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Peter Buske 01.01.2017 18:00 Uhr

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Freudenbotschaft zum Jahreswechsel

Frankfurt (Oder) (MOZ) Den Menschen die Botschaft zu verkünden, dass Freude und weltumspannende Brüderlichkeit keine Utopie bleiben müssen, ist Ludwig van Beethovens Sinfonie Nr. 9 mit dem Schlusschor über Schillers Ode "An die Freude" seit ihrer Uraufführung im Jahre 1824 visionäre Aufgabe. Doch hat sich seither etwas zum Besseren gewendet? Also glaubt und hofft die Menschheit Jahr für Jahr, dass es der Schöpfer droben schon richten werde, wie es in des Dichters Worten heißt. Dieses Bekenntnis-Opus erklang nun traditionsgerecht an den beiden Jahresendtagen in der Frankfurter Konzerthalle. Mit dem Brandenburgischen Staatsorchester, dem Großen Chor der Frankfurter Singakademie sowie einem Solistenquartett stehen Howard Griffiths bei der Aufführung der "Neunten" sehr erfahrene Mitstreiter zur Verfügung.

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Wie schon in den Jahren zuvor bevorzugt der Maestro auch diesmal wieder eine kämpferische, überaus tempozügige und konfliktwühlende Lesart. Erneut setzt er auf ein schlankes und analytisches Musizieren, das sich weitgehend des Vibratogebrauches entsagt. Dadurch entsteht mitunter eine leichte Sprödigkeit und unpassende Grelle. Seelenkuscheln hat da keine Chance. Und so erweist sich Griffiths' Deutung auch als eine Art von Traditionspflege.

Aus diffusem Schwebezustand entstehen im Kopfsatz brodelnde und zerstörerische Abgründe. Die Grundlage für gewaltige Energiesammlungen und -entladungen ist geschaffen. Da haben es die zaghaft knospenden Lyrikpflänzchen schwer, sich zu entfalten. Zumal immer wieder gewaltige Paukenattacken ihr Wachstum hindern. Auch im virtuos und furios vorüberhuschenden Scherzo suchen sie das bläserische Raffinement von Holz und Hörnern immer wieder zu stören. Danach nehmen Chor und Solisten ihre Plätze ein.

Das nachfolgende Adagio präsentiert sich voller unsentimentaler Heiterkeit. Dann wird es spannend, wie Griffiths die Freudenmelodie entstehen lässt. Hoffnungsvoll schwingt sie sich auf, um im erneuten Chaos-Einbruch wieder abzustürzen. Was zu der logischen Bass-Aufforderung "O Freunde, nicht diese Töne" führt, die Rainer Scheerer kraftvoll anstimmt. Seiner "Freude"-Aufforderung kommt die Singakademie mit machtvoll-souveränem Gesang nach. Jubilierend und textverständlich betritt sie das Heiligtum, kann sich aber im Höhenrausch einer schrillen Ekstase nicht enthalten.

Durchschlagskräftig eilt Daniel Sans als Tenorheld zum Siegen, während Eva Oltiványi (Sopran) und Saskia Klumpp (Alt) dazu beitragen, dass sich das Quartett nach ätherischem Aufenthalt im Sternenzelt schließlich in die hemmungslose "Götterfunken"-Euphorie steigern kann. Dem lieb gewordenen Jahresendritual dankt anhaltender Jubel.

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