Sonntag, 21. Dezember 2014
teaser_weihnachtsraetser
ABO-ButtonABO-ButtonABO-Button



Brandenburgischer Kunstpreis der Märkischen Oderzeitung preistraeger foto_video bewerbung jury

Stephanie Lubasch 10.04.2012 13:34 Uhr - Aktualisiert 10.04.2012 14:23 Uhr

kultur/kunstpreis/kunstpreis/dg/0/

Verliebt in Toskana des Ostens

Boitzenburg (MOZ) Die Märkische Oderzeitung und die Stiftung Schloss Neuhardenberg verleihen auch in diesem Jahr den Brandenburgischen Kunstpreis. Im Vorfeld stellt die Märkische Oderzeitung Brandenburger Künstler vor:

kultur/kunstpreis/kunstpreis/dg/0/1/1016555/

Zwischen ausgedehnten Weinbergen und Olivenhainen liegen Weiler und vereinzelt auch Bauernhäuser. Vor allem aber prägt eine selbst für die weite Brandenburger Landschaft ungeahnte Weite die Toskana. In ihrem Herzen liegt Siena, aber nicht diese in ständigem Wettbewerb mit der Metropole Florenz befindliche Region interessierte Monika Brachmann, als sie sich aus dem Leben in der „Frontstadt Berlin“ herausnahm und ab Ende der 1970er-Jahre jeweils zu mehrwöchigen Arbeitsaufenthalten nach Italien aufbrach.

Einerseits wollte sie jenseits der eingemauerten Hälfte der deutschen Metropole ihren Ort finden. Aber sie suchte auch nach Jahren, in denen vor allem Porträts und Stillleben entstanden sind, eine neue künstlerische Herausforderung, die ihr der begrenzte Lebensraum in Westberlin nicht mehr bot. Geboren 1944 im pommerschen Arnswalde und aufgewachsen im Berliner Arbeiterbezirk Wedding, hat Monika Brachmann beharrlich ihren eigenen Weg zur Kunst gesucht und gefunden.

Zu ihrem Glück entschied ihr Großvater, dass sie das Zeug dazu hätte, sich zur Bildhauerin ausbilden zu lassen. Das war eine entschiedene Behauptung gegen die sorgenvoll begründete Überzeugung ihrer Mutter, die Tochter solle einen „ordentlichen Beruf“ lernen. Das tat diese dann auch. Monika Brachmann besuchte ab 1960 die Handelsschule und landete für mehrere Jahre bei der Post. Dass ihre künstlerischen Ambitionen nicht nur jugendliche Schwärmerei waren, erwies sich, indem sie Fernkurse belegte, sich autodidaktisch weiterbildete.

Als sie mit 20 Jahren heiratete, bedeutete das für sie keine Abkehr von der Kunst. Auch hier war es ein Glück, dass ihr Mann ihre Begabung erkannte, förderte und sie ermunterte, der abgesicherten Beamtenlaufbahn Ade zu sagen und mit 24 Jahren ein Kunststudium aufzunehmen. Sie nutzte diese Gelegenheit und bildete sich akribisch in verschiedenen grafischen Techniken, im Akt- und Porträtzeichnen aus.

Dieser Neubeginn fand unter dem Einfluss der Studentenbewegung jener Jahre statt und so mit der Politisierung der Kunst. Für Monika Brachmann durchaus eine vertraute Situation, denn ihr Großvater, ein Urberliner und bereits früh aktives SPD-Mitglied, nahm sie schon als Kind mit zu den Mai-Demonstrationen. Und er vermittelte ihr ein Gespür für soziale Konflikte in der Gesellschaft.

Sie engagierte sich für die hochschulpolitische Arbeit, gehörte der Künstlergruppe „Rote Nelke“ an, die politische Probleme in kollektiver künstlerischer Arbeit ausdrückte. Gemeinsam malten sie Bilder, fertigten Collagen, Fotomontagen und gestalteten Texte für Ausstellungen. Und doch wusste Monika Brachmann, sich bei allem gesellschaftlichen Engagement von Agitpropkunst fernzuhalten.

