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Hoffen auf eine menschliche Zukunft

Waches Gedenken: Die Besucher legen Blumen nieder. Vor 26 Jahren ist Amadeu Antonio Kiowa in der Eberswalder Straße Opfer eines rassistischen Anschlags geworden.
Waches Gedenken: Die Besucher legen Blumen nieder. Vor 26 Jahren ist Amadeu Antonio Kiowa in der Eberswalder Straße Opfer eines rassistischen Anschlags geworden. © Foto: Andreas Gora
Simon Rayß / 07.12.2016, 06:50 Uhr
Eberswalde (MOZ) Die Jahre vergehen, doch das Schicksal von Amadeu Antonio Kiowa bewegt Eberswalder weiter. Rund 50 von ihnen sind am späten Dienstagnachmittag in die Eberswalder Straße gekommen - zur Gedenktafel, die an den Tod des damals 28-jährigen Gastarbeiters aus Angola erinnert.

Vor 26 Jahren hat er als erster Mensch, der nach der Wende in Ostdeutschland rassistischer Gewalt zum Opfer gefallen ist, traurige Berühmtheit erlangt. 50 Jugendliche haben ihn dort, am Standort der ehemaligen Chemischen Fabrik, aus Fremdenhass derart getreten und geschlagen, dass er elf Tage später seinen Verletzungen erlegen ist.

So lebendig die Anteilnahme in diesem Jahr wieder ist, so aktuell bleibt auch das Thema. Ein Umstand, der die Gäste des Gedenkens ebenfalls bewegt, die an der Tafel Blumen niederlegen und Kerzen entzünden. "Es ist ungemein wichtig, dass wir uns an diesen Mord erinnern", sagt Kulturamtsleiter Stefan Neubacher. Er betont die Gemeinsamkeiten Amadeu Antonio Kiowas mit Flüchtlingen von heute: "Sie kommen nach Deutschland, um ein neues Leben zu beginnen." Dieter Gadischke von der Initiative "Light me Amadeu", die neben dem Afrikanischen Kulturverein Palanca und der Kampagne "Barnim für alle" die Veranstaltung organisiert hat, liest ein Grußwort von Konstantin Wecker. "Wir haben in unserer Nachbarschaft lieber 1000 Flüchtlinge als einen Nazi", schreibt der Liedermacher, der 1992 die "Ballade von Amadeu Antonio" gedichtet hat. "Es liegt an uns, jeden Ansatz von Antisemitismus und Rassismus im Keim zu ersticken."

Während der Verkehr langsam an der Gedenkstätte vorbeirollt, hören die Besucher schweigend zu. Sie hören auch das Gedicht "Wir sind wieder hier, Bruder Amadeu", das auf Deutsch und auf Portugiesisch, der Amtssprache Angolas, vorgetragen wird. "Wir sind hier, Bruder Amadeu", heißt es darin. "Die Saat von Ausgrenzung wächst sich noch immer in Hass und Gewalt aus." Und weiter: "Wir sind hier, wir suchen nach einer menschlichen Zukunft." Mit diesen Worten im Sinn gehen die Besucher anschließend in die Räume des Vereins Palanca, um sich auszutauschen. Über das, was vor 26 Jahren geschehen ist, was derzeit passiert und was vielleicht einmal sein wird.

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