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Janet Neiser 08.12.2011 20:36 Uhr - Aktualisiert 16.03.2015 17:43 Uhr

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Tom Hanks schaut sich in Eisenhüttenstadt um

Eisenhüttenstadt (MOZ) "Alle Amerikaner wollen nach Eisenhüttenstadt kommen." Was für eine verbale Streicheleinheit für eine Stadt, die von Abriss und Einwohnerschwund gebeutelt ist! Zumal dieser Satz nicht etwa von irgendeinem amerikanischen Reisenden stammt, sondern von einem echten Hollywoodstar und doppelten Oscar-Preisträger. Tom Hanks höchstpersönlich ist am Donnerstag in der Stahlstadt gewesen.

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Nicht etwa offiziell, nicht wegen seiner aktuellen Dreharbeiten für den Film "Cloud Atlas" ("Wolkenatlas"), nein: "Ich bin nur als Tourist hier", erzählt er - eingemummelt in Schal und mit Wollmütze, leicht verschnupft, aber mit einem warmen Lächeln. Der 55-Jährige hat sich mal eben die erste sozialistische Stadt auf deutschem Boden angesehen. Zwei Stunden lang ist er mit drei Bekannten und einem Stadtführer durch das wohl größte Flächendenkmal Europas gelaufen - und völlig unerkannt geblieben. Bis jetzt. Mittlerweile hat sich herumgesprochen, dass Tom Hanks in "Hüttentown" ist, wie die Einheimischen gern sagen.

"So hätte ich mir den nie vorgestellt, nicht mit Strickmütze und Brille", gibt Henriette Herrmann zu. Die 15-Jährige ist aufgrund des Medienauflaufes einfach mal stehengeblieben und nun völlig baff. "Ich hab' gerade Tom Hanks gesehen", flüstert sie später immer wieder ungläubig. "Dass der so nah an die Leute rangeht, das ist schon toll", findet auch Carola Lemke, die den Star zwischen all den Kameras und Mikrofonen erspäht hat.

Dort erzählt er, dass er die historischen Ursprünge der Stadt, die bis 1961 Stalinstadt hieß, so interessant fand. Die Geschichte hat ihn einfach gepackt. Und da er sich gerade in Berlin aufhält, was liegt da näher als ein Abstecher nach Ostbrandenburg? "Ich bin fasziniert von dem Konzept der Stadtplanung", sagt er. "Und ich mag vor allem die Häuser, die noch ihre Originalfarbe haben." Vom Stadtführer, der bis 14 Uhr gar nicht wusste, dass er gleich mit einem Weltstar durch die ersten Wohnkomplexe der Stadt spaziert, ist zu erfahren, dass der Schauspieler viele Fotos gemacht hat. "Er war sehr interessiert, wollte sogar in eine alte Wohnung, aber das ging so schnell leider nicht", entschuldigt sich Eberhard Harz. "Aber wir haben zum Glück noch einen Hausaufgang erwischt, wo die alten Mieterverzeichnisse hingen."

Tom Hanks jedenfalls ist sichtlich angetan. "Großartig" rutscht sogar über seine Lippen, als er vom Rundgang berichtet. Der Bürgermeisterin - dem Amerikaner flutscht als einziges deutsches Wort "Bürger-Meister" aus dem Mund - habe er im Rathaus auch bestätigt, dass es eine "schöne Stadt" ist. "Wir sagten ein paar nette Sachen, sie gab mir ein Buch und dann haben wir über Politik und den Euro diskutiert." Ah ja! Doch bevor man nachfragen kann, setzt er sein "Forrest-Gump"-Lächeln auf und sagt: "Nein, darüber haben wir natürlich nicht gesprochen." Die Zeit war auch gar nicht da. Sonst hätten ihm die Minuten in einem Café gefehlt, in dem er wohl erstmals in seinem Leben einen Christstollen probiert. "Aber ich glaube, der war ihm zu süß", verrät Stadtführer Eberhard Harz später. Und der Kaffee war offensichtlich zu stark, denn dazu gab es noch ein extra Glas Milch.

"Wenn jemand 1966 zu mir gesagt hätte, dass ich heute hier sein würde, dann hätte ich gesagt: ,Du träumst'". Hanks holt kurz Luft. "Aber die Welt hat sich verändert und jetzt sind wir hier." Träumen werden die Mitarbeiterinnen der Tourismusinformation mit Sicherheit lange von diesem Donnerstag. Sie waren es, die die Stadtführung kurzfristig organisiert haben. "Das war alles ganz unspektakulär", erzählt die Leiterin Kathrin Henck. Erst früh hatte sie erfahren, dass eine der zwei Personen, die die Tour für 50 Euro gebucht hatten, Tom Hanks sein soll. "Ich hab' gedacht, das ist ein Scherz." Doch dann stand der Hollywoodstar pünktlich um 14 Uhr vor ihr. "Als er seine Brille abgenommen hat, habe ich ihn sofort erkannt. Und er winkte den Mädels ganz nett zu."

Und weil er so nett ist, verschwindet auch der Strafzettel wegen der fehlenden Parkscheibe von seinem weißen Transporter wieder ganz schnell. Davon bekommt Tom Hanks gar nichts mit, am späten Nachmittag düst er nach Berlin zurück. "Etwa in einer Woche geht es zurück nach Los Angeles", sagt er noch, steigt ins Auto und verschwindet so schnell, wie er gekommen war. Den Eisenhüttenstädtern hat er mit seinem Besuch ein großes Geschenk gemacht. Wie sagte Forrest Gump einst? "Das Leben ist wie eine Pralinenschachtel - man weiß nie, was man bekommen wird."

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