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"Mein großer Traum ist, dass alles so bleibt"

Von klein auf beim Ballett: Simone Meuche trainiert hier mit den neun-bis elfjährigen Mädchen und hier mit Nele. Befragt nach dem ergreifendsten Auftritt des Ensembles, sagt die 48-Jährige: Das war der auf der alten Bühne des Bürgerhauses.
Von klein auf beim Ballett: Simone Meuche trainiert hier mit den neun-bis elfjährigen Mädchen und hier mit Nele. Befragt nach dem ergreifendsten Auftritt des Ensembles, sagt die 48-Jährige: Das war der auf der alten Bühne des Bürgerhauses. © Foto: MOZ/Gerd Markert
Margrit Meier / 04.10.2017, 11:14 Uhr - Aktualisiert 04.10.2017, 21:04
Neuenhagen (MOZ) Heute wird im Schloss Bellevue Simone Meuche, Begründerin und künstlerische Leiterin des Kinder- und Jugendtanzensembles mit dem Verdienstorden zum Tag der Deutschen Einheit geehrt. Es ist eine Anerkennung für ihr unermüdliches Engagement. Vorgeschlagen für diese Auszeichnung wurde sie von Eltern der Tänzer.

Wer ist Simone Meuche? Sie ist Tanzpädagogin, Dozentin, Choreographin und Mitglied in Jurys sowie im Präsidium des Deutschen Bundesverbandes Tanz. "Hier, an diesem Tisch wurde dieser Bundesverband beschlossen", erzählt sie. Das war vor drei Jahren. Der Ost- und der Westverband arbeiteten jeder für sich. Der eine war dem anderen nicht grün. "Ich hab sie alle an einen Tisch geholt und gefragt, ob das wirklich sein muss, dass wir uns im Jahr 25 nach der Wende nicht endlich vereinigen können", sagt sie.

Simone Meuche ist Neuenhagenerin. Zwar in Berlin geboren, aber direkt aus der Klinik nach Neuenhagen umgesiedelt worden, erzählt sie prustend. Hier ist sie zur Schule gegangen und aufgewachsen. Schon als Schülerin, erzählt sie glucksend, hat sie ihre Klassenkameraden dazu gebracht, zu tanzen. Fotos gibt es von Neuntklässlern, die als junge Schwäne zur Faschingsfeier für Furore sorgten. Aber auch der Matroschka-Tanz für die Deutsch-Sowjetische Freundschaft ist ihr in Erinnerung geblieben. Und, sie hat es geschafft, zum Lied "Kleine weiße Friedenstaube" eine Choreographie zu entwickeln. Das muss man erst einmal nachmachen. "Dass ich alle zum Tanzen gebracht habe, hat mir nie jemand vorgehalten. Zumindest nicht beim Klassentreffen", erzählt sie. Peter Voß, der Schulleiter hatte damals die Aufgabe, den Stundenplan ihrer Klasse so umzustricken, dass Klein-Simone zu ihren Trainings nach Berlin fahren konnte. Handarbeit und Werken, Schulgarten - da musste die heute 48-Jährige nicht mitmachen. Sie galt als talentiert. Schon als Zweieinhalbjährige begann die Bewegungsfreudige (heute würde man sie wohl als hyperaktiv bezeichnen) mit dem Eiskunstlaufen bei Dynamo Berlin. Mit sechs wollte sie zum Ballett und wechselte in dieses Fach dann mit acht Jahren. Sie absolvierte neben dem normalen Unterricht an der Puschkinschule auch die Spezialschule für Tanz und Tanzpädagogik, war Mitglied der Ballettakademie. Sie war eines der Showgirls im Friedrichstadtpalast. Durch die Spezialschule hatte sie bereits einen tanzpädagogischen Abschluss. "Mein Traum war es, an der Hochschule für Musik und Theater in Leipzig zu studieren", erzählt sie. Und auch diese Chance bekam die junge Frau.

