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Peter Liebers 12.02.2015 08:16 Uhr

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Kunst aus dem Erlittenen

Wensickendorf/Berlin (MOZ) Erfüllung, Reibung und Widerstand sind für künstlerische Arbeit entscheidende Motivationen. Auf Wieland Förster trifft das besonders zu, denn der am 12. Februar 1930 in Dresden geborene Bildhauer konnte sein Talent erst entfalten, nachdem der 15-Jährige die Katastrophe der Bombardierung seiner Heimatstadt  überstanden und er seine durch sowjetisches Militär gegen ihn willkürlich verhängten Zuchthausjahre im berüchtigten "Gelben Elend" in Bautzen überlebt hatte. Wobei sich an seiner Biografie erweist, dass sich solche Erlebnisse und Erfahrungen in die Gedanken- und Gefühlswelt eines Menschen einbrennen und sein Tun und Handeln fortan entscheidend beeinflussen.

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Die Stadt, 1992, Bronze, 112 x 59 cm von Wieland Förster

© promo

"Es ist das Erlittene, woraus Kunst entsteht", hat Förster, der in Wensickendorf (Oberhavel) zu Hause ist, in seinem mit Arbeits-Notizen versehenen Band "Im Atelier abgefragt" (2005) bekannt. Umso mehr verwundert die Frage, die leitmotivisch über einer in Bremen gezeigten Ausstellung steht, deren Zentrum Försters 1971/74 entstandene Bronzeskulptur "Große Neeberger Figur" bildet: "Kann in einer Diktatur ein Meisterwerk entstehen?"

Da es sich erklärtermaßen um eine Bestandsaufnahme der Entwicklung der Bildhauerkunst in Ost- und in Westdeutschland handeln soll, kann darin ein Ärgernis, ja eine Herabsetzung des Werks von Wieland Förster gesehen werden, denn von den dort vertretenen Künstlern hat allein er Zensur sowie ideologische und künstlerische Reglementierung erfahren.

Weniger in polemischem Gegensatz zur Bremer Schau als vielmehr ein Ausdruck detaillierter Kenntnis des Lebens Försters und in persönlicher Wertschätzung seines Werks würdigte Wolfgang Thierse, Vertreter der DDR-Bürgerbewegung und bis 2005 Präsident des Bundestages, zur Eröffnung der Berliner Geburtstagsausstellung für Wieland Förster in der Galerie Wilfried Karger als einen "der großen deutschen Bildhauer des 20. Jahrhunderts", dessen Arbeiten "Meisterwerke der deutschen, der europäischen Bildhauerei" seien. Ein Schlüsselsatz Försters geht auf den chinesischen Philosophen Laotse zurück: "Klar sieht, wer von fern sieht."

Der Dichterfreund - und womöglich auch Anreger und Herausforderer, sich neben seinen Mitteln als bildender Künstler auch der Sprache zu bedienen - Franz Fühmann verstand Wieland Försters Werk als "eine plastische Fassung des Ursonetts vom Elend und der Herrlichkeit des Menschen". Und Förster hat wie selbstverständlich außer seinem bildhauerischen Werk bleibende Literatur geschaffen. Neben Arbeits- und Reisenotizen liegen mit Büchern wie "Die versiegelte Tür" (1982), "Sieben Tage in Kuks" (1985) und "Der Andere. Briefe an Alena" (2009) Prosabände vor, die nicht zuletzt erwartungsvoll zu Försters autobiografische Aufzeichnungen hinführen. 2009 entschloss sich Förster mit seinem Prosaband "Seerosenteich" zu einer "Autobiografie einer Jugend in Dresden 1930-1946". Das war Schwerstarbeit und zugleich notwendig, um die körperlich nicht mehr zu leistende bildkünstlerische Ausdrucksweise zu kompensieren.

Das betraf die Arbeit am Stein, aber auch die auf andere Art aufwendige Ausformung seiner Bronze-Skulpturen. Zeichnungen wurden für Förster wichtige Ausdrucksformen, und er erinnerte sich Anfang der 1990er-Jahre an den 30 Jahre zuvor entstandenen Wunsch, "tausende Meter über Witebsk die Erde von oben darzustellen". Der Ursprung dieser Bilder lag in grafischen Blättern. Bis 1993 entstanden 21 "Flugbild-Reliefs" in Bronze oder Steinguss, in denen Förster seinen Eindruck der Flugerlebnisse nach Moskau oder Tunis als eine bis dahin "nicht gesehene Zusammenschau der Elemente , der Erde, die uns trägt, nährt, gebiert, uns aufnimmt im Tode", zusammenfasst.

Ähnlich seinen zuvor geschaffenen figürlichen Skulpturen konfrontiert Förster mit seinen "Flugbildern" den Menschen mit seinem Eingreifen in die Natur. Das 1992 entstandene Bronze-Relief "Die Stadt" schildert eindrucksvoll und mit überraschenden Mitteln die urbane Ausdehnung einer Region. Aus dem Geflecht von Straßenzügen und konkreten Gebäuden erheben sich in Försters Bronze-Relief dreidimensionale Häuserzeilen; zugleich führt der Künstler seine Landschaften auf ihren Ursprung und damit auf die unberührte Natur zurück. Mit "Gescheiterte Hoffnung" , einer Hommage an den Maler Caspar David Friedrich, endet die Serie der Flugbilder. Ein abgestürztes Flugzeug bildet eine quer über das Bild gelegte diagonale tiefe Verletzung. Nach Försters Vorstellung symbolisiert sie die "Endlichkeit jedes technischen Tuns".

Bis 18.4., Galerie Wilfried Karger im Stilwerk Berlin-Charlottenburg, Kantstr. 17, Telefon: 030 45087829

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