Nach ihrem Grafikstudium belegte sie ab 1972 für vier Jahre eine Malerei-Ausbildung an der Hochschule für bildende Künste (HfbK) in Berlin und wurde Meisterschülerin von Hermann Bachmann. Eine wichtige Erfahrung für die junge Künstlerin. Die Herkunft des 1922 in Halle

Saale geborenen Malers wurde für Monika Brachmann prägend, weil Bachmanns Kontakte zu Künstlern wie Max Pechstein, Karl Hofer, Waldemar Grzimek und Willi Sitte für sie eine entscheidende Rolle spielten.

Von Bachmann, der 1953 nach Westberlin übergesiedelt war, erfuhr Monika Brachmann nicht nur Ermunterung und Förderung, er gab der jungen Malerin ein Fundament, indem er sie auf Verbindungslinien zwischen ihren Arbeiten und denen von Cezanne und Manet hinwies. Unter Berufung auf ihren Lehrer legte sie Wert darauf, dass „der Blick nicht allein auf die letzten Jahrzehnte gerichtet sein darf, sondern immer auch auf die vorhergehenden Jahrhunderte“. Damit bekennt sich Monika Brachmann auch zu ihren Vorbildern Rembrandt und Gabriel Gervais Chardin – dem Holländer als bedeutenden Menschendarsteller und dem Franzosen als einen Meister des Stilllebens.

Bleibt der Sehnsuchtsort Toskana. Die mittelitalienische Landschaft war seit jeher der Traum für Maler aus aller Welt. Schriftsteller wie Heinrich Heine, Henry James, Lord Byron, Thomas Mann und Hermann Hesse waren dort.

Monika Brachmanns leuchtende Farbpalette zeichnet in klaren, flächig eingesetzten Farben scheinbar unwirkliche Landschaften. Längst muss sie nicht mehr nach Italien fahren, um die schlichten Hügel, Felder, Alleen und Seen zu finden. Sofort nach dem Mauerfall ist die Berlinerin aufgebrochen, das ihr unbekannte Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern zu erkunden. Im Boitzenburger Land hat sie ihr Refugium entdeckt. Inzwischen ist die Uckermark ihr Heimat geworden, sie formt daraus Bilder mit weiten Feldern und großen Himmeln, von einem ländlichen Arkadien mit prachtvollen Alleen und einem Boden, der reich mit Seen, Raps und anderem leuchtendem Pflanzenwuchs ausgestattet ist.

Die Bildmotive Monika Brachmanns mit Baumfigurinen, Wolkenschiffen, endlos erscheinenden Feldern und versteckten Häusern in sanft hügeligen Landstreifen zeigen beim zweiten Blick auch, wie diese Idylle und die der Alleebäume eine besondere Aufmerksamkeit fordern. Toskana und Uckermark – selten sind Vergleiche dieser Art so unentschieden ausgefallen.

Und so gilt weiterhin der überwältigende Spruch Monika Brachmanns, dass „die Uckermark die Toskana des Ostens“ sei. Er rechtfertigt aber in jedem Falle die Idee, dass der Künstlerin in ihrer Wahlheimat Boitzenburger Land ein Denkmal zu setzen wäre.

 

Artikel empfehlen

Artikel kommentieren

Lesezeichen setzen

Seite empfehlen

Nachricht an die Redaktion

Druckversion

Lesen Sie auch...

Regionalnavigator

Landkreiskarte Brandenburg Ostprignitz-Ruppin Potsdam-Mittelmark Brandenburg/Havel

Ort, PLZ oder Redaktion

entertainment , moz , '+articlekeys+'; ,

Neueste Kommentare

21.12.2014 16:30:24 Der alte Fritz

@Der Sepp

21.12.2014 16:11:59 vollhonk

Pegida wird in einem Jahr verschwunden sein

21.12.2014 16:09:57 Gerald Winkler

@Marco Habeck

21.12.2014 16:00:05 Tierschützer

@Besorgter Bürger:

21.12.2014 15:45:59 Der Sepp, ehemals Brandenburger

Der Innenminister hat Recht,..

Regional

© 2014 moz.de Märkisches Verlags- und Druckhaus GmbH & Co. KG