Biesenthal ArrayEinen bedeutenden Schritt ihrer Bio-Molkerei näher gekommen sind die Hoffnungstaler Anstalten und die Werkstätten für Behinderte in Biesenthal. Gestern wurde Richtfest gefeiert.
Musikalisch begleitet: Die Lobetaler Blõsergruppe musizierte beim Richtfest vor dem Rohbau der neuen Bio-Molkerei in Biesenthal. Das Gebõude entsteht neben der Baumschule der Hoffnungstaler Werkstõtten in Biesenthal. Foto: MOZ/Sergej Scheibe
Als wahrhaft bedeutendes Ereignis war das Fest schon von Weitem wahrzunehmen. Die Zufahrt zu Baumschule und jetzt auch Molkerei stand ungewöhnlicherweise voller Autos. Sonst fallen dort neben dem freien Feld nur die schnurgerade gepflanzten Bäume auf. Auf dem Hof der benachbarten Baumschule wuselten schon alle, die mit dem Catering fürs Richtfest zu tun hatten. Büfett und Stehtische waren weiß eingedeckt. Schließlich an der Baustelle der Molkerei selbst einen Traube von vielleicht 150 Menschen, die sich das Richtfest nicht entgehen lassen wollten. Unter den Gästen waren auch Sparkassenchef Josef Keil, Biesenthals Bürgermeister André Stahl und Amtsdirektor Hans-Ulrich Kühne.
Der Himmel zeigte sich gnädig. Die dunklen Wolken hatten ihre Regenfracht über Werneuchen und Rüdnitz abgeladen, so dass bei der Andacht und dem Aufziehen der Richtkrone keine Schirme gebraucht wurden. Zuerst gab Pfarrer Hagen Kühne ein kleines geistliches Input, wie der Chef der Hoffnungstaler Werkstätten gGmbH in Biesenthal Thomas Keller sagte.
Er sprach von den drei Bauleuten, die im Mittelalter an einer Kathedrale arbeiten. Gefragt, was sie tun, habe der eine gesagt, "ich behaue Steine", der zweite sagte, "ich verdiene hier mein Geld" und der dritte "ich baue einen Dom". So gehe der letztgenannte mit einer besonderen Motivation an die Arbeit. Diesen Gedanken übertrug Pfarrer Kühne auf das Richtfest. Er sprach von einem "Glaubenszeugnis, das wir in die sandigen Erde bauen". Der Dom hier sei der Ort, an dem man die soziale Milchwirtschaft betreibe und der wie eine Molkerei aussehe. Begleitet wurde die Andacht von der Lobetaler Bläsergruppe.
Bislang ist beim Bau der Molkerei alles planmäßig verlaufen, freute sich der kaufmännische Leiter der Hoffnungstaler Anstalten Rainer Norden. Man liege gut im Zeitplan und feiere das Richtfest auch in den Ferien, damit schon zu Beginn 2010 mit der Milchproduktion begonnen werden kann.
Wie das konkret ablaufen soll, erklärte der künftige Chef der Bio-Molkerei Michael Kuper. In der Molkerei werden vier leitende Kräfte und 12 behinderte Menschen arbeiten. Mit ihnen wurde bereits eine Molkerei besichtigt. Und parallel zu den Bauarbeiten werden sie für ihre speziellen Aufgaben geschult.
Nach dem Baubeginn am 15. April will man ab Ende September die Molkereitechnik einbauen und im November mit dem Probelauf beginnen. Das Gebäude hat eine Grundfläche von rund 1500 Quadratmetern und kostet alles in allem 2,7 Millionen Euro. Davon kommen 1,3 Millionen Euro als Darlehen auf dem freien Kapitalmarkt, 827 000 Euro sind Eigenmittel und mit rund 550 000 Euro fördert die EU die Bio-Molkerei.
Ingesamt aber werden 60 Beschäftigte mit der Produktion von Joghurt und Käse beschäftigt sein, ergänzte Thomas Keller. Die Milch für den Käse komme aus der landwirtschaftlichen Abteilung in Lobetal. Aber auch die Gärtnerei sei einbezogen und werde Früchte für den Joghurt liefern.
Beim Richtfest wurde aber nicht nur geredet und die Zukunft ausgemalt. Es musste auch noch der letzte Nagel in den Dachstuhl geschlagen werden, was Thomas Keller mit kräftigen Schlägen erledigte. Den Richtspruch trug Zimmerer Roland Lehmann vor, der nach alter Tradition das halbgefüllte Sektglas auf dem Boden zerschellen ließ. Mit einem Rundgang durch den Rohbau klang das Fest schließlich aus.

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