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Acht Finowfurter Mädchen und Jungen unterschreiben Papier für eigene Firma / Ihr Modell: ein solarbetriebenes Hausboot

Schüler steigen ins Geschäftsleben ein

Geschäftsleute, die noch die Schulbank drücken: Leon Lieschke (13), Tamina Bohm (15), Alina Bohm (15), Tony Beierlein (16), Lena Voigt (15), Celina Bohm (15) und Paul Volgmann (15, v.l.) sowie Vater Heiko Kannabei (2. von rechts) wollen ein solarbetrieben
Geschäftsleute, die noch die Schulbank drücken: Leon Lieschke (13), Tamina Bohm (15), Alina Bohm (15), Tony Beierlein (16), Lena Voigt (15), Celina Bohm (15) und Paul Volgmann (15, v.l.) sowie Vater Heiko Kannabei (2. von rechts) wollen ein solarbetrieben © Foto: MOZ/Thomas Burckhardt
Katrin Hartmann / 14.11.2017, 06:44 Uhr
Finowfurt (MOZ) Im Matheunterricht beschäftigen sie sich mit Zahlen, im Deutschunterricht mit Texten. Dass dies auch einen praktischen Bezug haben kann, wollen acht Schüler der Finowfurter Oberschule jetzt beweisen - und haben ihre einige Firma gegründet.

Geschäftsführer und noch Schüler? Geht nicht? Doch. Das finden jedenfalls Alina, Tamina und Celina Bohm, Lena Voigt, Paul Volgmann (alle 15), Leon Lieschke (13) und Tony Beierlein (16) von der Finowfurter Oberschule. Sie haben jetzt die Papiere für ihre eigene Schülerfirma unterschrieben.

"Sofi S UG" nennt sich ihre Idee, mit der sie im kommenden Jahr über den Finowkanal und andere Gewässer, vielleicht sogar bis an die Ostsee, schippern wollen. Der Name kommt noch etwas unbeholfen daher, die Chancen aber, dass die Idee die Runde macht, stehen nicht schlecht. Denn die Mädchen und Jungen wollen nachhaltig das Angebotsloch mit dem füllen, was Jugendliche im Sommer in Brandenburg gern machen: Zeit am und auf dem Wasser verbringen. "Die Grundidee entstand eigentlich vor einem Jahr", sagt Paul Volgmann. "Wir wollten eine gemeinsame Ferienfahrt machen. Auf einem Solarboot, auf dem wir auch übernachten konnten", sagt der 15-Jährige, dem Boote auch aus vorherigen Projekten im Jugendclub Finowfurt, kurz Fifu Club, der von der Evangelischen Kirchengemeinde getragen wird, vertraut sind. So einige solarbetriebene Boote sind dort bereits entstanden: "Krasse Kuh", "Perfect Life", "Flash" und "Bremse" nennen sich die Rennboote , die schon in verschiedenen Wettbewerben an den Start gegangen sind. Allerdings ohne Platz für mehr Personen und ohne Schlafgelegenheiten.

Das soll sich jetzt mit der "SolarbootFinowfurt Schülerfirma UnternehmensGesellschaft" ändern. "Wir wollen neun bis zehn Schlafplätze auf dem Hausboot schaffen", sagt Lena Voigt. Dazu soll eine Sonnenterrasse kommen, eine Kombüse sowie eine Toilette und ein Waschbecken, erklärt Heiko Kannabei, der das Projekt als Vater handwerklich mit betreut. "Und das Ganze dann solarbetrieben", sagt Paul Volgmann.

Und das Boot? "Das kommt von einem anderen Jugendklub aus Liepe", sagt Jörg "Joschi" Bauer, Jugendförderer im Fifu Club, der das Projekt betreut. In einer Arztpraxis stieß er zufällig auf das Wassergefährt. Dort traf er jemanden, der ihm von dem Boot erzählte. Da der Fifu Club bereits auf der Suche nach einem geeigneten Rohbau war, fackelte Joschi nicht lange. Er und Gemeinde-Jugendkoordinator Matthias Borsch setzten das Boot gemeinsam über.

7000 Euro gingen dafür über den Tisch. Die Gemeinde unterstützt das Projekt in diesem Jahr mit 4000 Euro, prüfenden Blicken über die Papiere sowie versicherungstechnischen Angelegenheiten, insbesondere durch Peggy Sydow, Leiterin des Ordnungs-, Schul- und Sozialamtes. Im kommenden Jahr steuert die Gemeinde noch 6000 Euro hinzu. Der Landkreis fördert mit 6000 Euro. Die Mittel wurden für den Ankauf und jetzt für den Umbau genutzt.

Um ihre Idee im Juli 2018 tatsächlich übers Wasser schippern zu sehen, ist jetzt Anpacken angesagt. Zweimal in der Woche wird an dem Ponton-Boot gewerkelt. Um 20 bis 25 Personen mitnehmen zu können, muss der Grundbau noch verlängert werden. Bis Ende 2018 wollen die Jugendlichen ihr Solar-Hausboot Marke Eigenbau testen. Dabei, das wissen sie, sollte dann alles sitzen, denn immerhin wollen sie sich danach am realen Wirtschaftsleben beteiligen.

So sind sie auch für die Werbung und Vermarktung verantwortlich. "Die Website befindet sich derzeit noch im Aufbau", sagt Tamina Bohm. Auch über ein Logo haben sich die Schüler Gedanken gemacht. 14 Entwürfe sind bislang entstanden.

In den vergangenen neun Monaten organisierte Joschi mit den Mädchen und Jungen auch wöchentliche Workshops zu den unterschiedlichen Gesellschafterformen. Unterstützung für die geeignete Variante gab es zudem von vier Auszubildenden der Sparkasse Barnim. "Wenn diese Jugendliche mal unsere Rente verdienen sollen, mache ich mir keine Sorgen", sagt Joschi.

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