte

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