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Stephanie Lubasch 19.01.2012 21:51 Uhr

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Künstlerin Cornelia Schlemmer ist in der Frankfurter Galerie B zu Gast

Frankfurt (Oder) (MOZ) Eigentlich hatte sie die Holzpantinen beim Arbeiten tragen wollen - hier, in der Frankfurter Galerie?B, wo Cornelia Schlemmer vor gut einer Woche ihre Zelte aufgeschlagen hat. Fürs lange Stehen an der Staffelei aber haben sie sich dann doch nicht geeignet. Stattdessen sind die Schuhe nun selbst zum Kunstobjekt geworden, thronen bunt bemalt auf einem Podest. Ob sie bis zur Finissage noch so aussehen werden, ist allerdings ungewiss. An manche Arbeiten, verrät Cornelia Schlemmer, legt sie nämlich gern wiederholt Hand an. Und die Pantinen könnten ohne Frage so eine Arbeit sein...

  © Dietmar Horn/MOZ

Es ist die unbändige Lust am Malen, am Gestalten, die die gebürtige Rostockerin, Jahrgang 1969, umtreibt. Schon als Kind, berichtet sie, sei kaum eine freie Fläche vor ihr sicher gewesen, bis die Eltern kurzerhand eine Kinderzimmerwand "frei" gaben. Heute tobt sich Cornelia Schlemmer, die nach dem Abitur in Strausberg (Märkisch-Oderland) ihr Handwerk an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee gelernt hat, eher auf Papier und Leinwand aus. Für Frankfurt, wo sie sich jetzt im Rahmen der Reihe "Regenerativverfahren" beim Malen über die Schulter schauen lässt, hat sie unter dem Titel "Grenzgänger" einen kleinen Querschnitt aus ihrem Schaffen eingepackt - Acryl-Arbeiten vor allem und Druckgrafiken. Einzelne Blätter aus ihrer Lithografie-Serie "Georg" zum Beispiel, zu der sie der fotografische Nachlass ihres Großvaters inspirierte.

Es sind Alltagsbilder - eine Autofahrt, Wäsche, die im Wind flattert -, die Cornelia Schlemmer zur Grundlage genommen, sie verfremdet, zum Teil dekorativ ausgeschmückt hat: ein Mann und eine Kuh vor Bergkulisse ("Besondere Begegnung"), ein Lastwagen, der in einen Graben gerutscht zu sein scheint ("Curiosity killed the cat"). Momentaufnahmen aus der Lebensgeschichte ihres Großvaters, die, wie sie feststellen konnte, bei vielen das Gefühl hervorrufen, solche Situationen ebenfalls schon erlebt zu haben. Über Kunst das Private zu etwas Allgemeingültigem zu machen - der Gedanke gefällt Cornelia Schlemmer.

Auf Fotografien greift die Künstlerin, die sich seit Jahren auch an der Ausschreibung um den Brandenburgischen Kunstpreis der Märkischen Oderzeitung beteiligt, immer wieder gern zurück. Ist sie unterwegs, fehlen Kamera und Skizzenbuch nur selten. "Ich bin eine Sammlerin", gesteht sie lächelnd. "Für mich ist die ganze Welt voller Bilder." Was nicht mit Stift oder Foto festgehalten wird, speichert sie im Kopf - manchmal kann es ein Jahr und länger dauern, bevor daraus die Idee zu einem Kunstwerk wird. In Frankfurt ging es jetzt schon mal schneller: Dort haben es ihr die Fliesen im Gebäude der alten Hauptpost angetan. Nach ihrem Muster hat sie Schablonen angefertigt, damit unter anderem Servietten und Papiertüten bedruckt.

Cornelia Schlemmer mag es, sich durch die Oderstadt treiben zu lassen, zu sehen "was sie mit mir macht". "Ich schaue, was kommt", sagt sie - und freut sich vor allem auch, mal drei Wochen mit sich "in Klausur" zu sein. Zu Hause in Berlin heißt es für die dreifache Mutter, die Zeit für die Kunst gut zu organisieren - noch dazu neben ihren anderen Jobs, zum Beispiel als freie Illustratorin und in einer Jugendkunstschule, wo sie mit Schulklassen Druckworkshops macht.

Kindern und Jugendlichen zu zeigen, was Kunst sein kann, wie viel Kreativität in ihnen selbst steckt: Das könnte sich Cornelia Schlemmer auch für ihre Zeit in Frankfurt vorstellen. Und hofft, dass der ein oder andere Kunsterziehungslehrer in der nächsten Woche mit seiner Klasse vorbei schaut. Gern erklärt sie dann, wie man eine Druckgrafik anfertigt, was sie zu der Lithografie "Solvejgs Traum" inspirierte oder was für sie überhaupt das Schönste an ihrer Arbeit ist: "Ich habe einfach ganz viel Spaß daran!"

Bis 2. Februar, Di-Fr 14-18 Uhr oder nach Voranmeldung, Finissage am 2.2., 19.30 Uhr, Galerie B, Lindenstraße 4, Frankfurt (Oder), Tel. 0335 23367

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