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Heinz Kahlau wird 80

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04.02.2011, 17:16 Uhr - Aktualisiert 04.02.2011, 19:43
Frankfurt (Oder) (In House) Als Versemacher bezeichnete sich Heinz Kahlau einmal selbst und in seinem Gedicht „Bitte um Nachsicht“ heißt es: „Ich kann nur ganz einfache Sachen sagen“. Eitelkeit liegt Heinz Kahlau, einem der meist gelesenen deutschen Dichter, fern. An diesem Sonntag feiert Kahlau, der heute auf Usedom lebt, seinen 80. Geburtstag. In Millionen von Haushalten, vor allem in Ostdeutschland, wurden und werden seine Gedichte gelesen, die mittlerweile 20 Bände füllen. Zuletzt gab der Aufbau Verlag 2005 eine Gesamtausgabe unter dem Titel „Sämtliche Gedichte und andere Werke“ heraus. Mehreren Generationen spendeten Kahlaus Verse Trost, allen voran jene, die von seinem Lieblingsthema, der Liebe, handeln.

250 000 Mal verkaufte sich der Anfang der 1970er-Jahre ebenfalls im Berliner Aufbau Verlag erschienene Band „Du“, der mehrere Auflagen erlebte. Er wurde ein Bestseller und vielen ein Lebensratgeber. 1931 in Drewitz bei Potsdam geboren, kam Heinz Kahlau über die Ringelnatz-Lektüre zum Dichten. Der junge Mann, der zunächst als Elektriker und Drechsler arbeitete, ging nach Berlin und studierte an der Berliner Akademie der Künste. Bertolt Brecht, der den 22-Jährigen 1953 ans Berliner Ensemble holte und ihn im Fach Dramatik zu seinem Meisterschüler machte, prägte Kahlau in seinem Schaffen besonders. Kinderbücher, Theaterstücke und Filmszenarien entstanden. So schrieb er etwa das Storyboard für die Defa-Produktion „Auf der Sonnenseite“ (1962) mit Marita Böhme und Manfred Krug.

Mit seinen Vorstellungen von einem menschenfreundlichen Sozialismus, die in seine Gedichte einflossen, geriet er ins Visier der SED-Führung. Nach dem Mauerbau wiederum irritierten seine Agitprop-Verse und seine Verpflichtung als IM der Stasi zwischen 1957 und 1964, die er als einer der ersten ostdeutschen Autoren nach der Wende öffentlich machte. Unter Druck, berichtete er, unterzeichnete er die Verpflichtung. Bereits 1948 hatte er aus politischen Gründen in Untersuchungshaft gesessen. „Ich wusste, Bautzen überstehe ich nicht“, sagte Kahlau einmal. Um die Stasi-Aktivitäten unter Literaten mit aufzuklären, trat er nach dem Mauerfall einer gesamtdeutschen Kommission bei.

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