Zu diesem Zeitpunkt gab es bereits das 1989 gegründete Kinder- und Jugendtanzensemble. Peter Voß, bereits erwähnter Schulleiter, war Initiator dieses mittlerweile weltweit auftretenden Ensembles mit mehr als 500 Tänzern. Denn er erteilte Simone den Auftrag, eine Tanzgruppe zu gründen. Die wuchs rasch von 35 Kindern im ersten Jahr an. Und die Truppe tingelte vom Klassenraum zur Turnhalle, baute später eine Kita aus bis hin zum heutigen Domizil, dem ehemaligen Kino an der Hauptstraße.

Zwischendurch kam Henrike Sophie zur Welt. Simone Meuche ist nicht nur ihr seit 18 Jahren liebevolle und stolze Mutter, sondern auch die von zahlreichen tanzenden Kindern. Die nämlich, die im Kinder- und Jugendtanzensemble in den verschiedenen Gruppe tanzen - von Folklore und Kindertanz bis zu Hiphop und Steptanz. Ab einem Alter von vier Jahren werden die Kleinen aufgenommen. "Was mich so fasziniert ist, welche Disziplin die Kinder nebenher lernen. Oft sitzen sie hinter der Bühne vor ihren Auftritten und erledigen ihre Hausaufgaben", erzählt die künstlerische Leiterin. Sie ist aber mehr. Choreographin, die gute Seele, die Trösterin, die Fordernde, die Willensstarke, die Frau, die sich durchsetzt und einsetzt. Manchmal wirkt sie ein bisschen kühl auf den ersten Blick. Aber wer hinhört und schaut, der erkennt eine hochemotionale, engagierte Frau. Zuerst kommt das Ensemble, dann die vielen anderen Verpflichtungen und ganz zum Schluss denkt sie an sich.

Es sprudelt nur so aus ihr heraus, wenn man sie nach den vielen Auftritten und den Erfolgen des Ensembles fragt. Da erzählt sich vom Amber Cup in Russland. Den Grand Prix für die beste choreographische Arbeit hat sie da bekommen. Bei der Dance Olympiad Riga hat sie mit ihren Kindern fünf erste Plätze erreicht. "Wir sind also Olympiasieger", strahlt sie. Sie berichtet von Auftritten von Amerika bis nach Russland. Von Freunden in der ganzen Welt. Und dem Dank an die vielen Ensembles, bei denen sie zu Gast waren und für die dieses Jahr mit Hilfe der vielen engagierten Eltern des Ensembles das erste internationale Tanzfestival in Neuenhagen organisiert wurde.

Simone Meuche kann lachen und weinen zur gleichen Zeit. Etwa, wenn sie von ihren Tanzkindern erzählt und wie die mit Kindern aus aller Welt umgehen. Wie sie spontan für eine afrikanische Gruppe sammelten, weil die bestohlen wurde, oder aber ihr Engagement für die SOS-Kinderdörfer. Mittlerweile haben sie und ihre Tochter Patenschaften. "Meine Henrike möchte keine Geschenke zum Geburtstag, sondern lieber Geld, das sie dann an Adele aus Kasachstan oder Viktoria in Kiew überweist", erzählt die Mutter.

Und wie empfindet sie nun dieses Auszeichnung, für die sie die Eltern ihrer Tanzkinder vorgeschlagen und heimlich monatelang alle Unterlagen zusammengetragen haben? "Das ist mir komisch. Wenn ich dann so lese, wer da noch so geehrt wird. Da bin ich doch nur ein kleines Licht", sagt sie. Schiebt aber sofort hinterher, dass sie sich wahnsinnig freut. Und sich wünscht, dass die Gratulanten, die es garantiert geben wird, keine Blumen schenken, sondern lieber für die SOS-Kinderdörfer sammeln.

Hat sie eine großen, persönlichen Wunsch? "Ich bin noch nicht mal 50. Ich habe ein hervorragend funktionierende Ensemble, das hier mit ausgezeichnet wird. Ich habe eine super zuverlässige Tochter, bekomme den Orden und habe schon den Grand Prix erhalten. Mein großer Traum ist, dass alles so bleibt, wie es ist", sagt sie. Das Ensemble möchte, dass Simone Meuche bleibt, wie sie ist. Eine engagierte Neuenhagenerin. Nun mit der höchsten Auszeichnung, die es zum Tag der Deutschen Einheit gibt. Als eine von 30 Persönlichkeiten in der Bundesrepublik. Als einzige aus dem Land Brandenburg.

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