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Neuhardenberg (MOZ) In einer Zeit, in der sich politische Diskussionen um den Sexismus alter Männer drehen, das Fernsehen mit durchgedrehten Unbekannten im Dschungel Quote macht und Plastikmusik von selbst ernannten Superstars die Charts stürmt, gibt es einen Sehnsuchtsort für Freigeister und Kulturliebhaber: Schloss Neuhardenberg.
Auch in diesem Jahr werden ihre Hoffnungen auf Alternativen zu Belanglosigkeit nicht enttäuscht. Von Beckett bis Bundesliga reicht das üppige Programm, das der Generalbevollmächtigte der Stiftung, Bernd Kauffmann, am Freitag in Berlin vorstellte. Und es ist, als wollte die Stiftung als Korrektiv für verpasste Chancen wirken, wie ein Mahner in der schönen brandenburgischen Landschaft. "Das Politische scheint - fast getrieben - eher um Nachsorge bemüht, als in Vorsorge zu gestalten", konstatiert Kauffmann. In einer unübersichtlicher werdenden Wirklichkeit gerate das Nachdenken über andere Möglichkeiten so zunehmend ins Verschwinden. Dagegen mit allen Mitteln von Kultur anzukämpfen, sei das Ziel der vielfältigen Veranstaltungen in Neuhardenberg.
Den Auftakt macht Klaus Maria Brandauer. Ab 15. März gibt der Schauspieler, der in diesem Jahr seinen 70. Geburtstag feiert, an sechs Abenden Samuel Becketts Monolog "Das letzte Band" in der Regie von Peter Stein. Sophie Rois liest im April aus Flauberts "Madame Bovary", Kollege Matthias Brandt wird sich Bram Stokers "Dracula" vornehmen, und Inge Keller liest aus Stefan Zweigs "Die Welt von gestern". Große Gefühle spielen sowohl bei "Gruß und Kuß, Dein Julius", einer Lesung von Claudia Michelsen und Andreas Fröhlich aus Liebesbriefen von Oscar Wilde bis Erich Maria Remarque eine Rolle, wie auch beim Konzert "Parlami d'amore", in dem Joachim Król als Sprecher fungieren wird. Vertraute Gäste in Neuhardenberg sind erneut Burghardt Klaußner, Dagmar Manzel, Robert Gallinowski, Sylvester Groth, Rufus Beck, Corinna Harfouch sowie Maria Schrader.
Innovativ wird es 2013 auch beim musikalischen Teil: Ob das Isabelle Faust Quintett, der israelische Bassist Avishai Cohen mit seinem Trio, Pianistin Elena Bashkirova oder die Begegnung des israelischen Musikers Idan Raichel mit dem malinesischen Gitarristen Vieux Farka-Touré am 5. Mai in der Schinkel-Kirche - immer lohnt sich der Weg. Ganz besonders freut sich Kauffmann auf den Auftritt des L'Orchestre d'Hommes-Orchestres, das am 29. Juni mit einer wilden Instrumentenmischung Songs von Tom Waits präsentieren werden.
Wie steht es um Deutschland im Wahljahr 2013? Das ist das Thema einer Diskussion zwischen Schriftstellerin Julie Zeh, Politikprofessor Herfried Münkler und dem deutsch-ägyptischen Politologen Hames Abdel-Samad, die von Volker Panzer am 21. April moderiert wird. Hochkarätig, aber noch geheim, wird auch die Besetzung der Gesprächsrunde zum Thema "Die vierte Macht - vom Verschwinden des investigativen Journalismus" am 26. Mai sein. Um Stiftungen und ihr Wirken geht es unter dem Motto "Charity - Zwischen Feudalismus und Barmherzigkeit" am 16. Juni.
Während sowohl die Neuhardenberg-Nacht (18. Mai) und die Verleihung des MOZ-Kunstpreises (23. Juni) feste Punkte im jährlichen Programm sind, bietet der 50. Geburtstag der Fußball-Bundesliga Ungewöhnliches: Am Himmelfahrtstag soll auf dem "Acker von Neuhardenberg", wie Kauffmann es formuliert, das runde Leder rollen. Eine Auswahl der DFB-Traditionself trifft dort auf die Kicker der Autorennationalmannschaft.
Insgesamt klingt das alles so, als ob Neuhardenberg dem Besucher auch 2013 erfüllen wird, was Kauffmann sich wünscht: "Einen Ort, der der wirren Welt der Beschleunigung die Muße und die Entschleunigung entgegensetzt, die wir in dem Maße verlieren, in dem wir alles zu gewinnen trachten."
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