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Live-Berichte über «Irma»: «Sinnlose Selbstgefährdung»

Reporter waten in Miami bei der Ankunft des Hurrikans «Irma» in Florida durch eine überflutete Straße.
Reporter waten in Miami bei der Ankunft des Hurrikans «Irma» in Florida durch eine überflutete Straße. © Foto: Wilfredo Lee/AP/dpa
dpa-infocom / 12.09.2017, 10:59 Uhr - Aktualisiert 11.09.2017, 18:12
Miami/Tübingen (dpa) Live-Berichte über den Hurrikan «Irma» mit im Sturm stehenden Reportern vor allem von US-Fernsehsendern haben einige Kritik hervorgerufen.

«Eine solche Berichterstattung besitzt keinerlei Informationswert, sondern zeigt nur, dass die Kriterien des Spektakel-Fernsehens die Katastrophenberichterstattung erreicht haben», sagte Bernhard Pörksen, Professor für Medienwissenschaft an der Uni Tübingen, auf dpa-Anfrage am .

«Man kann die von Wind und Wetter zerzausten Reporter, die hier die Helden spielen, kaum hören, sieht nur mitunter ein von Schmerz und Schock verzerrtes Gesicht - und erkennt, dass ein Hurrikan tobt. Aber das war schon zuvor bekannt. Kurzum: Das ist eine sinnlose Selbstgefährdung, schlechtes, gefährliches Reality-TV», kritisierte Pörksen.

Ähnlich lautet die Kritik von Prof. Martin Löffelholz, Direktor des Instituts für Medien und Kommunikationswissenschaft der TU Ilmenau: «Wenn sich Reporter wegen eines Hurrikans in Lebensgefahr begeben, dient das ausschließlich einem durchkommerzialisierten Mediensystem.» Es helfe niemandem - außer dem Profitinteresse ihres Senders und ihrem persönlichen Traum, als Reporter bekannter zu werden.

Reporter unterliefen mit dieser Art von Extremberichterstattung die Warnungen der Regierungen und ermutigen vielleicht sogar zukünftige Hurrikantouristen, warnt Löffelholz. «Die Berichterstattung über Hurrikane hat nichts gemein mit klassischer Kriegs- und Krisenberichterstattung, bei der Journalisten als Augenzeugen vor Ort tatsächlich oftmals wichtig sind.»

Unter anderem hatte der US-Sender CNN am Sonntag zahlreiche Reporter in ganz Florida postiert. Sie berichteten in Regen-Outfits teils mitten aus dem Sturm. In manchen Fällen waren sie wegen starker Windgeräusche kaum zu verstehen und wegen verregneter Kameraobjektive auch schlecht zu sehen. Sie berichteten aus umtosten Häfen und von Strandpromenaden, neben entwurzelten Bäumen und umgestürzten Verkehrsschildern, aus menschenleeren Städten und inmitten überfluteter Straßenkreuzungen. Ein Reporter in Miami trug zum Schutz gegen die Wassermassen eine Skibrille.

Diskussionen gab es nicht zuletzt in den sozialen Medien auch über die Berichterstattung in Deutschland, etwa in der «Tagesschau», in der der USA-Korrespondent Jan Philipp Burgard vor bedrohlich wirkender Kulisse und im Dauerregen aus Miami während des Sturms berichtete.

Burgard selbst nahm am Montag zu den Sorgen um seine Sicherheit und die seiner Kollegen Stellung: «Unsere Live-Schalten haben wir aus einem Hotel produziert, das nicht evakuiert wurde, weil es als baulich Hurrikan-sicher eingestuft worden war. Vom Balkon dieses Hotels sind nur zwei Live-Schalten entstanden», erklärte er.

Weil der Sturm während dieser Live-Schalten sehr heftig geworden sei, habe man später für die weitere Berichterstattung unter anderem die Auffahrt des Hotels gewählt. Dort sei das Team sicher gewesen. «Außerdem stehen wir in ständigem Austausch mit dem ARD-Krisenkoordinator, der uns hilft, Risiken einzuschätzen und zu reduzieren.»

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