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Trainerin Melanie Ahl-Jende hat aus auseinandergebrochener Tanz-Formation wieder eine Einheit gemacht

Das Wunder von Bernau

Alles tanzt nach ihrer Pfeife: Mit Trainerin Melanie Ahl-Jende konnten die Bernauer eine ehemalige Weltmeisterin verpflichten.
Alles tanzt nach ihrer Pfeife: Mit Trainerin Melanie Ahl-Jende konnten die Bernauer eine ehemalige Weltmeisterin verpflichten. © Foto: MOZ/Sergej Scheibe
Britta Gallrein / 10.11.2017, 05:33 Uhr
Bernau (MOZ) Das Formationsteam des Tanzclubs Bernau geht in seine zweite Saison in der 1. Bundesliga. Doch das wird kein Zuckerschlecken, denn die Sportler starten unter widrigsten Bedingungen. Nach einer Rundum-Erneuerung blieb kaum Zeit zur Vorbereitung.

Die Freude war riesig, als im Jahr 2015 klar war, dass die Bernauer Formation den Sprung in Deutschlands höchste Liga schaffte. Und es kam noch besser, denn die Barnimer kamen bei der Jury auch in einer Klasse höher gut an, schafften am Ende einen tollen Platz fünf von acht Teams und sicherten sich locker den Klassenerhalt. Vor der Mannschaft lag scheinbar eine goldene Zukunft, doch es kam anders.

Mit der ehrgeizigen Art von Trainer Markus Klabe und der starken Belastung durch drei- bis fünfmal Training pro Woche neben Job oder Studium kamen nicht alle Teammitglieder klar. Die Chemie stimmte plötzlich nicht mehr, viele Paare verließen den Verein. Die Aufsteiger standen vor dem Aus.

Das war im März. Und während im April und Mai die meisten Formationen auf diesem Leistungslevel schon wieder mit dem Training beginnen, herrschte bei den Bernauern Funkstille. Es war fraglich, ob und wie es weiter geht.

Erst im Juli kam die Lösung in Form von Melanie Ahl-Jende. Die 35-Jährige hat eine erfolgreiche Karriere als Einzel- und später Formationstänzerin hingelegt. Mit dem Braunschweiger TSC wurde sie 2011, 2012 und 2014 Weltmeister. Nach einer Operation am Fuß im Jahr 2015 beendete sie ihre aktive Karriere und widmete sich mehr dem Trainerjob, für den sie einen speziellen Trainerschein für Formationstanzen abgelegt hatte. Sie betreute das B-Team der Braunschweiger. Mittlerweile lebt Melanie Ahl-Jende mit Mann und ihrem kleinen Sohn in Berlin. Und als sie von einem ehemaligen Tänzer angesprochen wurde, ob sie sich nicht vorstellen könnte, die Barnimer zu trainieren, musste sie nicht lange überlegen.

Zunächst musste das Team jedoch neu zusammengestellt werden. "Als ich hier anfing, waren nur noch fünf Tänzer da", erinnert sich die Trainerin. Man musste einige Paare ersetzen, andere kamen zurück, als sie hörten, dass es einen Neuanfang gibt. Erst im August konnte die neu formierte Truppe mit dem Training beginnen - sehr viel später als ihre Konkurrenz. Und selbst dann wurde immer noch wieder getauscht und verschoben. "Es war ein bisschen wie ein Puzzle. Wer tanzt mit wem und an welcher Position? Wir mussten ständig etwas ändern", berichtet die Trainerin von den Schwierigkeiten in der Vorbereitung.

Trotzdem freue sie sich über die neue Aufgabe, erklärte die neue Trainerin am Mittwochabend beim öffentlichen Abschlusstraining in der Stadthalle Bernau. Rund 50 Besucher waren gekommen, um sich anzusehen, wie weit das Team ist.

Denn die erste große Standortbestimmung steht bereits am Sonnabend an. Bei der Deutschen Meisterschaft in Bremen treffen die Bernauer zum ersten Mal auf ihre Konkurrenten. Dann wird sich zeigen, wie gut die anderen sind und ob die Bernauer da mithalten können.

"Wir haben in den letzten drei Wochen sechsmal pro Woche trainiert", berichtet Melanie Ahl-Jende. Ein Mammutprogramm für alle Beteiligten. Zwei Tänzer kommen aus Köln und Bochum - sie konnten aufgrund der langen Anreise nur am Wochenende bei den Proben dabei sein. Sie üben unter der Woche allein die Choreografie, die die aus dem letzten Jahr geblieben ist.

"In constant touch" heißt das Programm nach Melodien von Leona Lewis. Ein Programm, das Melanie Ahl-Jende selbst schon mit Braunschweig getanzt hat. "Das war wenigstens ein Vorteil", findet sie.

Wie es laufen wird am Sonnabend in Bremen, das könne man beim besten Willen nicht vorhersagen, weiß die Berlinerin. "Das werden wir erst wissen, wenn wir die anderen gesehen haben, welche Choreografien sie haben und wie die Aufsteiger Hamburg und Göttingen B sich präsentieren." Ziel sei in diesem Jahr, die Klasse zu halten. "Mit dem Team vom letzten Jahr hätte man sicher Platz vier angreifen können, aber unter diesen Umständen ist es einfach erst mal toll, dass wir überhaupt eine Mannschaft haben. Das ist schon das Wunder von Bernau", findet sie.

Am 13. Januar geht es dann weiter mit dem Saisonstart zur 1. Bundesliga. Das erste Turnier findet traditionell in Ludwigsburg statt, dann können sich Bernauer Tanzsportfreunde freuen: Das zweite Turnier ist am 27. Januar in der Hussitenstadt.

Wie auch immer diese Saison für die Bernauer ausgeht - Heike Körnig freut sich schon jetzt über das Erreichte: "Denn im Gegensatz zu alten Zeiten seit ihr jetzt wirklich ein Team."

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