Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Künstlerverein Šiška stellt in Eberswalde aus

Nah dran am gelobten Land: Jonas Höschls Foto aus der Reihe „Idomenie“ zeigt einen Jungen an der Grenze zu Mazedonien.
Nah dran am gelobten Land: Jonas Höschls Foto aus der Reihe „Idomenie“ zeigt einen Jungen an der Grenze zu Mazedonien. © Foto: Repro/Jonas Höschl
Simon Rayß / 26.05.2016, 19:45 Uhr
Eberswalde (MOZ) Sie tragen weiße Creme auf den jungen Gesichtern. Nicht als Schutz gegen die griechische Sonne, sondern gegen das Tränengas, das durch die Poren in den Körper dringt. Die Polizei setzt den Kampfstoff gegen Flüchtlinge ein, die beim Camp "Idomenie" versuchen, die Grenze nach Mazedonien zu überwinden. Jonas Höschl ist mittendrin, als im April die Lage eskaliert. Als Gummigeschosse fliegen und Kinder vor ätzenden Rauchschwaden fliehen. Er hat gesehen, wie Europa, dieses Idyll inmitten einer Welt in Aufruhr, seine Grenzen verteidigt.

Der 21-Jährige hat auch Fotos gemacht und sie nun mitgebracht nach Eberswalde (Barnim). Seit Mittwoch sind sie dort zu sehen, gemeinsam mit den Werken von fünf weiteren jungen Künstlern aus Süddeutschland, die dem Kollektiv Šiška angehören. Šiška ist slowakisch für "Zapfen" im botanischen Sinn, was aber nicht viel über die Ausrichtung der Gruppe sagt, die sich vor zwei Jahren gefunden hat. In der Kleinen Galerie zeigt sie Fotografie, Malerei, Grafik und Objektkunst unter dem Oberbegriff "Analyse der Idylle".

Ausgangspunkt für die Arbeit des Kollektivs ist der etwas mehr als postkartengroße Kunstdruck eines Gemäldes, den die Mitglieder vor einem Jahr auf dem Flohmarkt erstanden haben. Das Werk eines unbekannten Schöpfers zeigt eine heimelige Szene im Gebirge: eine Hütte am See, Fischer, Tannen, ein Mädchen im Dirndl und Gebirge im Hintergrund. Mit einem Wort: Idylle.

Die Gruppe nimmt diese Idylle auseinander. Christian Kölbl einmal buchstäblich - er reproduziert das Gemälde als Zeichnung, zerlegt es in Quadranten und verteilt diese auf drei Bilder -, dann wieder inhaltlich, indem er Griechenland-Urlauber zeichnet und sie mit ankommenden Flüchtlingen konfrontiert. Doch der 22-Jährige setzt sie nicht nur nebeneinander. Er radiert die "Störenfriede" mit ihren Schlauchbooten und Rettungswesten wieder aus, bis nur ein Schatten der Realität bleibt. Einer Realität, die einige Kilometer weiter Kinder dem Tränengas aussetzt. Dort, an der Außengrenze der Idylle.

Bis 13.7., Mo/Fr 8.30-16, Di/Do bis 18, Fr bis 13 Uhr, Kleine Galerie, Michaelisstr. 1, Eberswalde

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2017 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG