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Ein Kraftmensch beim "Schäferstündchen"

Punktet mit lässig-männlichem Charme: der Schauspieler Michael Kind
Punktet mit lässig-männlichem Charme: der Schauspieler Michael Kind © Foto: Klaus Kleinmann
Klaus Kleinmann / 02.10.2017, 06:30 Uhr
Bernau (MOZ) In der 15. Folge der "Bernauer Schäferstündchen", moderiert von dem bekannten Schauspieler, Kabarettisten und Regisseur Alexander G. Schäfer, war am Sonnabend der Theater-, Film- und TV-Schauspieler Michael Kind zu Gast. Vom ersten Moment an, als er die Bühne betritt, beherrscht er das Publikum mit seinem lässig-männlichen Charme und zaubert vor allem der holden Weiblichkeit Lächeln und verklärte Blicke aufs Gesicht. Alexander G. Schäfer lässt ihm sehr viel freien Raum und lenkt das Gespräch nur hin und wieder dezent mit eingestreuten Stichworten. Mehr wäre weniger, denn Michael Kind hat unendlich viel zu erzählen.

Zur Schauspielerei fand er erst nach Jahren anderer Betätigungen, etwa als Elektroingenieur, Aktmodel und Rockmusiker. Zum Theater hatte er zunächst gar keine Affinität. Die von der Schule organisierten Besuche des Schauspiels waren für ihn hauptsächlich deswegen interessant, weil man hinterher die eine oder andere Klassenkameradin harmlos flirtend nach Hause begleiten konnte. Bei einer Faust-Aufführung langweilte er sich so abgrundtief, dass er sich dazu hinreißen ließ, mit einer Wasserpistole auf den Hauptakteur zu schießen. Das war natürlich ein riesiger Skandal, der ihm zwar bei den Klassenkameraden, vor allem den weiblichen, gehörig Gummipunkte einbrachte, andererseits aber eine Unterbrechung der Vorstellung und seinen definitiven Rausschmiss aus dem Theater zur Folge hatte.

Jahre später, er studierte schon Schauspielerei in Berlin, saß er im Zug per Zufall mit dem damals beschossenen Schauspieler Kurt Böwe zusammen und erzählte ihm die Geschichte, nicht ahnend, wen er vor sich hatte. Böwe amüsierte sich königlich und kündigte an, sich rächen zu wollen, wenn Michael Kind einmal auf der Bühne steht. Zum Glück hat er niemals Wort gehalten.

1953 in Halle/Saale geboren, war Michael Kind ein waschechter Sprössling der DDR. Nach seiner Einstellung zum damaligen System befragt, entgegnet er, dass er rückblickend fast nostalgische Gefühle hege. Das sei nun einmal seine Welt und seine Heimat gewesen. Den Wunsch "in den Westen rüber zu machen" habe er nie verspürt, sei von Auslandsengagements immer gerne in die DDR zurückgekehrt und habe sich sogar - wenn auch schweren Herzens - auf dem Flughafen von Rom dem Vorschlag einer zauberhaften Schweizerin widersetzt, mit ihr in die Alpenrepublik zu türmen. Man habe gelernt, mit der Stasi Katz und Maus zu spielen, wenn auch die Katze durchaus Krallen hatte. Trotz allem hegt Michael Kind keinen Groll auf das alte System. Er äußert sich zufrieden über die heutigen Zustände, empfindet aber gleichzeitig Dankbarkeit dafür, dass er in seinem Leben zwei Gesellschaftsordnungen kennen lernen durfte - die sozialistische und die westliche.

Ein Job als Theaterbeleuchter - für ihn als Elektrotechniker kein Problem - brachte ihn schließlich doch in Kontakt mit der Bühnenwelt. Alles scheint danach rasend schnell gegangen zu sein: Studium und Rollenangebote in Serie. Flaggschiff seiner Schauspielkarriere war aber die Rolle des Hermann Gruber in der Fernsehserie "Küstenwache", die er 17 Jahre lang spielte und die ihm deutschlandweite Popularität einbrachte.

Ein Kraftmensch wie Michael Kind blickt immer nach vorn. Ein aktuelles Projekt heißt "Die Stunde der Komödianten". Dazu holte er eine ganze Riege von Bühnenkünstlern, mit denen er gemeinsam in Studienzeiten die Lehr- und Wanderjahre bestritt, auf die Bretter, die die Welt bedeuten.

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