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Brückenschlag der Backsteingotik

Sven Klamann / 21.07.2017, 06:30 Uhr
Chorin/Eberswalde (MOZ) Das Kloster in Chorin und die Maria-Magdalenen-Kirche in Eberswalde gelten als architektonische Meisterwerke aus dem 13. Jahrhundert. Um beide besser vermarkten zu können, sind Gemeinde und Stadt dem Verein "Europäische Route der Backsteingotik" beigetreten

Die gemeinsame Mitgliedschaft kostet Chorin und Eberswalde je 1250 Euro pro Jahr. Das Geld kommt einem Verein zugute, der sich in Deutschland, Dänemark und Polen dafür einsetzt, das Kulturerbe Backsteingotik zu erhalten, auf denkmalpflegerischen und touristischen Messen zu repräsentieren, für Reiseführer aufzubereiten und in Angebote für kulturinteressierte Urlauber einfließen zu lassen.

Chorins Klosterverwalterin Franziska Siedler und Eberswaldes Baudezernentin Anne Fellner sind überzeugt davon, dass der von beiden Parlamenten gebilligte und am 1. Juli vollzogene Beitritt zum Verein "Europäische Route der Backsteingotik" dazu beitragen wird, das Kloster und die Kirche bekannter zu machen.

Vor allem das Kloster Chorin ist längst ein Tourismusmagnet ersten Ranges. Seine Geschichte begann 1258, als die askanischen Marktgrafen Johann I. und Otto III. die Stiftung einer weiteren Wohn-, Arbeits- und Gebetsstätte für den katholischen Reformorden der Zisterzienser beurkundeten. Die Mönche ließen sich zunächst am Mariensee in Pehlitzwerder bei Brodowin nieder, doch bereits 1273 wurde ihr Kloster nach Chorin verlegt. Dort folgten die frommen Brüder bis 1542, dem Jahr der Auflösung des Klosters, ihrem Leitspruch "Ora et labora", verbrachten ihre entbehrungsreichen Tage also betend und arbeitend.

Das Kloster Chorin, dessen erste Gebäude wohl schon ab 1266 errichtet wurden, wird heute als Schlüsselwerk der frühen Backsteingotik beschrieben und gilt als Vorbild vieler weiterer Kirchenbauten in der Umgebung - so auch der Maria-Magdalenen-Kirche in Eberswalde. Dass das größte Gotteshaus der Barnimer Kreisstadt architektonische Anleihen an das Kloster Chorin erkennen lässt, ist alles andere als ein Zufall. Die zwischen 1258 und 1333 errichtete dreischiffige Basilika ohne Querschiff trägt die Handschrift der Choriner Baumeister: Ziegler aus der Klosterbauhütte hatten ihre gotische Formensprache in Eberswalde weitergeführt. So ist eine der bedeutendsten hochgotischen Stadtpfarrkirchen der Mark Brandenburg entstanden.

Die Klosterkirche in Chorin, ebenfalls eine dreischiffige Basilika, aber mit Querschiff, hatte gemäß den strengen Vorschriften der Zisterzienser ohne als Schnickschnack empfundenes Schmuckprogramm auszukommen. Zwar ist die repräsentative Westfassade, noch heute vermutlich das beliebteste Postkartenmotiv, regelkonform turmlos. Ihre Schmuckblenden, Strebepfeiler und Spitzbogenfenster haben sie dennoch als eine der am reichsten gestalteten backsteingotischen Kirchenfassaden in die Architekturgeschichte eingehen lassen. Auffällig sind des Weiteren die aufwändigen Friese und Konsolen im Kreuzgang.

An der Maria-Magdalenen-Kirche in Eberswalde gehören das aus dem 14. Jahrhundert stammendes Bronzetaufbecken und ein geschnitzter frühbarocker Holzaltar von 1606 zu den Besonderheiten. Letzterer wird als eines der wichtigsten Zeugnisse aus der Zeit betrachtet, in der sich das evangelische Brandenburg gegen die Einflüsse der Gegenreformation behauptet hat.

Eberswalde hat noch ein weiteres Bauwerk in den Verein "Europäische Route der Backsteingotik" einzubringen: die Mitte des 14. Jahrhunderts hochgezogene Kapelle des St.-Georg-Hospitals an der Breiten Straße. Doch das Bauwerk, das schon Hospiz, Pulvermagazin, Heimatmuseum und Konzertraum war, weist grundlegende konstruktive Mängel auf und wird schon seit 2006 nicht mehr genutzt. Auf dem einstigen Friedhof an der Kapelle wurden Pesttote, Arme und Soldaten begraben. Auch dies ist seit 1850 Geschichte. Seit Jahren denken Rathausspitze und Stadtpolitik gemeinsam darüber nach, wie es gelingen könnte, die St.-Georgs-Kapelle aus dem Dornröschenschlaf zu holen.

Zumindest für das Kloster in Chorin und die Maria-Magdalenen-Kirche in Eberswalde soll die Vereinsmitgliedschaft dazu beitragen, neue Besuchergruppen zu erschließen. Beide, das steht nicht nur für die Volksvertreter in Chorin und in Eberswalde fest, sind überaus lohnenswerte Ziele.

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