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Oliver Schwers 11.09.2017 15:54 Uhr
Red. Bernau, bernau-red@moz.de

landkreise/barnim/bernau/artikel3/dg/0/

"Kriminelle Ausländer abschieben"

Panketal (MOZ) Er kritisiert, polarisiert, eckt an, provoziert und ärgert sich. Der Karatelehrer Steffen John ist Euro-Kritiker und deshalb in die AfD gegangen. Seine Partei kann es besser als die anderen, meint er und will in den Bundestag.

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Will mindestens auf Platz 2: Steffen John

© MOZ/Oliver Schwers

Nein, er habe nichts gegen Ausländer. Er unterrichtet selbst genügend von ihnen ohne jede Probleme. "Wenn wir 1000 Gefährder im Land haben, wird es aber Zeit, kriminelle Ausländer abzuschieben und die Grenzen abzuschotten", wiederholt er immer wieder. Logischerweise sorgt das für heftigen Gegenwind. Viele werfen der AfD vor, zu polarisieren und die Rechten bei ihren Argumenten zu unterstützen. Dennoch: "Wer zu uns kommt, muss überprüft werden. Wir brauchen ein vernünftiges Einwanderungsgesetz." Die Wirtschaft müsse deshalb sagen, wo und welche Fachkräfte fehlen. "Und wir müssen eine Politik betreiben, die verhindert, dass unsere Fachkräfte abwandern. Stattdessen züchten wir ein Meinungsbild heran, das überhaupt nicht zwischen Flüchtlings- und Einwanderungspolitik trennt."

Klare Worte. Und das provoziert nicht nur den politischen Gegner. Steffen Johns Wahlplakate verschwinden über Nacht, werden heruntergerissen, gestohlen. In der Eberswalder Bahnhofstraße fehlten wenige Stunden nach dem Anbringen gleich 28. In der Uckermark wurde ein Auto bei ähnlichen Aktionen beobachtet. Die AfD geht von organisiertem Vorgehen aus.

Persönlich ist Steffen John bisher noch nicht angefeindet oder bedroht worden. Die AfD sei eine Volkspartei. Jeder wähle seinen eigenen Zungenschlag. "Und ich bin auch nicht immer glücklich über alle Aussagen. Da rutscht eben im Wahlkampf manchmal was heraus, aber das muss die Demokratie aushalten."

Wieder und wieder lehnt er jede Art von Extremismus und radikale Tendenzen ab. Doch der Vorwurf, dass die Partei ebenjene rechten Geister anspricht, steht im Raum. "Die verabschieden sich von alleine", hofft er. "Wir sind eine junge Partei, die eben auch mit bestimmten Sachen zu kämpfen hat. Da wird sich noch manches ändern."

Steffen John ist selbstständig, muss seinen Wahlkampf allein organisieren. Über mangelndes Interesse an den Thesen und Forderungen seiner Partei beklagt er sich nicht. Themen: Renten, Bildung und Pflege. "Wenn ich meine Mitbewerber mit ihren immer neuen Wahlversprechen höre, frage ich mich, warum sie das nicht alles in den vergangenen Jahren durchgesetzt haben. Ihre Angebote sind nur Kosmetik. Wir brauchen eine vernünftige Sozialpolitik für die Bürger. Ich kritisiere, dass ein 67-Jähriger, der 40 Jahre gearbeitet hat, eine Rente unter der Grundsicherungsgrenze bekommt." Seine Forderung: Keine Rückentwicklung beim Rentenniveau.

Die Liste der Kritik ist lang: Falsche Familienpolitik habe den Fachkräftemangel verursacht. Falsche Gesundheitspolitik sorge dafür, dass nur noch Profit zähle und Pflegekräfte nicht mal eine Pause machen dürften. Vorschlag: Krankenkassen verschlanken, Bezahlung verbessern.

Noch mehr wettert John gegen die Lohnpolitik. Die Agenda 2010 unter Kanzler Schröder habe dazu geführt, dass aus echter Arbeit nun Leiharbeit geworden sei. Seine Lösung: Leiharbeit auf zwölf Monate begrenzen, ansonsten Festanstellung.

Der AfD-Mann hat beim Wahlkampf eine eigene Strategie entwickelt. Er fährt los, hält irgendwo in kleinen Dörfern an, verteilt seine Flyer, spricht einfach mit den Leuten, geht zum Stammtisch. In kleinen Runden. "Da sprechen die Menschen Klartext. Die fühlen sich abgehängt, weil der ÖPNV abgewickelt wurde, es kein Geschäft mehr gibt und der Arzt verschwunden ist."

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