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30 Jahre auf der Bühne

Erhard Herrmann / 12.09.2017, 14:48 Uhr
Brandenburg (MZV) "Gute, tanzbare Musik, bei der man die Texte verstehen kann und seinen Kopf nicht abschalten soll. Eine Mischung von Rocknummern bis zu Balladen über Reggae, Rap, Swing und Latin. Die Vielfalt ist unsere Stärke." So bezeichnen die Bandmitglieder von Patchwork ihren Musikstil. Mittlerweile stehen sie 30 Jahre auf der Bühne. Dieses Jubiläum wurde in der Johanniskirche mit über 500 Gästen gefeiert. Nach der Wende spielten sie oft vor einem großen Publikum. Waren bei sämtlichen katholischen Weltjugendtagen in Polen, Italien, Frankreich, Deutschland und in Brasilien dabei. Vor 10 Jahren traten sie vor 60 000 Menschen samt TV-Übertragung bei der Eröffnung des evangelischen Kirchentags in Köln auf. "Einer der Höhepunkte war das Konzert im vollbesetzten Berliner Olympiastadion beim Besuch von Papst Benedikt XVI", erinnerte sich der Schlagzeuger Raymund Menzel. "Draußen Auftreten war bis kurz vor der Wende undenkbar", so Menzel weiter. Er gehört mit seinem Bruder Frank zu den Urgesteinen, die bereits seit 1972 in der Formation mit dabei sind. Denn lange bevor es Patchwork gab, gründeten Hans Otto Jerosch und der spätere evangelische Pfarrer Manfred Domrös eine Musikgruppe, die die christliche Jugendarbeit, die zwischen FDJ und gleichgeschalteter Kulturlandschaft überlebt hatte, mit fetziger Musik begleiten und unterstützen sollte. Kein leichtes Unterfangen da die notwendige Technik nicht vorhanden war und man sich aus Frühstücksdosen Klinkenverteiler bastelte oder für ein Konzert schon einmal das Klavier aus der Wohnung des Pfarrers zum Konzertsaal schleppen musste. Zuerst gestalteten die Musiker den monatlichen Ökumenischen Jugendabend "Monatstreffs" in der Stadt und spielten dann bei Jugend- oder Kirchentage im Kirchenkreis oder darüber hinaus. Auch zu DDR Zeiten sehr gut besuchte Veranstaltungen mit mehr als 5000 Zuhörer. Mit einem ersten Musical-Projekt wurde die Gruppe, die die Bezeichnung "Ökumenische Kreiskirchenband Brandenburg" trug, über die Grenzen des Bezirkes Potsdam als "Öku-Band" bekannt, und bald folgten Veranstaltungen und Konzerte im gesamten Gebiet der ehemaligen DDR. "Eine Zeit, die uns geprägt hat und die wir nicht missen möchten", sagte Frontmann Christoph Kießig beim Jubiläumskonzert. DDR-Geschichten tauchen aber nur gelegentlich in den deutschen Songtexten auf, die sich ansonsten ironisch oder innig um Alltagsthemen drehen. Schon vor 20 Jahren erkannten sie die "Gefahren" die der Zeitgeist mit sich brachte. In ihrem Song "Radio" prangerten sie den Kommerzgedanken des privatrechtlichen Rundfunks an. "Gameboy machte auf die Abhängigkeit von Spielekonsolen aufmerksam. Der Name Patchwork ist zu einem durch das breite musikalische Portfolio entstanden. Zu anderem durch die Zusammensetzung der Band. Die Musiker haben sich in den verschiedensten evangelischen und katholischen Gemeinden in und um Brandenburg kennengelernt. Insgesamt waren es etwa 50 Mitglieder, die sich aus privaten, beruflichen oder familiären Gründen von der Band verabschiedet haben. Neben dem familiären Zusammenhalt, immerhin sind 24 "Band-Kinder" entstanden, spielt immer noch der christliche Glaube eine wichtige Rolle. Dabei ist ihnen wichtig, dass sie die "Frohe Botschaft" in einigen ihren Texten gerne verbreiten aber niemand unbedingt bekehren wollen. Kein Wunder also, dass ihr Jubiläumskonzert keinen Eintritt kostet, dafür aber für die Freilegung des vierten Fresken-Wandbildes in der Johanniskirche Geld gespendet werden konnte. Maria Menzel, die Tochter des Schlagzeugers Raymund Menzel führte charmant und witzig durch das Programm. Zusammen mit Frontmann Christoph Kießig gelang es einen alten Ziegelstein aus der Mauer der Johanniskirche für über 100 Euro, ebenfalls für die Freskenbilder, zu versteigern. Zur Freude von der Denkmalschützerin Katrin Witt, die ein Buch über die Johanniskirche und eine Urkunde zum ersteigerten Ziegelstein dazulegte. Vorgestellt wurde auch die neue CD mit dem Titel "So oder so". Dabei ist der Titel auch gleich Programm den "So oder so" wird es mit Patchwork noch einige Jahre weitergehen.

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