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Berlinale-Eröffnungsfilm "Hail, Caesar!" läuft außer Konkurrenz

Im Dienste der Unterhaltung

Hail, Caesar!
Hail, Caesar! © Foto: Berlinale/Universal Pictures
Mathias Puddig / 12.02.2016, 00:53 Uhr - Aktualisiert 12.02.2016, 01:08
(Josh Brolin) Für Eddie Mannix Josh Brolin sind die guten alten Zeiten eigentlich schon vorbei. Zwar leitet Mannix ein Filmstudio während der Goldenen Ära in Hollywood, und das läuft auch ziemlich gut. Allerdings ist zumindest seine Frau den 1950er-Jahren weit voraus - sie will, dass Mannix das Rauchen lässt. Und diese Anzeichen der neuen Zeit treiben den Manager in eine Zwickmühle. Ihn, der sonst wenig Skrupel hat, plagen nun Gewissensbisse, weil er eben doch ab und zu zur Zigarette greift.

Rund um ihn herum herrscht in "Hail, Caesar!", dem Eröffnungsfilm der Berlinale, die Goldene Ära jedoch weiterhin. Hollywood produziert in dem Film von Joel und Ethan Coen einen Kassenschlager nach dem anderen - die sind zwar nicht immer kunstvoll, stets aber reich an Effekten. Dann jedoch wird Baird Whitlock (George Clooney), der größte Filmstar seiner Ära, entführt, und Mannix muss sich um das Problem kümmern. Eine geheimnisvolle Organisation namens "Die Zukunft" steckt hinter dem Verbrechen. Sie fordert ein enormes Lösegeld von 100 000 Dollar. Größer wäre der Verlust jedoch, wenn der Dreh des Sandalen-Epos "Hail, Caesar!" abgebrochen werden müsste.

Dabei ist das längst nicht Mannix' einziges Problem: Auch die uneheliche Schwangerschaft des Starlets DeeAnna Moran (Scarlett Johansson) muss vertuscht werden, der missmutige Regisseur Laurence Laurentz (Ralph Fiennes) ist zu überzeugen, dem nur mäßig begabten Hobie Doyle (Alden Ehrenreich) eine Chance zu geben, und die Reporter-Schwestern Thora und Thessaly Thacker (Tilda Swinton in einer Doppelrolle) wollen auch noch mit Klatsch versorgt werden.

Klingt turbulent? Ist es allemal. Denn "Hail, Caesar!" geht in die Vollen: Nicht nur die kaum zu überschauende Riege an Stars macht den Film sehenswert. Es ist vor allem die überbordende Lust an einem Kino, das Leinwände füllen will. So gibt es eine minutenlange Wasser-Choreografie mit Scarlett Johannson im Nixen-Kostüm, die erst von einem mechanischen Wal verschluckt wird, später jedoch umso bezaubernder wieder auftaucht.

Im Gegenzug darf auch Channing Tatum tanzen - in Matrosen-Uniform legt er mit einem Männer-Ballett eine Performance hin, samt ausladendem Stepptanz-Solo. Das ist natürlich streckenweise albern. Es ist zugleich aber ungeheuer unterhaltsam. Und solche Anleihen gibt es viele: Neben Musical- und Boulevard-Filmen werden auch Western und Krimis zitiert. Dazu kommt das gewitzte Spiel mit den Ebenen. Natürlich, das "Spiel im Spiel" gibt es seit Shakespeare, die Coen-Brüder haben es mit "Hail, Caesar!" nicht neu erfunden. Aber wie sie immer wieder den Film im Film unterbrechen, ist gekonnt, humorvoll und ideenreich.

Allein - und dies ist das Manko - es bringt den Film nicht voran, es gibt ihm keine Tiefe. "Hail, Caesar!" ist eine große Hommage an Hollywood, geht aber keinen Schritt darüber hinaus. Es demaskiert die Traumfabrik nicht - auch nicht ihre Schattenseiten. Ganz wie Filmproduzent Eddie Mannix stellen auch die Coen-Brüder all ihre Mittel in den Dienst der Unterhaltung. Das klappt prima, trägt mühelos über 106 Minuten. Es ist allerdings auch etwas flach. Und so ist "Hail, Caesar!" mit Sicherheit nicht der ganz große Wurf der Coen-Brüder. Aber er feiert Hollywood, das Kino und den Film - einen besseren Start für ein Filmfestival kann man sich kaum vorstellen.

Heute, 11 Uhr, Friedrichstadt-Palast, Kinostart: 18. Februar

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