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Richard Rabensaat 22.12.2016 19:28 Uhr

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Expedition ins Ungewisse

Potsdam (MOZ) Plötzlich stoppt die Bahn, und es ist Stille. Die Nacht zieht herauf. Es ist kein Weiterkommen. Auf der einzigen Bahnstrecke in Madagaskar steckt die alte Lokomotive tief im Schlamm fest. Die Reisenden stellen sich darauf ein, die Nacht im Zug zu verbringen. Klaus Fahlbusch kauft sich von einem Mitreisenden eine Banane, seine Wegzehrung für die 27 Stunden dauernde Fahrt, bei der er eine Strecke von 163 Kilometern zurücklegen wird. Die verlegten Schienen stammen noch aus der Kolonialzeit, als Madagaskar eine französische Kolonie war. Fotos der Reise von Fahlbusch sind derzeit im Wirtschafts- und Energieministerium in Potsdam zu sehen.

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Beeindruckend: Die Affenbrotbäume auf Madagaskar sind als Naturdenkmal geschützt.

© Klaus Fahlbusch

Früher bot die Insel eine tropische Fauna und Flora, die in ihrer Artenvielfalt einzigartig war. Auch heute ist davon noch einiges zu sehen, auch wenn der überwiegende Teil des Urwaldes zerstört und abgeholzt ist. "Madagaskar ist eine wunderschöne Insel," sagt Fahlbusch, der bei seiner fünfwöchigen Fotoreise das Land erkundet hat. Touristisch wenig erschlossen, sei die Insel vor Afrika noch eine Art Geheimtipp. Bilder von Sonnenuntergängen an Sandstränden, rustikalen Fischerbooten und lebhaften Märkten, auf denen sich bunt gekleidete Menschen tummeln, künden davon.

Sehr arm sei der Inselstaat mit seinen rund 24 Millionen Einwohnern. Als Fahlbusch sich an einer Bahnstation ein Stück Kuchen kauft, ist sogleich ein Junge zur Stelle, mit dem der Deutsche sein Gebäck teilt. Es kommen noch weitere Kumpane, schließlich kann Fahlbusch nicht anders, als dem Straßenhändler seine ganze Auslage abzukaufen und sie zu verteilen.

"Dort zu reisen ist ein Unternehmen, das ins Ungewisse führt", stellt der Fotograf fest. Denn viele Orte seien nur mit Kleinbussen zu erreichen, manche nur mit Schiffen, die an der Küsten entlang segeln und Orte ansteuern, zu denen keine Straße führt. Regelmäßigen Nah- oder Fernverkehr gebe es nicht. "Die Busse fahren, wenn sie voll sind. Tage vorher kann man sich einen Platz reservieren. Den notiert der Fahrer dann mit einem Stift in einer Schulkladde", beschreibt der Potsdamer das Streckenmanagement der recht löchrigen Infrastruktur. Es sei wenig ratsam, die Nacht im Bus oder auf freier Strecke zu verbringen. Er habe sich stets ein Zimmer gemietet, um Risiken zu minimieren.

Es sind die Unwägbarkeiten, die unvorhergesehenen Begegnungen und besonderen Situationen, die den gelernten Diplomingenieur Fahlbusch immer wieder zu langen Reisen in fremde Länder, abseits vom Massentourismus, veranlassen. Dabei erforscht er Welten, die nur wenige Touristen zu sehen bekommen. Yunnan, Hongkong, Myanmar oder Indien sind seine Reiseziele. Die Fotoexpeditionen dauern Wochen oder Monate und ermöglichen es dem Fotografen, Momente zu bannen, die von seltener Schönheit sind und nur durch eine besondere Sensibilität für den Ort und die Situation möglich werden und häufig langes Warten benötigen.

Stundenlang hat Fahlbusch an der Allée de Baobab auf Madagaskar gewartet. Die Straße mit den Affenbrotbäumen ist als Naturdenkmal geschützt, denn die sonderbaren Baobabs wachsen in dieser imposanten Größe nur auf Madagaskar. Ihre dickstielige Form mit einer spärlich geratenen Blätterkrone verdanken sie der Notwendigkeit, auf der regenarmen Insel gelegentlich lange Zeit viel Wasser speichern zu müssen. Bis zu 2000 Jahre können diese Bäume alt werden, wenn sie nicht vorher wegen des begehrten Tropenholzes abgeholzt werden.

Auch andere Pflanzen- und Tierarten verdanken ihr Bestehen der besonderen Insellage Madagaskars. Auf einem der Fotos von Fahlbusch schaut ein kleines Lemurenäffchen schüchtern in die Kamera. Die zurückgezogen lebenden Nachttiere sind wie viele der Besonderheiten der Insel von der Ausrottung bedroht. Forschungsprojekte in Deutschland bemühen sich derzeit, die Insel noch so lange zu erforschen, wie der Tourismus das abgelegene Paradies nicht entdeckt hat.

Die Menschen auf Madagaskar seien trotz des relativ geringen Lebensstandards nicht unglücklich, so Fahlbusch. "Sie haben kein Fernsehen und keinen westlichen Konsum vor Augen, der Vergleichsmaßstab ist nicht präsent", mutmaßt der Fotograf. Durch seine Fotoreisen hat er einen besonderen Blick und ein Gespür für Situationen entwickelt, die sich in Bildern niederschlagen, die einerseits von einer bestechenden Schönheit sind, andererseits aber auch eine Sensibilität des Beobachters zeigen, die nur durch Bereitschaft, sich auch auf Ungewöhnliches einzulassen, zu erreichen ist.

Bis 3.3.17, Mo-Fr 9-17 Uhr, Wirtschafts- und Energieministerium, Heinrich-Mann-Allee 107, Haus 2, Potsdam

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