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Antje Scherer 28.08.2012 17:59 Uhr - Aktualisiert 28.08.2012 18:36 Uhr

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"Gefällt mir!"-Button für Theaterstücke

Neuenhagen (MOZ) Eine Situation, die viele Eltern kennen: Da rafft man sich auf, ins Theater zu gehen, besorgt Karten, bestellt einen Babysitter, fährt bis nach Berlin - und das Stück ist Mist. Auch Rod Schmid hat das mit seiner Frau wiederholt erlebt. "Ich hab' im Internet nach Kritiken gesucht, um eine bessere Entscheidungsgrundlage zu haben, aber nicht viel gefunden." Mal einen Link, der dann nicht funktioniert habe, mal ganz versteckt einen Bericht auf der Seite eines Schauspielhauses. Das könnte anderen ähnlich gehen, dachte er sich - "und die Idee für livekritik.de war da", erzählt der 35-Jährige aus Neuenhagen bei Berlin (Märkisch-Oderland). Dahinter verbirgt sich eine Plattform im Internet, die Besprechungen von Oper, Konzert, Theater- und Kabarett-Aufführungen bündelt. Für Schmid eine Marktlücke: Auf einen Blick sehen, was gespielt wird und wie andere Besucher das Stück fanden.

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Rod Schmid

© Antje Scherer

Aus dem Geistesblitz ist für ihn eine Geschäftsidee geworden, für die er sogar seinen Job als Online-Redakteur gekündigt hat. "Der Wunsch, mein Leben zu ändern, der war schon vorher da. Ich hab' nur nach der richtigen Idee gesucht", sagt er.

Ende Juni ist die Seite online gegangen. Rein optisch fallen das klare und ruhige Layout und die "erwachsene" Grafik auf, nichts poppt auf oder blinkt hektisch - das ist Absicht. "Nutzen darf das Portal natürlich jeder", versichert Schmid, aber das Wunschpublikum sei tatsächlich in mittlerem Alter, kulturinteressiert und gut situiert. Studien zeigten, sagt Schmid, dass über 60 Prozent der Menschen vor einer Anschaffung Bewertungen im Internet sichten. Er glaubt, dass man das ohne Weiteres auf den Kulturbereich übertragen kann - "der Kauf einer Theaterkarte ist ja auch eine Kaufentscheidung!"

Bislang sind vor allem Berliner Veranstaltungsorte dabei, nach und nach soll das Portal aber auch die komplette Kulturszene Brandenburgs und perspektivisch ganz Deutschland abdecken. Das mache Sinn, sagt Schmid, weil Kabarettisten, Musiker und Autoren durch Deutschland tourten. "Mit dem gleichen Programm. Da kann der Frankfurter nachlesen, wie es vor drei Wochen in Ulm war."

Wer es zackig mag, orientiert sich am Daumensymbol oder am Fazit in einem Satz. Mehr Stoff bietet die Langfassung. Bewertet werden darf alles - vom Schülerauftritt bis zur Opernpremiere. Eine Trennung zwischen E- und U-Veranstaltungen gibt es nicht; erlaubt ist alles, was im Kulturbereich live dargeboten wird. Ganz nebenbei breche sein Portal elitäre Denkmuster im Kulturbetrieb auf. "Da darf eben nicht nur der Feuilleton-Chef kritisieren, sondern jeder."

Für die Nutzer ist das Portal kostenlos; Geld soll demnächst über Werbung, etwas später auch über einen Ticketverkauf kommen. Eine sechsstellige Summe haben Schmid und Partner Sebastian Herrmann in das Projekt gesteckt. Der Löwenanteil kam über das EU-Programm "Gründung Innovativ".

Ob die Livekritiker einem am Ende wirklich bei der Entscheidung für oder gegen ein bestimmtes Stück helfen können, muss man vielleicht ausprobieren - schließlich ist im Bereich Kultur vieles Geschmackssache.

www.livekritik.de

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