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Holger Rudolph 10.02.2012 16:20 Uhr - Aktualisiert 10.02.2012 18:43 Uhr
Red. Neuruppin, lokales@ruppiner-anzeiger.de

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Furcht vor der Fusion

Rheinsberg (MZV) Der Betriebsrat der Musikakademie Rheinsberg hält nichts von einer Fusion mit der Kammeroper. „Es soll alles so bleiben, wie es zurzeit ist“, sagt der Vorsitzende Heiko Hunger. Immerhin habe sich „unser Modell seit 21Jahren bewährt“.

  Birgit Gabel, Heiko Hunger und Michael Jobs (von links) vom Betriebsrat der Akademie © . Rudolph

Eigentlich wollte das brandenburgische Kulturministerium Akademie und Oper schon Ende 2011 verschmelzen. Effektiver könnte der neue größere Betrieb arbeiten, so die Argumentation. Das Land ist zwar Hauptgeldgeber, ohne die Zustimmung der Gesellschafter, darunter die Stadt Rheinsberg, ist die Fusion aber nicht möglich. Zuletzt hatten die Potsdamer auf Drängen der Stadtverordneten ein zweites Gutachten zur Fusion bei einem externen Unternehmen in Auftrag gegeben. Damit soll geprüft werden, ob statt der Fusion eine Holding als mehr Freiräume bietendes, gemeinsames Dach möglich wäre.

Der wegen des sich anbahnenden Zusammenschlusses Ende November 2011 gegründete Betriebsrat hält von beiden Varianten nichts. Ein Zusammenschluss sei nicht nötig, weil die Akademie bisher selbstständig sehr gut gearbeitet habe, findet Hunger.

Das neue Unternehmen soll dem ersten Gutachten zufolge Kammeroper Schloss Rheinsberg heißen. Dem Namen nach würde die Akademie komplett verschwinden. Hunger, der dieses Haus als Küchenchef seit vielen Jahren sehr gut kennt, sagt: „Warum soll sich ein Unternehmen mit 30 Beschäftigten einem anderen anschließen, das nur eine Handvoll Mitarbeiter hat. Wir betreiben das Schlosstheater das ganze Jahr über, die Kammeroper ist nur acht Wochen hier.“

Betriebsratsmitglied Birgit Gabel ist der Meinung, dass „die Prognos-AG ihr erstes Gutachten unter ganz falschen Vorzeichen erstellte“. Die Wirtschaftsberater seien „im Sommer während der Kammeroper-Zeit hier gewesen und konnten sich gar kein Bild von der Vielfalt der normalerweise durch die Akademie zu erbringenden Aufgaben machen“. Michael Jobs ist Tontechniker der Akademie. Als Betriebsratsmitglied hat er „große Zweifel daran, dass wir nach einer Fusion noch so flexibel wären wie jetzt“. Wenn immer erst der Chef des größeren Unternehmens alles absegnen müsste, wäre es „sicherlich nicht mehr so einfach, kurzfristig auf die Wünsche verschiedener Kurse einzugehen“.

Befürchtungen haben die Arbeitnehmervertreter auch, dass die Kammeroper künftig nicht mehr die von der Akademie bekannte Vielfalt auf die Bühne des Schlosstheaters bringt. Konzerte und Liederabende gehören ebenso zum Angebot wie Kino und Karneval. Wenn das gemeinsame Haus erst Kammeroper hieße, würde es wahrscheinlich in erste Linie schwere Opernkost zu hören geben, auch wenn das so nicht im Konzept steht. Dies könnte dazu führen, dass ein Teil des Publikums wegbleiben würde.

Auch sei es, so Jobs, „doch eigenartig, dass wir als der angeblich schwächere Partner einen Super-Jahresabschluss hinbekommen haben“. Auch Akademiedirektorin Dr. Ulrike Liedtke hatte schon mehrfach öffentlich betont, dass der Betrieb gesund sei. Mit der Arbeit ihrer Chefin sind die Arbeitnehmervertreter sehr zufrieden. Kursbetreuerin Gabel lobt: „Ich habe hier 1994 als ABM-Kraft angefangen. Die Arbeit macht so, wie sie jetzt organisiert ist, sehr viel Spaß. Die Akademie ist wie ein Kind, das mit uns allen gewachsen ist.“ Jobs fügt hinzu: „Ohne Ulrike Liedtke gäbe es die Akademie nicht. Sie hat sie aufgebaut.“

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