Letschin ArrayNeben Privatleuten wehren sich nun auch Bauern im Oderbruch gegen die geplante Ablagerung von Kohlendioxid (CO 2 ) unter ihrem Grund und Boden. Sollte Vattenfall Probebohrungen machen wollen, werde man dies "mit zivilem Ungehorsam" verhindern, kündigen die Landwirte an.
Das ist unser Land! Bauern probten am Donnerstag in Letschin den Schulterschluss gegen Plõne einer CO2-Verpressung unter ihren Feldern.Foto: MOZ/Mathias Hausding
Die Bauern sind zornig. Auf dem Hof von Manfred Werscham, wo sie sich in einer Scheune versammelt haben, fallen nicht druckreife Worte an die Adressen der Brandenburger Landesregierung, der Bundesregierung und des Stromkonzerns Vattenfall. Henrik Wendorff, Chef des Kreisbauernverbands Märkisch-Oderland, bringt schließlich in einem moderaten Ton zum Ausdruck, was die Landwirte ärgert. "Es gibt ein großes Durcheinander, was die Energiepolitik der Regierung in Potsdam angeht. Wir fühlen uns da nicht mitgenommen."
Die Einrichtung von CO 2 -Endlagern sei ein in seiner Wirkung unkalkulierbarer "Schnellschuss" mit erheblichen Risiken für Mensch und Natur, argumentieren die Landwirte. Vattenfall will in Brandenburg rund um Neutrebbin sowie bei Beeskow (Oder-Spree) jährlich mehrere Millionen Tonnen flüssiges Kohlendioxid rund 1000 Meter tief in den Boden pressen. CCS heißt das Ganze, Carbon Capture and Storage (Kohlendioxid einfangen und lagern). An Kraftwerken soll das gefährliche Klimagas abgeschieden, abtransportiert und in unterirdische Hohlräume verpresst werden. Damit könnte der CO 2 -Ausstoß von Kohlekraftwerken um bis zu 70 Prozent sinken.
Die CDU-Bundestagsfraktion hat vor zwei Wochen ein abstimmungsbereites CCS-Gesetz auf Druck von Bürgerinitiativen vorerst verworfen. Im Seelower Kreistag wurde am Mittwoch vergeblich um eine einheitliche Position gerungen. Die CDU scheiterte mit ihrem Antrag, die CCS-Technik komplett abzulehnen. Stattdessen wurde entschieden, dass sich eine Arbeitsgruppe mit Vertretern von Bund, Land und Kreis sowie der betroffenen Regionen des Themas annehmen soll.
"Wir haben Fragenkataloge an die Experten vom Geoforschungszentrum Potsdam geschickt", erzählt Manfred Werscham, der auf seinem Hof in Wilhelmsaue bei Letschin seit 1994 auf 290 Hektar Ackerbau betreibt. "Zu allen uns wichtigen Punkten hieß es in der Antwort der Forscher, dies lasse sich nicht genau sagen." So übernehme kein Forscher und kein Manager die Garantie dafür, dass die Erdschichten dauerhaft dicht bleiben.
" Ein Leck im Boden würde weiteres Leben im Oderbruch unmöglich machen", ist Werscham, Vorsitzender des Bauernbundes Märkisch-Oderland, überzeugt. Auch eine Versalzung des Grundwassers sei zu befürchten; die Nutzung der Erdwärme aus tieferen Schichten für immer ausgeschlossen. Die gesamte Runde auf seinem Hof nickt, wenn er zu dem Schluss kommt: " Wird das Vorhaben von Vattenfall verwirklicht, werden unsere Häuser und Betriebe wertlos."
Wie ernst es den Landwirten ist, zeigt, dass in Märkisch-Oderland Bauernbund und Bauernverband in diesem Punkt mit einer Stimme sprechen. In der Regel reden der Verband, Vertretung der Großbetriebe, und der Bund, Stimme der Kleinbauern, überhaupt nicht miteinander.
Nun haben sie in Betrieben Unterschriften gesammelt und gemeinsam einen Brief an Vattenfall verfasst. Man wehre sich gegen die CO 2 -Verpressung, schreiben die Bauern. " Wir erklären hiermit, dass wir niemanden auf unsere Felder lassen, der damit im Zusammenhang steht. "Die Bauern wissen, dass sie mit dieser Haltung rechtlich schlechte Karten haben. Aber Landwirte im dänischen Jütland hätten es im Mai schließlich auch geschafft, Probebohrungen von Vattenfall auf ihren Grundstücken zu verhindern.
" Wir sind keine Terroristen. Aber wir werden das nicht hinnehmen", zeigt sich Klaus Hildebrandt aus Letschin kämpferisch. Einen genauen Plan, wie man im Falle eines Falles vorgehen werde, gebe es noch nicht. Aber vor dem nächsten Frühjahr rechnet auch niemand mit dem Auftauchen von Leuten mit Bohranlagen.

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