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Mit zwei Firmenchefs verabredet

© Foto: MOZ/Thomas Burckhardt
Viola Petersson / 03.05.2017, 07:50 Uhr
Eberswalde (MOZ) Singles suchen per Speed-Dating einen Partner. Studenten und Firmenchefs versuchen es per "Unternehmer-Dating". Jüngst trafen sich angehende Fachkräfte der Eberswalder Hochschule HNE und zwei Barnimer Geschäftsführer zu einer ersten "Kontaktveranstaltung".

Das erste Date, die erste Verabredung haben die Studenten des Bachelor-Studiengangs "Unternehmensmanagement" mit Frank Wruck, dem Geschäftsführer der Barnimer Busgesellschaft (BBG). Und wie fahren sie bei dem Firmenchef vor? Natürlich mit einem Bus der BBG. Dies ist, wie sie nach der Firmenpräsentation wissen, eine "Gelegenheitsfahrt", auch Sonderfahrt genannt. Kein Linienverkehr.

In dem Dating geht es aber nicht nur um Verkehr. Es geht vor allem um die Struktur des Unternehmens, die Besonderheiten der Gesellschaft, die rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen. Denn die BBG ist keine gewöhnliche GmbH. Gesellschafter sind, wie die Studenten des viertes Semesters erfahren, die Landkreise Barnim und Märkisch-Oderland. Vieles ist geregelt und reglementiert, etwa die Tarife. Viele Stellschrauben gebe es für das Unternehmen nicht, um Kosten zu minimieren und Erträge zu steigern, so Wruck. Die Preise stehen fest, seien zum großen Teil politisch bestimmt.

Geschäftsführer und Studenten sprechen über Ausschreibungen, Vergabegesetz, über öffentliche Daseinsvorsorge, EU-Recht, Risiken der Finanzierung in Brandenburg. Wruck ist seit 1999 Geschäftsführer. Nein, leichter sei der Job nicht geworden. "Nur die Probleme verändern sich", sagt er, um den Studenten sodann noch einen Blick in die Werkstatt zu gewähren. Eine Werkstatt und eine Firma anderer Art lernen die Studis wenig später in Bernau kennen: im Autohaus Zemke, wo sie Geschäftsführer Bert Prengemann zum Dating begrüßt.

Den Fachbereich "Nachhaltige Wirtschaft" der HNE sowie den Barnimer Unternehmerverband verbindet seit Längerem schon eine Kooperation. Mit dem "Unternehmer-Dating" gehen sie nun neue Wege, um "einen weiteren Beitrag zur Fachkräftesicherung in der Region zu leisten", wie Sven Rathmann, Geschäftsführer des Unternehmerverbandes, sagt. Mit dem neuen Format wolle man die jungen Fach- und Führungskräfte von morgen bereits frühzeitig mit den Firmen vor Ort zusammenbringen. Erstaunlicherweise, so sein Fazit nach dem ersten Dating, gebe es - zumindest bei den zwei besuchten Unternehmen - eher einen Fachkräftebedarf in den handwerklichen Berufen als auf der Führungsebene.

Gleichwohl betrachten Rathmann wie auch Professor Jörn Mallok von der HNE die Premiere als Erfolg. "Dass die Unternehmer beziehungsweise Geschäftsführer mal aus dem Nähkästchen geplaudert haben, das war zweifellos eine Bereicherung." Und: Die Studenten haben trotz der Kürze der Zeit beide Seiten kennengelernt, das Management wie die Basis, die Angestellten. "Beide Seiten müssen im Einklang stehen. Dies ist, glaube ich, in beiden Firmen sehr deutlich geworden", so Mallok.

"Ich fand beide Kontakte sehr interessant", sagt Kamil Szymanski bei der Auswertung. Man habe zwei sehr unterschiedliche Unternehmen kennengelernt. Spannend sei beispielsweise gewesen zu erfahren, wie das Autohaus über die Jahre gewachsen ist und sich in der Region etabliert hat. Sein berufliches Ziel sei schon eine Führungsposition. Die Eltern haben selbst ein Unternehmen, einen Pflegedienst. Ein Einstieg dort wäre durchaus eine Option, so der 22-Jährige. Von einem "interessanten und doch recht umfangreichen Einblick" ins Unternehmer-Sein spricht Regina Ehrlich (22). Der "Frontal-Unterricht" an der Hochschule könne das nicht bieten. Philip Gleibs (22), der Regionalmanagement studiert und als Gast teilnahm, interessierte sich insbesondere für die Denkweise der Unternehmer. "Und da spürt man schon Unterschiede."

Das Unternehmer-Dating soll keine Eintagsfliege bleiben. Geplant sei ein Termin pro Semester, so Professor Mallok, Leiter des Studiengangs Unternehmensmanagement. Die Kontakte zur Wirtschaft sollen den Praxisbezug der Ausbildung stärken. Gleichzeitig bieten die Visiten die Möglichkeit des "Zugangs zu Unternehmerpersönlichkeiten". Die Gesellschaft für Leben und Gesundheit (GLG), der regionale Klinikkonzern, habe bereits seine Bereitschaft zugesagt, so Sven Rathmann.

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