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Johanna von Koczian glänzt in "Glorious"

Berlin (DPA) Jede absichtlich falsch gesungene Note müsste Johanna von Koczian eigentlich in den Ohren schmerzen. Doch die ausgebildete Sopranistin spielt die „schlechteste Opernsängerin der Welt“ Florence Foster Jenkins in Peter Quilters Komödie „Glorious!“ mit entwaffnender Naivität und viel Herz. Für ihr schrilles Kreischen und die japsenden Koloraturen erntete sie bei der Premiere in der Berliner Komödie am Kurfürstendamm am Sonntagabend Lachsalven und Szenenapplaus.

Das Stück erzählt - basierend auf einer wahren Geschichte - von der exzentrischen Millionärin Florence Foster Jenkins, die in den 40er Jahren trotz fehlenden Talents Solokonzerte gibt und Platten aufnimmt. Überzeugt von ihrer Kunst ignoriert sie alle Kritiker und avanciert zu einem Star der New Yorker High Society.

In der Inszenierung von Regisseur Martin Woelffer glänzt von Koczian in der Rolle der schrillen Nachtigall dank ihrer umwerfenden Bühnenpräsenz. Das schauspielerische Multitalent, dessen Repertoire vom Klassiker über den „Tatort“ bis zum Boulevardstück reicht, spielt die Erfahrung von mehr als einem halben Jahrhundert auf der Bühne voll aus. In glitzernden Gewändern und mit vollem Stimmeinsatz quäkt sich die 77-Jährige durch die großen Opernarien. Und weil die beliebte Schauspielerin mit „Das bisschen Haushalt“ einen der größten Ohrwürmer der 70er Jahre hatte, kann das Publikum gefahrlos bei jedem absichtlich falschen Ton laut auflachen.

Begleitet wird von Koczian von Horst Maria Merz, der den Pianisten Cosme McMoon als herrlich zynischen Kommentator gibt. Zunächst flüchtet der junge Musiker zwar noch von seinem Klavierhocker, als er das Quietschen der Möchtegern-Operndiva bei der Gilda-Arie aus „Rigoletto“ hört. Bald jedoch kann er sich dem Charme von Madame Jenkins nicht mehr entziehen und bleibt ihr treu. Witzige Kurzauftritte hat Darinka Ezeta Batres, die als mexikanische Hausangestellte Maria ausschließlich auf Spanisch schimpft, temperamentvoll den Servierwagen umherschiebt und auch mal ein Hühnchen auf der Bühne rupft.

Beim schrecklich schönen Finale erfüllt sich die „First Lady der gleitenden Tonleiter“ ihren Lebenstraum: Sie gibt ein schon Wochen vorher ausverkauftes Konzert in der Carnegie Hall. „Wenn sich der zarte Duft der Blumen mit den zarten Kadenzen meiner Stimme vereinen, dann steigert das den Kunstgenuss ungemein“, ist sie überzeugt. Wenn Johanna von Koczian dann voller Hingabe die „Rache“-Arie der Königin der Nacht aus Mozarts „Die Zauberflöte“ kreischt, werden die Lachtränen des Publikums tatsächlich zu Tränen der Rührung.

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