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Erforschung und Erhalt der Wandmalerei im Dom

Dr. Rüdiger von Schnurbein / 14.07.2017, 11:41 Uhr
Brandenburg (MZV) Am 10. Juli 2017 begann eine von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte dreijährige Forschungsphase im Rahmen zweier Projekte der Universität Paderborn und der HAWK Hildesheim/Holzminden/Göttingen unter dem gemeinsamen Titel: "Der Wandmalereizyklus zu den Wissenschaften und Künsten in der Brandenburger Domklausur". Das nördlich der Alpen und in der historischen Mark Brandenburg außergewöhnliche Bildprogramm des oberen nördlichen Kreuzgangs umfasst weibliche Personifikationen der sieben freien Künste von der Grammatik bis hin zur Astronomie, Szenen der sieben Handwerkskünste von der Landwirtschaft bis hin zur Schauspielkunst sowie Allegorien der vier Fakultäten mit der Theologie an der Spitze. Bemerkenswert ist die Bandbreite der Darstellung der mittelalterlichen Disziplinen, die durch erläuternde Inschriften ergänzt werden. Ein besonders günstiger Umstand für die Untersuchungen zu den fragmentarischen Wandgemälden bietet die zeitgenössische Beschreibung der Wandmalereien durch Hartmann Schedel, den Nürnberger Arzt, weit gereisten Humanisten und späteren Herausgeber der "Schedelschen Weltchronik". Nun eröffnet sich der Forschung die Chance, die anspruchsvolle Ausmalung der ehemaligen Prämonstratenserbibliothek dem Wissenschaftler wie dem Laien ihrem Bestand und ihren Kontexten nach zu erschließen. Wichtige Bausteine dieses Vorhabens bilden die akribische konservierungswissenschaftliche Untersuchung sowie die Visualisierung von Befunden und Überlegungen zur Rekonstruktion. Die grundlegende Erforschung der künstlerischen Voraussetzungen wie der Ikonographie und Funktion zielt auf weit reichende Zusammenhänge der regionalen und europäischen Kunstgeschichte. Die gemeinsame vertiefende Erforschung des Wandmalereizyklus wird durch die enge Kooperation mit dem Domstift Brandenburg sowie dem Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseum ermöglicht.

Hervorzuheben ist die enge Verzahnung des Projektes zur "Kunstproduktion und Wissensorganisation um 1450" unter der Leitung von Prof. Dr. Ulrike Heinrichs, Universität Paderborn und des Projektes "Konservierungswissenschaftliche Forschung zur substanziellen und ideellen Erschließung des erhaltenen Bestandes" unter der Leitung von Prof. Dr. Rest. Nicole Riedl-Siedow, Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) Hildesheim/Holzminden/Göttingen. Die Zusammenarbeit der beiden Disziplinen gewährleistet eine adäquate Herangehensweise an die Wand- und Gewölbemalereien mit kunsthistorischen und konservierungswissenschaftlichen Methoden. Letztere ermöglichen durch ein transdisziplinäres Untersuchungsprogramm von zerstörungsfreien und zerstörungsarmen analytischen und bildgebenden Verfahren u.a. eine Auswertung und Visualisierung der im natürlichen Licht nicht erkennbaren Komponenten der Wandmalerei als Grundlage für die weiterführende Forschung. Die zu erwartenden Erkenntnisse betreffen Forschungsdesiderata zur Kunst der Mark Brandenburg in der Mitte des 15. Jahrhunderts wie auch Aspekte der spätmittelalterlichen Bildungsgeschichte und neue Einsichten in eine überregionale Vernetzung in Bezug auf Ikonographie und Motivgeschichte. Die angestrebte objektorientierte Organisation der Forschungsdaten unter Verwendung des an der Universität Passau entwickelten Datenbanksystems MonArch dient dem Erhalt des wertvollen Wandmalereizyklus in der ehemaligen Domstiftsbibliothek

Dr. Rüdiger von Schnurbein,

Leiter des Dommuseums

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