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Zuckersand im Ala

Regisseur Dirk Kummer (re.) neben Markus Kühlmorgen von der Cineplex-Geschäftsleitung und Baudezernent Thomas Zylla (li.).
Regisseur Dirk Kummer (re.) neben Markus Kühlmorgen von der Cineplex-Geschäftsleitung und Baudezernent Thomas Zylla (li.). © Foto: Silke Schulz
Silke Schulz / 06.10.2017, 14:14 Uhr
Falkensee (MOZ) Selten stellte ein Film die Realität in der DDR so unverzerrt authentisch und zugleich mit soviel poetischem Wortwitz dar wie die Tragikomödie "Zuckersand". Zur Vorpremiere am Mittwoch war das Falkenseer Kino "Ala" dann auch fast bis auf den letzten Platz besetzt. Bei freiem Eintritt durften Interessierte 90 Minuten lang die Geschichte über die bedingungslose Freundschaft zweier Jungen verfolgen, die durch die Strukturen des geteilten Deutschlands zu zerbrechen droht.

Bereits im Juni wurde die Produktion im Rahmen des Filmfests München mit dem Bernd Burgemeister Fernsehpreis für den besten deutschen Fernsehfilm des Jahres ausgezeichnet. Regisseur Dirk Kummer, der zusammen mit Co-Autor Bert Koß auch das Drehbuch verfasste, saß am Mittwoch im Publikum. Der 51-jährige Kummer hat seine ersten Lebensjahre in Falkensee verbracht.

"Zuckersand" spielt in Falkensee, im Film heißt der Ort allerdings "Falkenwerder". Gedreht wurde in Tschechien, hier ließ sich mit wenig Aufwand noch heute das DDR-Flair der späten Siebziger erzeugen.

Fred und Jonas, beide zehn Jahre alt und beste Freunde, träumen von Australien. Der Glaube an Traumzeit und telepathische Kommunikation ist schon deshalb für die Jungen reizvoll, weil die Mutter von Jonas die Ausreise in den Westen für sich und ihren Sohn beantragt hat. Für die Freunde ist der Gedanke an Trennung unerträglich, und weil Australien direkt auf der anderen Seite des Globus liegt, beginnen die beiden mit dem Bau eines Tunnels quer durch die Erde. In einer stillgelegten Fabrik schaufeln sie Tag für Tag, Eimer für Eimer - Zuckersand.

Oberste Priorität liegt bei dieser Zeitreise auf der Echtheit der Darstellung. Der ostdeutsche Alltag, zehn Jahre vor dem Mauerfall nahe der deutsch-deutschen Grenze, einerseits heiter und unbeschwert, andererseits überschattet durch die Tragik der Teilung, wird in der Produktion von "Claussen+Putz" in Wortschatz, Milieu und Szenenaufbau unverzerrt und alles andere als überzeichnet illustriert.

Die Geschichte des Films ist jedoch gleichermaßen Symbol für eine Lawine, die nicht aufzuhalten ist - ein Berg voller "Zuckersand", der alles verschütten kann.

Die Stadtverwaltung Falkensee hat mit dieser Veranstaltung bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr einen Film vorgestellt, an dem Dirk Kummer mitgewirkt hat. Bereits im August war im Rahmen der 7. Open-Air-Kinosommernacht der DDR-Klassiker "Coming Out" gezeigt worden, in dem Kummer seine erste Kinorolle als Hauptdarsteller hatte.

Kummer stand 1979 zum ersten Mal für eine TV-Produktion vor der Kamera, war Meisterschüler an der Akademie der Künste. Daneben studierte er Regie und hat inzwischen die Schauspielerei zugunsten der Regieführung weitgehend aufgegeben.

Der jüngste Besuch in der Stadt Falkensee, die Baudezernent Thomas Zylla scherzhaft als "auf Zuckersand gebaut" bezeichnete, war für Dirk Kummer indes eine willkommene Gelegenheit, viele alte Freunde wiederzusehen.

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