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Andrea Weil 24.06.2011 18:22 Uhr

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Bilder zeigen afghanische Frauen auf dem Sportplatz

Berlin (moz) Das Fußballtraining hatte gerade begonnen und Fotografin Lela Ahmadzai war mittendrin. Die afghanischen Spielerinnen passten sich auf dem buckligen Rasenplatz die Bälle zu, Trainer Wahidullah Wahedi rief Anweisungen. Da kamen Soldaten auf das Feld gestürmt: „Geht weg! Kamera aus!“ Lela Ahmadzai war verwirrt, doch die Fußballerinnen wussten, was zu tun war. Sie nahmen die Berlinerin in die Mitte, zogen sich auf die Tribüne zurück und rieten ihr, keine hastigen Bewegungen zu machen. Staub wirbelte auf, setzte sich in den Haaren und auf der Kameralinse fest, als zwei Militärhubschrauber landeten. Etwa eineinhalb Stunden später konnte das Training fortgesetzt werden – doch niemand beschwerte sich.

  Der Fußballplatz ist eine Buckelpiste, die Anreise dauert Stunden, doch für den geliebten Sport nimmt die afghanische Frauenfußball-Mannschaft all das in Kauf. © Lela Ahmadzai

„Das ist mir in Erinnerung geblieben, noch nie habe ich Hubschrauber so bedrohlich erlebt“, sagt Lela Ahmadzai, als sie von ihren Erlebnissen in Kabul erzählt. Ihre Fotoausstellung „A Woman’s Goal – Die afghanische Frauenfußball-Nationalmannschaft“ ist vom 27. Juni bis 3. Juli im Willy-Kressmann-Stadion in Berlin-Kreuzberg zu sehen. Dann findet das Frauenfußball-Festival „Discover Football 2011“ statt, zu dem auch die afghanischen Fußballfrauen anreisen wollen, wenn es die Umstände zulassen.

Die Fotografin ist selbst in Kabul geboren, konnte sich mit den Spielerinnen in ihrer Sprache verständigen. Dafür haben die Fußballerinnen sie ganz nah an sich herangelassen, ihr die Tür zu ihrem Zuhause, ihrer Umkleidekabine und zu ihrem Innersten geöffnet. Die Bilder zeigen die jungen Frauen in dem Spannungsfeld zwischen traditionellem Familienleben und Einsatz auf dem Sportplatz. Sie fangen die Energie ein, mit der die Frauen ihr Leben angehen, ihre schlichte Begeisterung an dem Spiel.

Die Fotos und der ergänzende Film, den Lela Ahmadzai mit Unterstützung der Berliner Agentur 2470media gedreht hat, dokumentieren auch den bis zu drei Stunden langen Weg zum Trainingsplatz. Aus Angst vor Anschlägen extremistischer Frauenfußball-Gegner liegt dieser auf dem Militärgelände der Internationalen Sicherheitsunterstützungstruppe (IASF). „In der Zeit der Taliban gab es viele Rückschritte, was Frauenrechte betrifft“, sagt Lela Ahmadzai. „Frauen dürfen in den Augen mancher Männer nichts führen – kein Fahrrad und auch keinen Ball.“

Lela Ahmadzai war 15 Jahre alt, als ihre Familie Afghanistan verließ. 1991 war ihrem Vater, einem Journalisten, klar, dass sich die sowjetische Besatzungsmacht nicht mehr lange gegen die von der USA unterstützten islamischen Unabhängigkeitskämpfer würde halten können. Um seiner Tochter eine Bildung bieten zu können, die unter der neuen 
Taliban-Regierung nicht möglich gewesen wäre, wanderte die Familie aus. 1993 kam sie schließlich nach Deutschland, wo Lela Ahmadzai zunächst Produkt-
design, später Medien, Informationen und Design in Hannover studierte.

Doch das Schicksal der Frauen in ihrem Heimatland ließ Lela Ahmadzai nicht los – und sie möchte die Fortschritte der vergangenen Jahre dokumentieren, das sei alleine schon „für meine persönliche Entwicklung wichtig“. 2008 interviewte sie für ihre Masterarbeit Frauen in Führungspositionen – die alle vor der Kamera eine Burka trugen. „Die Fußballerinnen zeigen ihr Gesicht, sie sind tapfere Frauen und ein Symbol für ein neues Selbstwertgefühl, eine neue Lebensqualität“, sagt Lela Ahmadzai. Jede der Fußballerinnen werde von ihrer Familie voll unterstützt, die froh sind über deren Vorbildrolle.

Nicht zuletzt soll ihre Ausstellung auch dazu beitragen, den Deutschen ein Stück des wahren Afghanistan zu zeigen. Trotz des Schreckens über die neuen fremden Mächte im Land lebten dort Menschen, die eine Struktur schaffen und weiterkommen wollten. „Es gibt nicht nur Krieg und Chaos, sondern auch Menschen, die einfach gerne leben“, sagt Lela Ahmadzai.

Die Ausstellung „A Woman’s Goal“ ist vom 27. Juni bis 3. Juli parallel zum Festival geöffnet zwischen 13 und 23 Uhr, Willy-Kressmann-Stadion, Dudenstr. 40–64, Berlin-Kreuzberg.

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