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Der britische Autor Kazuo Ishiguro erhält den Literaturnobelpreis

Viel Kafka, etwas Proust

Kazuo Ishiguro ist von der Wahl überrascht.
Kazuo Ishiguro ist von der Wahl überrascht. © Foto: dpa
Uwe Stiehler / 05.10.2017, 20:20 Uhr
Stockholm (dpa/MOZ) Als die Literaturwissenschaftlerin Sara Danius am Donnerstag in Stockholm im Namen der Schwedischen Akademie bekannt gab, dass der britische Autor Kazuo Ishiguro (62) dieses Jahr den Nobelpreis für Literatur bekommt, schwärmte sie so leidenschaftlich von diesem Autor, als wäre sie seine Literaturagentin. Von einem "brillanten Romancier" sprach Sara Danius, einem Schriftsteller, der an Jane Austen erinnert, auch ein bisschen an Proust und etwas großartig Kafkaeskes in seine Bücher zaubert. Auf diese Nähe zu Kafka wies sie immer wieder hin, als würde das Kazuo Ishiguro noch einmal besonders adeln.

Mit der Entscheidung, ihm dieses Jahr den mit acht Millionen Schwedischen Kronen (etwa 840000 Euro) dotierten Literaturnobelpreis zu verleihen, hat die Schwedische Akademie die Weltöffentlichkeit wieder einmal überrascht. So wie im vergangenen Jahr, als sie dem Musiker Bob Dylan die Auszeichnung verlieh, der darauf so gleichgültig reagierte, als habe man ihm einen Papporden geschenkt. Dylan war damals für seine poetischen Neuschöpfungen in der amerikanischen Songtradition ausgezeichnet worden. Etliche sprachen ihm jedoch den Rang eines Literaten ab.

Bei der Entscheidung für Kazuo Ishiguro ist das anders. Seine literarische Qualität ist unstrittig. Seine Bücher werden weltweit gelesen. Und so qualitätsvoll wie sie geschrieben sind, wurden einige mit Weltstars verfilmt.

Sein Romandebüt "Damals in Nagasaki" machte Ishiguro auf einen Schlag berühmt. Der Roman, der 1982 zunächst auf Englisch unter dem Titel "A Pale View of Hills" erschien, spielt in seiner Heimatstadt in Japan. Ishiguro verließ das ostasiatische Land mit seinen Eltern bereits als kleiner Junge in Richtung Großbritannien. Erst als Mittdreißiger kehrte er 1989 für einen Besuch zurück.

Seine Leidenschaft zum Schreiben entdeckte er bereits als Grundschüler, als er sich mit Vorliebe Spionagegeschichten ausdachte. In England studierte er Philosophie, Anglistik und Kreatives Schreiben. Doch es dauerte, bis er die Schriftstellerei zum Beruf machte. Er trat zeitweise in Londoner Pubs als Gitarrist, Sänger und Pianist auf. Ein Jahr lang arbeitet er im Tross der "Queen Mum", der Mutter von Königin Elizabeth II., und jobbte als Sozialarbeiter in London. Erst seit 1983 widmet er sich voll und ganz dem Schreiben.

Und das äußerst erfolgreich: Für "Was vom Tage übrig blieb", sein wohl berühmtestes Buch über einen alternden Butler, bekam der Schriftsteller 1989 den Booker-Preis. Es wurde mit Anthony Hopkins und Emma Thompson verfilmt.

Von Hollywood wurde ebenfalls sein Roman "Alles, was wir geben mussten" adaptiert, wobei Carey Mulligan und Keira Knightley die Hauptrollen übernahmen. Roman und Film erzählen von einer Schule, deren Schüler Klone sind, die als Organspender dienen.

Wie dieses sind auch andere Bücher Ishiguros ins Deutsche übersetzt worden und bei uns zuletzt im Karl Blessing Verlag erschienen. Weltweit wurden seine Werke in mehr als 40 Sprachen übertragen und verkauften sich millionenfach.

Auch die Musik spielt eine große Rolle für ihn. Als seine "Helden" nennt er Leonard Cohen, Joni Mitchell - und Bob Dylan. Mit seinen Freunden habe er "endlos" über die Beziehung zwischen Text und Musik diskutiert, sagte er einmal dem "Guardian".

Nach dem Votum der Briten zum EU-Austritt im Juni 2016 appellierte Ishiguro in einem Gastbeitrag in der "Financial Times" leidenschaftlich für ein zweites Referendum über die Art des EU-Ausstieges. Er ließ wenig Zweifel daran, dass er den Brexit für ein Unglück hält.

Ishiguro ist verheiratet und hat eine erwachsene Tochter. Er lebt mit seiner Familie in London.

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