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Zum Literaturnobelpreis: Signal gegen Geschichtsverzerrung

Uwe Stiehler
Uwe Stiehler © Foto: MOZ
Uwe Stiehler / 05.10.2017, 20:03 Uhr
Stockholm (MOZ) Amoz Oz, David Grossman oder Ngugi wa Thiong'o, der eine sehr blumige Sprache hat und damit fantasievoll und bissig in afrikanischen Problemzonen stichelt - aber wer hatte Kazuo Ishiguro als heißen Kandidaten für den Literaturnobelpreis auf dem Zettel?

Mit dieser Entscheidung bekennt sich die Schwedische Akademie wieder einmal zu ihrer Vorliebe für die stillen, grüblerischen europäischen Literaten. Wie sie sich in den vergangenen Jahren geäußert hatte, als sie ebenfalls zur Überraschung vieler Tomas Tranströmer oder Herta Müller den Literaturnobelpreis zuerkannte. Auch wenn sich sein Name nicht so anhört, der in Großbritannien aufgewachsene Kazuo Ishiguro passt in diese Reihe und ist mit seiner Literatur, die aus einem Bewusstsein für die Vergangenheit ein Bewusstwerden des Gewordenseins ableiten und damit ein intellektuelles und moralisches Fundament für die Gegenwart schaffen möchte, sogar sehr nahe bei Herta Müller.

Die diesjährige Wahl der Schwedischen Akademie ist in einer Zeit, in der Radikalisierung und Geschichtsverzerrung sich unheilvoll umarmen, ein mahnendes Signal. Ein Signal allerdings auch, das sich aus einem eurozentrischen Weltbild speist. Was angesichts sich verschärfender globaler Krisen viel zu kurz geschaut ist.

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