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Das Flaggschiff des Kunstherbstes

Eberhard Havekost
Eberhard Havekost © Foto: dpa
Richard Rabensaat / 09.09.2011, 11:27 Uhr
Berlin (MOZ) „Von der Malerei“ will die „ABC Art Berlin Contemporary“ künden. Angestrebt sei ein Dialog über das Medium der Malerei. Erst in zweiter Linie gehe es um Bilder auf Leinwand, Holz oder anderen Materialien, verkünden die Ausstellungsmacher der nun größten Kunstmesse in Berlin. Nachdem das Artforum im Frühjahr seine Pforten auf dem Messegelände am Funkturm geschlossen hat, verbleibt die ABC als Flaggschiff des Berliner Kunstherbstes. Hinzu gesellen sich die „Berliner Liste“, die „Preview“ und der „Berliner Kunstsalon“.

Entsprechend dem betont diskursorientierten Konzept ist die ABC nicht gemäß der ausstellenden Galerien gegliedert. Sie zeigt künstlerische Einzelpositionen. Vertreten sind bekannte Namen wie Rineke Dijkstra, Katharina Grosse,Thomas Hirschhorn und Eberhard Havekost aber auch weniger bekannte wie Gedi Sibony oder Lucie Stahl. Ausstellungsgebäude ist der ehemalige Postbahnhof Gleisdreieck. Hierfür hat ein Zusammenschluss aus Galeristen, zusammen mit der „kuratorischen Unterstützung“ von Rita Kersting und Marc Glöde, zunächst die Künstler ausgewählt und ist dann an deren Galerien heran getreten. So zeigen 125 internationale und nationale Galerien Arbeiten von 130 Künstlern. „Die meisten Galeristen sind angereist und bleiben bis zum Ende der Ausstellung“, betont Kersting. Genaue Angaben dazu, ob und wie viele internationale Sammler eingeladen worden sind oder anreisen, macht sie nicht.

Auf der ABC gibt es dieses Jahr eine recht vielgestaltige Auseinandersetzung mit der Malerei zu bestaunen. Zu sehen sind ästhetisch ansprechende Lackmalereien von Andre Thomkins ebenso wie die verschachtelten Bildwelten von Anna Oppermanns. Auffällig ist der weitgehende Verzicht auf klassische illusionistische Bildwelten wie sie Neo Rauch und andere Maler der „neuen Leipziger Schule“ in den letzten Jahren vorgeführt haben. „Wir wollten einen Diskurs über das Medium und nicht die Vorführung von Virtuosentum“, kommentiert Marc Glöde. So ist eine großzügige Schau mit weitgehend intellektuell angelegten Arbeiten entstanden. Einen eher ästhetisch orientierten Kontrapunkt setzen beispielsweise Matthias Weischer oder Per Kirkeby, die in bekannter Weise als versierte Vollblutmaler auftreten.

Ob der Mix aus Experiment und Establishment genügen wird, um das Artforum zu ersetzen, kann bezweifelt werden. Immerhin wurde das Artforum international wahrgenommen und hatte sich innerhalb des globalen Messezirkus eine ganz eigene Position erarbeitet. Die ABC dagegen versucht an den kommerziellen Erfolg des „Galery Week-End“, das im Frühjahr in Berlin stattfindet, anzuknüpfen. Fraglich ist, ob die eher unklare Positionierung internationale Strahlkraft entfaltet, selbst wenn Berliner Publikum die Hallen füllt. Um international weithin sichtbare Werbung zu schalten und die Strahlkraft der ABC zu erhöhen, fehlte den Veranstaltern schlicht das Budget, gestehen die Organisatoren.

Der zu neuem Leben erweckte Kunstsalon überzeugt dagegen mit einem lockeren, verspielten Ausstellungskonzept, dessen einziges Manko seine augenscheinliche Sexbesessenheit ist. Starke Konkurrenz könnte der ABC durch die Berliner Liste erwachsen, die mit den Ausstellungsräumen in der ehemaligen Trafostation des Heizkraftwerk Mitte punktet.

ABC Art Berlin Contemporary; Luckenwalder Strasse 4-6, Berlin-Kreuzberg, bis zum 11. September, Tageskarte 8 Euro

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