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Boris Kruse 12.11.2010 08:17 Uhr
Red. Eberswalde, eberswalde-red@moz.de

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Jüngste Geschichte aufgearbeitet

Eberswalde (moz) Zum Abschluss der einjährigen Ausstellung „Demokratischer Wandel – ein Labyrinth der Erinnerungen“ veranstaltete das Museum in der Adler-Apotheke am Mittwoch eine Finissage. Zeitzeugen schilderten ihre Erlebnisse rund um die Wende in Eberswalde, dazu gab es ein musikalisch-künstlerisches Rahmenprogramm.

  Jedes Jahr ein Klang: Ulli Sachse vertont 40 Jahre DDR. Hier bläst er über 1967 auf einer Muschel. © MOZ/Thomas Burckhardt

Das Jahr 1981 klang für DDR-Bürger wie ein klappernder Zollstock. Jedenfalls, wenn man der Deutung des Klangkünstlers Ulli Sachse folgen mag. Der Zollstock symbolisiert demzufolge das Treiben auf den Großbaustellen in Berlin-Mitte, wo der Fernsehturm und der Palast der Republik entstanden. Dass beide Bauprojekte im Jahr 1981 längst abgeschlossen waren, das steht auf einem anderen Papier. Mit der Wahrheit hat Ulli Sachse es nicht immer so genau genommen, als er auf der Finissage in der Adler-Apotheke in einem 20-minütigen Parforceritt ein Geräusch zu jedem der 40 Jahre DDR vorstellte.

Launig und nicht ganz bierernst, so fiel der gesamte Erinnerungsabend zum Ende der Schau aus – die Programmgestaltung hatte der Direktor des ehemaligen Gantikower Lügenmuseums, Reinhard Zabka, übernommen. Schilderungen geladener Zeitzeugen schlugen das Publikum durch Pointenreichtum in den Bann. Der Fotograf Reinhard Küttner etwa erzählte, wie er nach der Fernseh-Ankündigung Günter Schabowskis vom 9. November 1989, dass DDR-Bürger künftig frei reisen könnten, 400 Passbilder an einem Tag machen musste: „Ich war der Einzige, der nicht nach Berlin gefahren ist.“

Der erste frei gewählte Bürgermeister von Eberswalde, Hans Mai (SPD), schilderte, wie Willy Brandt bei seinem Besuch in der Stadt vor den freien Volkskammerwahlen vom März 1990 empfangen wurde: Mit einer eilig zusammengezimmerten, wackeligen Holztribüne, von der herunter er seine Rede halten sollte, und einem Festessen aus Dosen-Spargel. „Willy Brandt hat ihn tapfer gegessen und Bier dazu getrunken“, erinnert sich Hans Mai. Seit der Wende sind immerhin schon mehr als 20 Jahre verstrichen – mit der Folge, dass sich das Anekdotische in den Vordergrund drängt und die Erinnerungen bisweilen arg auseinanderklaffen. Das bestätigte auch die Leiterin des Museums, Ramona Schönfelder. Sie arbeitet gerade an einer Publikation zu den Geschehnissen in jener denkwürdigen Zeit zwischen dem Mai 1989 und dem Oktober 1990, wie sie sich in Eberswalde zugetragen haben. Eigentlich, so Schönfelder, wollte sie den fertigen Folianten schon zum Abschluss der Ausstellung präsentieren, „aber es waren viele Puzzleteile, die wir zusammengefügt haben, und wir wollten es nicht übers Knie brechen.“ Bei der Recherche ist sie immer wieder auf widersprüchliche Quellentexte und Aussagen von Zeitzeugen gestoßen.

Um so mehr sei die Ausstellung ein wichtiges Projekt gewesen: „Wir haben hier jüngste Geschichte aufgearbeitet“, sagt Schönfelder. Besonders erfreut zeigten sich die Ausstellungsmacher über das rege Interesse von Kindern und Jugendlichen, die die DDR mittlerweile nur noch aus den Erzählungen ihrer Eltern und Großeltern kennen. „Das Museum ist ein außerschulischer Lehrort. Jetzt hat sich das noch einmal deutlicher gezeigt“, resümiert der Eberswalder Kulturamtsleiter Stefan Neubacher.

Aber auch auf Besucher aus dem Westen Deutschlands habe die Ausstellung während der Laufzeit von beinahe genau einem Jahr eine große Wirkung gehabt. Museumsleiterin Schönfelder erinnert sich gerne an eine Gruppe von 60 Delmenhorstern, die ihr nach dem Gang durch das Labyrinth im Obergeschoss der Adler-Apotheke versicherten, welch großen Respekt sie vor der Leistung der DDR-Bürger in der Wendezeit und den Jahren danach empfänden.

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